Wie integieren wir Flüchtlinge?

An der Frage „Wie integrieren wir Flüchtlinge in Deutschland“ scheiden sich noch die Geister. Multikulti ist tot, sagt die Kanzlerin Angela Merkel. Selbst die meisten Grünen dürften inzwischen wohl eingesehen haben, dass absolute Toleranz eher absolute Gleichgültigkeit oder sogar Ignoranz für das Integrationschicksal von Ausländern in Deutschland bedeutet.

Erwerb der deutschen Sprache
Fast selbstverständlich ist die Ansicht, dass der Erwerb der deutschen Sprache die Grundvoraussetzung für Integration in die Gesellschaft, konkreter in die Nachbarschaft und vor allem auch in den Arbeitsmarkt ist. Gelingt und dies in Deutschland erfolgreich umzusetzen, werden die Flüchtlinge angesichts der massiven Alterung Deutschlands, die erst noch auf uns zukommt, zur großen Chance. Nur so können wir unser umlagenfinanziertes Sozialversicherungssystem halbwegs aufrecht erhalten.

Sinnvolle Methoden zum Erlernen von Deutsch sind im digitalen Zeitalter Apps und Onlineseminare – aber nur, wenn die Beteiligten damit umgehen können. Am Ende müssen Immigranten einfach in ihrer Alltagswelt Sprachpraxis sammeln.

Berufsqualifizierung
Die Akzptanz von Ausländern, deren Kinder zu großen Teilen zukünftig Deutsche sein werden, steht und fällt mit mit einer möglichst hohen Quote an Erwerbstätigen unter ihnen. Dann sind sie nicht nur unter kulturellen Aspekten, sondern auch unter ökonomischen Aspekten als Steuerzahler eine große Bereicherung für unsere Gesellschaft. Wie auch grundsätzlich erfordert die Digitalisierung besonders im Feld der Berufsausbildung deutlich mehr Flexibilität als die Monopolisten IHK und Handwerkskammer bisher aufbringen können oder wollen – ein gravierendes Versäumnis in der bisherigen Bildungspolitik. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, werden sich hoffentlich die meisten Leser denken. Doch manchmal ist zusätzlich Druck oder gar Zwang nötig, um wichtige Verändernge anzustoßen. Insofern wären Anbieter von digitalen Lernplattformen und Lernmethoden deutlich stärker vom Staat zu fördern. Das noch bestehende Monopol der Schiefertafel in den Schulen verheißt nichts Gutes, bedenkt man, dass inzwischen bereits gut 20 Jahre seit der schnellen Verbreitung des Internets in Deutschland vergangen sind.

Zu viel hängt davon ab, dass nicht nur Ausländer sondern auch deutsche Erwerbstätige die digitalen Lernmöglichen viel stärker nutzen als dies bis jetzt der Fall ist.

Gesellschaftliche Integration
Neben der beruflichen Integration müssen Immigranten dringend sozial gut integriert werden, weil wir sie sonst für andere Länder der EU fit für den Arbeitsmarkt machen. Dabei kann eine Ehrenamtsstiftung nutzen, die nicht nur, aber auch Vereine fördert, die sich aktiv um die Einbindung von Flüchtlingen in ihr Wohnumfeld kümmern; egal, ob das Sport- oder Kulturvereine sind. Entscheidend wird sein, dass sich die Flüchtlinge ebenso in ihrer deutschen Wohnumgebung einleben und wohlfühlen. Vor dem Wohlfühlen kommt allerdings die Anstrengung des Deutschlernens und der beruflichen Qualifizierung. Natürlich soll das nicht bedeuten, dass Flüchtlinge nicht von Anfang an Freizeitaktivitäten entfalten dürften. Gerade am Anfang haben sie bisher aufgrund der leider abschottenden Tendenz am Arbeitsmarkt in Deutschland zu viel freie Zeit und zu wenig Chancen, berufstätig zu werden. Es gibt genügend offene Stellen, die offenbar nicht zu besetzen sind, wie mir Mitarbeiter von Supermärkten oder Handwerksbetrieben regelmäßig berichten.

