Schluss mit Jammern – auch nicht über die EZB

JammerfreieZone_KarinWess.com_-768x623Wir Deutschen sind bekannt für unsere „German Angst“ und unser Jammern. Gestern ging das Gejammere darüber los, dass die Zinsen durch die geringfügige Zinssenkung der EZB auf nun Null mindestens vorübergehend abgeschafft wurden. Geht es uns in Deutschland deshalb schlechter? Der deutsche Michel mit seinem Bausparer und der Kapitallebensversicherung samt Sparbuch ist zwar tatsächlich schon seit einigen Jahren über die mickrigen Zinsen frustriert. Aber es gibt eine viel bessere Alternative zu Zinsanlagen – doch dazu später mehr.

Während wir so viel jammern, in Familien- und Freundeskreis häufig immer besorgter über die Flüchtlingspolitik sprechen, leben wir in vielen deutschen Regionen in einer Arbeitswelt mit Vollbeschäftigung. Noch nie gab es in Deutschland so viele Erwerbstätige. Seit Jahrzehnten hatten wir keinen solchen Überschuss im Staatshaushalt mehr. Trotz der Flüchtlingskrise bleibt das wohl auch 2016 so. Um uns herum in Europa herrscht nicht nur unter Jugendlichen Massenarbeitslosigkeit. Aber in der Exportnation jammern die vielfachen Exportweltmeister über ausbleibende Zinsen. Viele deutsche Unternehmen wissen nicht mehr wohin mit dem verdienten Geld. Haben sie keine Investitionsideen? Potentielle Existensgründer kommen in der gut laufenden deutschen Wirtschaft leichter an Aufträge als in früheren Jahren mit Stagnation oder Rezession. Ideen und Konzepte ließen sich vielleicht noch nie so leicht entwickeln und umsetzen wie heute im Zeitalter von Crowdinvesting und Niedrigzinsen.

Für Familien wurde mit Kindergeld und dem Ausbau von Kita-Plätzen sowie Ganztagesschulen schon sehr viel in den letzten Jahren gemacht. Und es wird auch noch weiter viel in Kinder investiert – wenn auch manchmal an den falschen Stellen. Doch grundsätzlich liegt es nicht am fehlenden Geld, wenn irgendwo noch Verbesserungs- und Handlungsbedarf besteht. Bei den niedrigen Zinsen und den vielen Förderprogrammen kommt jeder Mensch mit Ideen, einen guten Konzept und dessen ordentlicher Vorstellung vor Geldgebern in Deutschland auch zum nötigen Investitionskapital. Familie und Beruf – vor allem als Selbstständiger lassen sich durchaus verbinden. Natürlich ist dabei auch Durchhaltewillen gefragt.

Doch vor lauter Jammern scheinen vielen die Ideen auszugehen. Das Geld in Bausparern, Sparbüchern und Kapitallebensversicherungen liegen zu lassen, hat nichts mit Kreativität, Unternehmertum und Eigenverantwortung zu tun. Es ist einfach nur bequem, hilft aber keinem weiter. Wachstumsimpulse für andere EU-Länder oder im Kleinen für die Kommune um die einzelnen Akteure herum können so nicht entstehen. Vielen Kindern und Schülern wird wohl leider immer noch nahe gelegt, sich zukünftig einen gemütlichen Arbeitsplatz bei Vater Staat beim Bosch, Daimler oder Siemens zu suchen.

Dabei baut gerade Siemens 2500 Arbeitsplätze in Deutschland ab. Daimler verpasst möglicherweise die Zukunft der Elektromobilität, wenn es sich nicht sputet und den großen Rückstand aufholt. Darüber zu jammern, hilft nicht weiter. Jeder sollte seine persönlichen Chancen in einem zukunftsträchtigen Gebiet suchen. Sich gründlich informieren, dann aber einfach mal loslegen statt perfektionistisch einen Detailplan ausarbeiten zu wollen, der in einer komplexen, sich schnell verändernden Realität ohnehin immer wieder angepasst werden muss. Viele sind mit ihrem Arbeitgeber zufrieden. Na und! Selten war es so einfach wie jetzt einen neuen, besseren Arbeitgeber zu finden. Es gibt viele Weiterbildungsmöglichkeiten – zum Teil vom Staat bezuschusst. Jeder, der es will, kann sich mit etwas Ausdauer beruflich enorm entwickeln. Man muss sich nur in Bewegung bringen. Bei einem dann deutlich höheren Einkommen spielt es übrigens eine geringe Rolle, ob man 1-2 Prozent mehr Zinsen bekommt.

Ach ja, die Alternative zum Sparbuch. Die gab es schon immer. Diese Alternative wird leider in einer von Finanzbildung gering betroffenen deutschen Bevölkerung (auch deutsche Journalisten sind schlecht informiert) kaum entdeckt. Wer sich informiert, stößt auf dem Weg zu seiner Unabhängigkeit von Arbeitgebern oder zumindest zur Vermeidung von Altersarmut auf ETFs und aktive Aktienfonds. Damit lässt sich chancenreich und mit richtiger Vorgehensweise ohne großes Risiko Wohlstand aufbauen. Jammern zählt also nicht mehr für gut Informierte.

Weitere Informationen gibt es auf diesem von einer gmeinnützigen Stiftung getragenen Informationsportal Finanztip. Der langjährige Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen, ist hier federführend am Werk.

Inspiriert zu diesem Artikel wurde ich von Karin Wess und ihrer 21-Tage-Challenge