Für immer Hochkonjunktur?

Im Gespräch mit einem chinesischen Freund haben wir beschlossen, dass es ab nun immer einen globalen Aufschwung gibt. Anders als früher haben wir es nun nicht mehr mit nur drei ökonomischen Zentren, USA, Europa und Japan, zu tun. In dieser Dreierkonstellation hat der Ausfall eines globalen Wirtschaftsschwergewichts die ganze Weltwirtschaft belastet, indem die anderen beiden Zentren über Wechselwirkungen vom schwächelnden Partner angesteckt wurden.

Nun kann sich das weltweite Wirtschaftswachstum auf mehr Akteure stützen: EU (durch die Erweiterng dynamisiert), Japan, China, Indien, Russland, USA, Südamerika, Südostasien – in Zukunft vielleicht auch bald Afrika. Auch wenn man Südamerika und Südostasien nur halb rechnen wollte, können sieben Schwergewichte sich bei Ausfall eines oder zweier wieder aus dem konjunkturellen Sumpf ziehen. Somit dürfte das globale Wachstum beständiger für eine weltweite Mehrung des Wohlstandes führen – wenn dieser nur halbwegs gerecht auf alle Menschen verteilt wäre.

Natürlich bestehen auch in Zukunft noch Wechselwirkngen negativer Art. Doch wenn ein Schwergewicht wechselseitig mit sechs oder sieben anderen verbunden ist, wird sich der belastende Einfluss eines Handelspartners nicht besonders auf das eigene Wachstum auswirken. Insofern dürften Volkswirtschaftler nun einmal ihre Konjunkturtheorien überdenken.

Umso mehr lohnt sich dann für Bürger auch eine kurzfristige die Anlage in Aktienfonds, da gleichzeitig das Risiko von Schwankungen am Aktienmarkt bzw. deren Stärke abnehmen sollte. Langfristig waren Aktienfonds ohnehin noch niemals von anderen Anlageformen für die Altersvorsorge oder Immobilienfinanzierung zu schlagen.

Für die Sozialsysteme ergibt sich ebenfalls eine Erleichterung dahingehend, dass die Einzahlungen konstanter fließen als bei stärkeren Konjunkturzyklen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es aus der individuellen Perspektive eines Bürgers ratsam ist, sich auf die staatlichen Sozialsysteme zu verlassen. Wer sich in den 80ern und 90ern auf Norbert Blüms Versprechungen verlassen hat, ist nun von den Politikern nach den Rentenreformen im Stich gelassen worden. Obwohl: Die Rente war ja auch sicher, nämlich Blüms eigene Rente.

Was ist Wirtschaft?

Geht es in Diskussionen um Wirtschaftsfragen und Volkswirtschaft, ist meist die Rede von Innovation, Rohstoffen, Bildung, Lohnnebenkosten, sonstigen Kosten, Globalisierung oder Wettbewerbsfähigkeit. Dazu werden die Wechselwirkungen zwischen diesen einzelnen Begriffen und Erscheinungen diskutiert. Allerdings macht genau das diese Diskussion schnell zu einem undurchschaubaren Wirrwarr von Argumenten und Gegenargumenten.

Wirtschaft als Vielzahl kleiner Transaktionen der Menschen

Gehen wir es doch erstmal einfacher an. Wirtschaft soll die Anzahl der Vorgänge sein, bei denen ein Mensch etwas einem anderen gibt und dafür etwas anderes bekommt, dass einen materiellen Gegenwert verkörpert. Heutzutage ist eines davon meistens Geld. Wir leben nicht mehr in einer Tauschwirtschaft. Diese einzelnen Transaktionen bilden dann Ketten und Kreisläufe. Jeder einzelne Vorgang bildet mit anderen eine Kette oder einen Kreislauf und wird dann zusammengezählt und fließt in das Bruttoinlandsprodukt als Summe aller Wirtschaftstransaktionen ein, mit wenigen Ausnahmen und Fehlern, die hier vernachlässigt werden.

Arbeitslose sind zu einem gewissen Teil von diesen Prozessen ausgegrenzt, weil ihre Arbeitskraft ihnen keinen Geldwert mehr einbringt, sie in unserer Arbeitsgesellschaft scheinbar nicht mehr gefragt sind. Dafür bekommen sie aus Steuerzahlungen oder der beitragsfinanzierten (4,2 Prozent des Bruttoeinkommens) Arbeitslosenversicherung Lohnersatzleistungen vom Staat, sprich von den anderen Bürgern.

