HRE-Warnung bei Steinbrück abgeheftet

Schon am 27. Februar 2008 prüften Mitarbeiter der Bundesbank die für das Finanzsystem brandgefährliche Hypo Real Estate-Tochter und machten auf „schwerwiegende Folgen“ der „umfangreiche(n) unbesicherte(n) Refinanzierung“ aufmerksam. Im Finanzministerium wurde ein Bericht darüber angeblich lediglich im Ordner abgeheftet. Selbst das wäre ein Skandal. Doch laut report München ist das sehr unwahrscheinlich, das der Finanzminister Peer Steinbrück, der sich gerne als Superkrisenmanager geriert, davon nicht benachrichtigt wurde.

Nachdem Steinbrück seine Unfähigkeit lange verdecken konnte, sollte langsam offensichtlich werden, dass er endlich nicht mehr um einen Einstieg des Staates als Kapitaleigner herumkommt.
Das würde dem Steuerzahler wenigstens massive Kurssteigerungen bescheren, nachdem das chaotische Management des Finanzministeriums bisher nur zu Bürgschaften führte.

Bürgschaften sind das wesentlich schlechtere Instrument zur Rettung wichtiger Banken. Denn was helfen Bürgschaften in Höhe einiger Dutzend oder auch in Höhe von 480 Milliarden, falls diese Summe des Finanzrettungsfonds der Soffin tatsächlich ausgegeben wird, angesichts der Bilanzsumme von überschlagenen fünf Billionen Euro nur einiger großer deutschen Banken im Jahr 2007? Wenn nur zwanzig Prozent abgeschrieben werden, reicht der Rettungsfond nicht einmal für die Hälfte der Summe. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu wissen, dass abgeschriebene Kredite später doch noch an die Banken zurückgezahlt werden können, die Wahrscheinlichkeit dazu sogar ganz gut steht. Schon bei der Schwedischen Bankenkrise war das zu beobachten. Ursache ist schlicht und ergreifend, dass Banken üblicherweise Kredite abschreiben müssen, wenn diese Kredite verbrieft wurden, d.h. an den Finanzmärkten zu unterschiedlichen Preisen gehandelt werden. Sobald die Preise für diese verbrieften Kreditpakete sinken, entsteht dieser Wertberichtungsbedarf. Unabhängig ob die dahinterstehenden Kredite wirklich ausfallgefährdet sind. Ursache für das sinken dieser Pakete kann auch eine Panik oder Verunsicherung über ihren Inhalt sein. Genau das ist offensichtlich weltweit seit einigen Monaten der Fall.

Die einfachste Maßnahme ist daher der Aufkauf der Bankaktien bzw. die Ausgabe neuer Bankaktien an die Bundesregierung. Diese schießt den Banken im Gegenzug neues Eigenkapital zu. Dabei wird der prozentuale Anteil der bisherigen Aktionäre der Banken gesenkt oder verwässert, wie es im Fachjargon heißt. Vor der letzten Gesetzesänderung aufgrund der Finanzkrise, war es gesetzlich vorgeschrieben, den Altaktionären ebenfalls Ausgleichsaktien dafür anzubieten, um den gleichen prozentualen Anteil zu behalten.

Dies wurde geändert, was letztlich eine prozentuale Enteignung der Altaktionäre zur Folge hat. Allerdings zu deren Wohl. Niemand von diesen kann schließlich ein Interesse daran haben, dass ihre Aktien im Falle einer Insolvenz gar nichts mehr wert sind.

Es wird nun endlich Zeit, dass auch die Herren im Finanzministerium ohne Scheu dazu übergehen, die Banken mehrheitlich zu übernehmen, die andernfalls keine Kredite mehr von anderen Banken am Kapitalmarkt erhalten. Hoffentlich ist die (FAZ) sich nun abzeichnende Übernahme (Handelsblatt) der HRE nun der notwendige Richtungswechsel des bisher chaotischen Krisenmanagments des Finanzministeriums. Alles andere beendet die Krise an den Finanzmärkten nicht, sonder verlängert oder verschärft sie noch weiter.

