Griechenland als neues Bremen

Einige der Wirtschaftsjournalisten, die jahrelang die heraufziehende Hypothekenkrise zu erst ignorierten und dann Monate brauchten, sie vernünftig zu erklären, schreiben nun offensichtlich viel wirres Zeug über Griechenland. Dabei sollte es inzwischen klar sein wie die Situation der Griechen aussieht. Einem Land, das gerade mal etwa 0,2 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung produziert, muss man ähnlich wie dem völlig überschuldeten Bundesland Bremen die notwendigen Finanzmittel als Transfer überweisen.

Im Unterschied zu Bremen, darf man dann jedoch nicht jahrelang abwarten, bis sparsameres Haushalten einsetzt. Gleichzeitig retten wir mit Griechenland unsere eigenen Banken und vor allem Versicherungen bei denen Millionen Deutsche ihre private Zusatzversicherung ansparen. Vor allem sind über die Tochter der Generali, die Aachener Münchener, viel Deutsche in Griechenland mit ihrem Erspartem engagiert, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Es wird viele Jahre dauern, bis die Griechen ihre Marktlücke im globalem Welthandeln gefunden haben und erfolgreich exportieren, um ihre Schulden abzutragen. Bis dahin ist es sinnlos, hohe Zinszahlungen von den Griechen zu erwarten. Die Zins- und Tilgungszahlungen müssen zeitweise ausgesetzt oder stark reduziert werden. Diese Zeit müssen und können sich die Europäer und der IWF nehmen.

Allerdings kann man sich einige Sicherheiten in Form von griechischen Immobilien und Staatsfirmen einverleiben, bis die Marktpreise für eine Privatisierung von überflüssigem griechischen Staatseigentum gestiegen sind. Es wäre sehr dumm, ausgerechnet jetzt, wo die Preise im Keller sind, das griechische Tafelsilber zu verscherbeln. An wen? An die deutschen Banken und Versicherer, die über Jahre hinweg leichtfertig griechische Anleihen gekauft haben, um an den erhöhten Zinsen zu verdienen? Oder an die griechischen Millionäre, die in der Vergangenheit kaum Steuern entrichtet haben?

Es genügt, wenn eine deutsche Regierung so dämlich war, bei der Commerzbank-Teilverstaatlichung zugunsten der Aktionäre einer ansonsten insolventen Commerzbank auf Gewinne für den Steuerzahler zu verzichten. Wie es geht, mit Gewinnen aus der Bankenkrise zu gehen, wissen die Amerikaner, die zuerst konsequent die insolventen Banken verstaatlichten.

Sparen verboten?

Untenstehender Artikel ist noch im Entstehen, jeder kann über die Kommentarfunktion „mitschreiben“ oder Hinweise auf ähnliche Artikel oder Thesen im Web geben. Bis morgen Abend oder noch später möchte ich eine erste Version – vielleicht schon die Endversion fertig haben.

Hier kann man auch direkt reinschreiben, wenn man sich vorher bei mir per Mail anmelden möchte. Dann lade ich andere gerne zum Bearbeiten ein:

http://docs.google.com/Edit?tab=edit&docid=dcc4xdr_0ggt3vr&cancelRevision=dcc4xdr_0ggt3vr:0

Ich bin neugierig, ob überhaupt jemand an diesem Versuch teilnimmt.

Der Staat dürfe nicht sparen, sondern müssen Schulden machen um zu investieren. So die Aussage von Robert von Heusinger in diesem Zeit -Artikel. Allerdings enthält dieser Artikel einige Ungereimtheiten, auf die ich eingehen möchte.

Einige Stichworte, die ich behandeln möchte:

1. Staatsverschuldung müsse man nicht abbauen, sondern könne man über beständiges Wirtschaftswachstum inklusive Inflation marginalisieren.

Es ist nicht auszuschließen, dass es auch in Zukunft konjunkturellen Abschwung statt nur Aufschwung geben wird. Dann wäre durchaus die Regierung gefragt, wie die USA es machen, mit Investitionsanreizen gegenzusteuern. Dabei wäre es behilflich, wenn in guten Zeiten die Schulden abgebaut werden, um sie im Notfall etwas auszuweiten. Aber wenn zunehmend die Weltwirtschaft mal abwechselnd die Impulse aus den USA, Indien, China, Europa und vielleicht noch Japan oder auch mal Afrika und Russland bekommt, könnte es sein, dass es fast keine Konjunkturzyklen mehr gibt. Früher gab es nur die Schwergewichte USA, Japan und Europa; zu wenig, um Konjunkturdellen schnell aufzufangen.

Der Staat stirbt nicht und kann nicht pleite gehen, ist also immer kreditfähig.

Das ist nicht richtig, sobald eine Überschuldung eines Landes eintritt, wie immer man diese auch genau definiert. Denn wer wollte Argentienien vor einigen Jahren noch Kredite geben, oder Russland?

Man müsse Schulden machen, wenn der Staat sinnvolle Investitionen mit höherer Rendite als der Schuldzins beträgt tätigen kann.

Der Staat kann den Bürgern auch mehr Geld lassen, damit diese selbst Geld haben zu investieren und entscheiden können, wo sie investieren wollen. Eine Alternative für herkömmliche staatliche Investitionen, wären zinslose Kredite an die Bürger, z.B. für ein Hochschulstudium oder betriebliche Investitionen in innovative Vielversprechende Projekte oder noch marktwirtschaftlicher staatliche Teilgarantien für Kreditausfälle. Dann können beispielsweise Banken Studenten oder Unternehmern Kredite mit Niedrigstzinsen von vielleicht 2-3 Prozent anbieten.

Wenn der Staat keine Schulden macht, kann niemand mehr sparen und es gibt keine Staatspapiere mehr zu kaufen (Bundesschatzbriefe, Staatsanleihen).

Dafür gibt es genügend Alternativen: Unternehmensanleihen, festverzinslichte Rentenfonds usw. Das Sparen von Bürgern und Unternehmern (ja, auch manche Unternehmen sammeln viel Geld auf ihren Bankkonten an, weil sie z.B. nicht mehr wissen, wohin mit den Gewinnen wie früher Siemens) kann auch durch Schulden (=Investieren) anderer Bürger oder Unternehmer ermöglicht werden. Aus diesem Grund muss somit kein Staat Schulden machen.