Die Kraft der menschlichen Phantasie und des Gestaltungswillens

Gehen wir einmal davon aus – und das zeigt auch die gesamte Menschheitsgeschichte, dass uns an sich ständig das Schaffen Innovationen gelingt und wir überall Möglichkeiten hätten, etwas zu gestalten und zu schaffen, also zu arbeiten. Dann gibt es keine Notwendigkeit, Arbeitslosigkeit zu ertragen. Andere europäische Länder um uns herum, kennen diese Erscheinung derzeit auch nicht wirklich oder kaum: Irland, GB, die Skandinavischen Länder, vor allem Dänemark.

Sand im Getriebe

Nehmen wir nun an, die Ursache liegt in der Störung des Wirtschaftens, so muss man konstatieren, dass die Menschen von irgendetwas abgehalten werden, eine Produkt oder eine Dienstleistung (einschließlich der eigenen Arbeitskraft) an andere Menschen weiterzugeben, zu wirtschaften. Mit anderen Worten, der Wirtschaftskreislauf ist gestört, unterbrochen oder negativ beeinträchtigt. Was kann der Grund sein?

Wahrscheinlich liegt der Hauptgrund darin, dass ein Facharbeiter drei bis vier Stunden arbeiten muss, um sich eine einzige andere Facharbeiterstunde leisten zu können. Mit anderen Worten der Staat und andere Institutionen wie Gewerkschaften, Kammern und Verbände saugen den Menschen bei jeder Wirtschaftstransaktion einen gehörigen Teil der transferierten Summen ab. Von diesem abgesaugtem Betrag leben unsere Politiker, Funktionäre, Lobbyisten und Verwaltungsmitarbeiter.

Verzweiflungstaten

Irgendwann verzweifeln, die Menschen daran und zeigen Gegenreaktionen. Es kommt zu Erscheinungen wie Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, bewusste Nichtarbeit einiger, die sich mit Hartz IV zufriedengeben oder unabhängige Bürger leben von ihrem ererbten oder erarbeiteten Vermögen.

Was kann man dagegen tun? Sicher ist ein Minimum an Verwaltung und Politikbetrieb notwendig, auch der Föderalismus, damit die Bürger nicht zu weit haben zu ihren Politikern und es noch die Bundesländer mit der besten politischen Lösung in den jeweiligen Politikfeldern als Anreiz für die anderen gibt. Doch das Einsparpotential ist ungeheuer groß. Man muss sich nur mal erkundigen, wie wenig unsere Verwaltungen noch die Möglichkeiten des Internets und der generellen elektronischen Vernetzung ausschöpfen. Insbesondere im Bildungsbereich an Schulen und Universitäten werden diese Instrumente noch nicht ausreichend zur Wissensvermittlung genutzt. Außerdem sehen sogar die Besucher von Ämtern oftmals selbst, dass einfache organisatorische Veränderungen den Verwaltungsablauf effektiver machen würden.

Bremsverhalten der alten Entscheidungsträger

Wir stehen hier erst am Anfang einer tiefgreifenden von Technologie getriebenen gesellschaftlichen Umwälzung. Da sich die Entscheidungsträger im Wesentlichen aus der älteren Generation rekrutieren, oftmals beratungsresistent sind und nicht viel Zeit und technisches Verständnis haben, sich zeitnah mit den jeweils neuesten technologischen Entwicklungen auseinanderzusetzen, vollziehen sich wichtige Neuerungen nur quälend langsam. Hoffentlich nicht zu langsam, um die Vielzahl an drängenden Problemen zu lösen. Mehr Offenheit gegenüber Technologie und Zukunftsoptimismus mit innovativer Tatkraft gekoppelt würden unserer Gesellschaft gut tun.

Entscheidungsfreiheit für die Bürger

Vor allem dürfen den einzelnen Bürgern nicht ständig Knüppel zwischen die Füße geschleudert werden, sobald diese etwas unternehmen und bewegen wollen. Die Besitzstandswahrer und ewigen Bedenkenträger aus Prinzip müssen endlich das Feld räumen. Dann wird auch wieder klarer, was Wirtschaften noch ist: Streben der Menschen nach Verbesserungen und mehr Effektivität in ihrer Umwelt und mehr Wohlstand durch Innovationen.

Nachtrag:

Beit Gutmenschen gibt es zum Thema Wirtschaft interessante Aussagen vom Nobelpreisträger Phelps.