Skoda gleich VW

Inzwischen möchten die tschechischen Skoda-Arbeiter nicht mehr als Billigtruppe gelten, sondern entsprechend ihrer guten Arbeitsleistung für den ganzen VW-Konzern auch bald genauso bezahlt werden wie die deutschen Kollegen in Wolfsburg.

Tschechen werden selbstbewusster

Zumindest was die Kaufkraft angeht, könnte der VW-Konzern den tschechischen Arbeiter annähernd gleichstellen ohne die selben Kosten wie in Deutschland tragen zu müssen, da die Lebenshaltungskosten in Tschechien wesentlich niedriger liegen. Die Leistung der Skodawerke in Mlada Boleslav, Vrchlabi und Kvasiny stimmt schließlich auch. Jahr für Jahr werden Rekorde eingefahren, wie die SZ berichtet. Dafür forderten die Arbeitervertreter nun jedoch gleich 17 Prozent mehr Lohn für die nächsten zwei Jahre. Interessanterweise bot die Geschäftsleitung auch schon dreizehn Prozent mehr Lohn an. Darauf reagierten die tschechischen Arbeitnehmer allerdings mit harten Streikdrohungen. Bei einem Warnstreik am Dienstag produzierten sie einen Umsatzausfall von 1,9 Millionen Euro.

Die Forderungen seiner Landsleute kritisierte (Manager Magazin) der Präsident Tschechiens als zu weitgehend. Auch Martin Zvěřina warnte in der eher sozialliberalen Lidove noviny (tsch.) vor dem Bremsen des Wirtschaftswachstums durch überzogene Vorstellungen der Gewerkschaften und einer Reduzierung der tschechischen Fabriken auf die Endmontage der Autos. Ob der VW-Konzern die geplanten neuen Motoren in Tschechien bauen lässt, ist noch nicht entschieden (taz).

Polen machen einen Bogen um Deutschland

Auch die polnischen Arbeiter wollen nicht für jeden Lohn im Dienste deutscher Arbeitgeber arbeiten. Der Aufschwung in Ostmitteleuropa macht sich bemerkbar. Oder sollte man noch dazufügen die gute Konjunktur in Ländern wie England, Irland und Skandinavien, denen die Billigairlines in den polnischen, tschechischen und ungarischen Arbeitern günstige Arbeitskräfte bringen, vor allem dringend benötigte, bescheren. Der Belitzer Spargelbauer in Brandenburg hat das Nachsehen. Nachdem bereits im letzten Jahr etliche polnische Arbeiter wegen etwas geringerer Bezahlung aufgrund neu eingeführter Sozialversicherungspflicht nicht mehr kommen (dradio.de) wollten, sieht es dieses Jahr wohl noch schlechter aus.

Normalerweise sollte man nun sagen: „Schön, dann hat der lange Lohnverzicht der Arbeitnehmer in Deutschland auch bald ein Ende.“ Doch so einfach ist es leider nicht. Denn es fehlt beim Nachwuchs an ausreichender Grundqualifikation (dradio.de), wenn er die Schulen verlässt. Doch das Spargelstechen wollen diese Minderqualifizierten dann auch wieder lieber Ausländern überlassen.

Hoffnungsschimmer für deutsche Arbeitnehmer
 
Zumindest dürften die Facharbeiter sich weniger Sorgen vor weiteren Verlagerungen nach Mittelosteuropa machen. VW hat sich unterdessen mit den Skodaarbeitern auf einen Lohnzuwachs von 12,7 Prozent für die nächsten 21 Monate geeinigt (Radio Prag, dt.). Bald wird es sich nicht mehr lohnen, Fabriken bei derart hohen Lohnsteigerungen in Tschechien und Polen neu zu errichten und die deutschen Betriebsstätten abzureißen. So mancher (Möbel-)hersteller musste nach solchen Verlagerungen und den folgenden Lohnsteigerungen einen Insolvenzantrag (Handelsblatt) stellen, weil ihm unter anderen Engländer und Skandinavier die Facharbeiter aus Polen abgeworben hatten. Auch in China wird es nicht mehr lange dauern, bis vom anhaltenden Wirtschaftsaufschwung die Löhne in abschreckende Höhen getrieben werden – zu Gunsten der Menschen, dank sei der Marktwirtschaft.