Staat vermasselt Commerzbank-Einstieg

Am 8. Januar wurde die Teilverstaatlichung (25 Prozent Staatsanteil) der Commerzbank bekannt. Das habe den Staat laut Welt.de 1,8 Mrd. Euro gekostet. Zusätzlich schoss der Staat noch 8,2 Mrd. Euro an stillen Einlagen hinzu. Zusammen mit den bereits früher geleisteten Zuschüssen besitzt der Staat 16,4 Mrd. an stillen Einlagen. Nur weil sich die EU-Kommission einschaltete bekommt der Steuerzahler dafür zumindest 9 Prozent Verzinsung für die stillen Einlagen des Staates.

Sieht man sich einmal den Kurs an, der im November bei über 9 Euro lag, im Jahr 2007 bei über 35 Euro, nun aber unter 5 Euro, fragt man sich, warum der Staat die Bank nicht vorübergehend komplett oder zumindest zu 75 Prozent verstaatlicht, um sie dann wie für die Deutsche Bahn geplant nach der Finanzkrisenzeit wieder an der Börse zu verkaufen. Großbritannien hat auf diese Weise viel klüger gehandelt als unsere Regierung in Berlin.

Bank verstaatlichen, um sie wieder zu verkaufen
Der Kurs kann sich dann wieder vervierfachen – vorausgesetzt die Bank findet ein tragfähiges Geschäftsmodell. Aber sie müsste dann in dieser für sie schwierigen Zeit nicht 9 Prozent Zinsen für die 16,4 Mrd. Euro an stillen Einlagen zahlen. Das macht pro Jahr etwa 1,5 Mrd. Euro an Zinszahlungen die von der Bank an den Staat abgeführt werden. Im Finanzministerium scheinen die falschen Leute zu sitzen.

Diese haben nicht begriffen, dass die Finanzkrise im Wesentlichen auch auf Psychologie und Vertrauen beruht, wie die FAZ hier beschreibt. Der Wert der zu übernehmenden Dresdner Bank wurde von Analysten im September auf etwa 10 Mrd. Euro eingeschätzt. Ein gut geführte Commerzbank die einmal nicht mehr vom Blender Martin Blessing als Vorstand geleitet wird, hat nach den Finanzturbulenzen in wenigen Jahren wieder einen mehrfach höheren Wert. Insofern ist der zu geringe Anteil des Staates nichts anderes als ein verschwenderischer Verzicht auf höhe Verkaufserlöse, die der Fiskus später einstreichen könnte.

Der Staat als Profiteur der Finanzkrise

Nicht wenige Menschen, nicht nur Akteure des globalen Finanzsystems oder Politiker, scheinen in den letzten Tagen das große Zittern bekommen zu haben. Wie schlimm ist nun die Finanzkrise tatsächlich?

Niemand hat seine Ersparnisse auf normalen Bankkonten verloren. Ist es nun schade um die renditehungrigen Investoren, die offenbar nicht wussten, in was sie ihr Geld stecken? Die skandalöse Tatsache, dass Finanzminister Steinbrück, Wirtschaftsminister Klos und der große „Weltökonom“ Oskar Lafontain im Aufsichtsgremium der staatlichen KfW-Bank sitzen, aber keinen blassen Schimmer hatten, was dort ablief, wollen wir heute mal außen vor lassen; aber nicht die damit verbundene Einsicht, dass der Staat (seine Beamten und Politiker) es auch nicht besser kann als der Kapitalismus. Was im weltweiten Finanzsystem nicht existierte, war Marktwirtschaft. Diese hat mit Kapitalismus nichts zu tunt. Siehe ältere Blogeinträge zum Unterschied zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft. Marktwirtschaft hätte bedeutet, dass Transparenz herrscht und jeder weiß, wo er investiert ist, die Risiken des Investments kennt und bewusst eingeht. Dies war hier nicht der Fall. Der Staat hat in einer Marktwirtschaft die Aufgabe, den Rahmen zu setzen, der eine Voraussetzung für das Existieren einer Marktwirtschaft ist. Offenbar gibt es den Rahmen nicht (mehr) oder es haben sich skrupellose Manager außerhalb eines wirkungslosen Rahmens bewegt. Das heißt, der Staat hat, wie bei der KfW im Einzelfall, im Großen versagt. Zumindest war im Finanzministerium in Berlin, in der Bankaufsicht Bafin, bei der Deutschen Bundesbank, in Brüssel oder in Washington niemand in der Lage rechtzeitig zu erkennen oder davor zu warnen, was sich nun ereignet hat.