Flüchtlingen richtig helfen – Chancen für Deutschland durch Flüchtlingschaos

So schwierig, teils unhaltbar, die Zustände in den Flüchtlingseinrichtungen auch sind, so sehr die Verwaltungen mit der Aufnahme und Verteilung der Flüchtlinge auch überfordert sind. Grundsätzlich bieten die Flüchtlingsströme nach Deutschland große Chancen. Sie zwingen uns unter Umständen zur Entbürokratisierung und Flexibilisierung, wo viele Reformer schon das Handtuch geworfen haben.

Bauvorschriften verteuern Wohnraum
Überzogene Brandschutzvorschriften werden vielleicht endlich wieder auf ein notwendiges Mindestmaß zurecht gestutzt; wie bei Bundeswehrkasernen, die seit Jahren von Bundeswehrsoldaten bewohnt werden, aber zuerst umgebaut werden müssten sobald Flüchtlinge kommen: Denn dann gilt laut Vorschriften ein anderes Mindestmaß an Brandschutz.

Das bedeutet nicht, das Wohnungen gebaut werden müssen, die jahrzehntelang schlecht isoliert Wärme vergeuden. Sowohl Container als auch Häuser z.B. in Holzständerbauweise, lassen sich umnutzen und woanders wieder aufstellen. Hier sind schlicht und ergreifend unsere Ingenieure gefragt, recyclebare Wohnungen zu konstruieren.

Vor allem müssen nicht nur für die Flüchtlingskinder, sondern auch für junge und ältere Erwachsene endlich neue, moderne Bildungsmethoden in Deutschland genutzt werden, beispielsweise Sprachenlernen mit Apps, Lernplattformen im Internet für Mathematik und Physik. Denn es fehlen schlicht und ergreifend qualifizierte (Deutsch)Lehrer.

Digitales Lernen, Arbeiten und Leben
Digitales Lernen und Weiterbilden wird bisher angesichts sich rasant verändernder Lebens- und Berufswelten viel zu wenig in Deutschland genutzt. Industrie- und Handwerkskammern verteidigen seit Jahren in einigen Bereichen ihr Ausbildungsmonopol auf Kosten Arbeitsloser, die schnellstens weiterqualifiziert werden müssten. Erst die Millionenanzahl an Flüchtlingen legt die Finger in diese Wunde. Schon vorher war es jedoch ein massives Problem für Menschen in Deutschland, die zu wenig und zu selten sowie zu schlecht weitergebildet wurden.

Flexible Wohnformen
Der immense Wohnungsmangel erzwingt hoffentlich neue Wohnformen. Selbst in Containern mit Mindeststandards können nicht nur Flüchtlinge sondern wie vor vielen Jahren bereits in München praktiziert Studenten unterkommen. Berlin besteht zu mindestens einem Drittel aus Singelhaushalten. Zum Teil weil der Partner nicht mehr lebt, ausgezogen sind oder die Kinder woanders leben. In vielen Wohnungen stehen mehr Zimmer zur Verfügung als genutzt werden. Beheben kann man dieses kostenträchtige Problem insbesondere durch Wohnungen, die sich wieder teilen lassen oder für WGs eignen. In diesen Wohngemeinschaften leben entweder Studenten, Pendelarbeiter, Flüchtlinge oder ältere Menschen wahlweise zusammen. Vorher müssen sich die davon betroffenen erst einmal klar machen, wie viel finanzielle Ressourcen verschwendet werden, wenn ein oder mehrere Zimmer in teuren Ballungsgebieten ungenutzt leer stehen. Natürlich ist dafür ein gewisser Mentalitätswechsel nötig, der jedoch nicht von heute auf morgen erfolgen kann.