Doch was ist nun wirklich passiert?

Eigentlich nichts dramatisches in der Qualität, allenfalls in der Quantität. Denn einige Häuslebauer, vor allem in den USA, weniger in GB oder Spanien, können ihre Hypothekenkredite nicht mehr zurückzahlen, weil sie nicht einkalkulierten, dass die Zinsen dafür steigen oder ihr Job relativ unsicher ist. Viele von ihnen hätten von den Banken gar keine Kredite bekommen dürfen. Auch hier liegt ein Aufsichtsversagen des Staates und nicht nur des Kapitalismus vor. Diese gefährdeten Kredite wurden von Banken und Investmenthäusern in Fonds gebündelt und diese Fonds von Ratingagenturen für gut bewertet. Diese haben also dabei auch versagt einschließlich ihres potentiellen Kontrolleurs, der Staat. Genaueres siehe bei einem schon monatealten, noch aktuellen Blogartikel zu dieser Fehlerkette. Die Hypothekenkreditkrise an sich ist insofern schon lange vorüber, als nun keine derartigen Kredite mehr vergeben werden und die Kredite nun realistischer hinsichtlich ihres Riskos eingeschätzt werden. Nur weiß noch nicht jeder Investor, egal ob institutionell (Bank, Versicherung) oder Privatperson bzw. will es lieber nicht (sofort) wissen.

Die letzten Käufer dieser Kredite, auch Investoren genannt, werden nun von den Hunden gebissen und verloren einen großen Teil ihres Geldes. Der Staat bündelt nun in den USA die schlechten Kredite bei einem hoffentlich großen Wertabschlags zum verdienten Nachteil der naiven Investoren in einem Rettungsfonds mit einer Größenordnung von etwa 700 Mrd. Dollar.

Fundamentalwirtschaftlich betrachtet kann es die Finanzkrise nicht die Wirtschaft erschüttern; außer irrationale Panik greift um sich. Denn die ausgegebenen Hypothekenkredite spiegeln durchaus den Wert der Häuser und Wohnungen wieder, die als Sicherheit dienten. In jedem Fall langfristig. Bisher wurde der Wertverlust am Immobilienmarkt mit durchschnittlich 16 Prozent bewertet. In New York haben auch einige Appartements im letzten Jahr 30 Prozent an Wert gewonnen. Insofern dürfte es nicht viele Jahre dauern, bis die Immobilien den ursprünglichen Wert wieder besitzen, der für die Vergabe der Kredite zugrunde gelegt wurde. Das heißt, die Kredite sind langfristig durchaus abgesichert, wenn auch nicht unbedingt die Zinszahlungen auf die Kredite. Doch dass manche Kredite nicht bedient werden, ist nichts außergewöhnliches.

Der Staat als Retter und unfreiwillig cleverer Investor
Außerdem kauft der Staat die Gesellschaften, die sich dabei verspekuliert haben zum Teil oder ganz auf; nämlich den Versicherer AIG und die Baufinanzierer Fanny Mae und Freddy Mac. Auch zu einem sehr günstigen Kaufpreis. Wahrscheinlich wird das ein ausgezeichnetes Geschäft für den Staat und seinen Steuerzahler, der nach der Krise die Anteile dieser Gesellschaften möglicherweise mit großem Gewinn wieder abgeben kann.

Aus dieser Perspektive ist die Krise schlecht für naive Spekulanten und gut für den Steuerzahler gewesen. Aber nur, weil nicht das ganze System hopps ging. Doch die Gefahr dazu war nicht allzugroß, solange die Notenbanken überlegt handeln. Die Häuser, auf denen die „schlechten Kredite“ lasten, haben im Schnitt wie erwähnt nur 16 Prozent an Wert verloren. Für Aktienbesitzer mitunter auch mal eine übliche Tagesschwankung.  Also kein Grund, die Nerven zu verlieren.