Kriminelle Bilanzfälschungen und der arme Sparer

So genannte „Anlageexperten“ empfehlen häufig, bestimmte Aktien zu kaufen. Dabei berufen sie sich regelmäßig auf spezielle aussichtsreiche Märkte wie den Mobilfunkmarkt, auf technologische Marktführerschaft der empfohlenen Aktiengesellschaften, auf schlicht ausgezeichnetes Management, auf der Wachstum vergangenen Jahre, das sich so fortsetzen würde und auf andere Daten. Entscheidende Faktoren, nämlich Bilanzfälschungen werden dabei außen vor gelassen.

Daher versäumen diese „Finanzexperten“ es – vielleicht aus eigenen materiellen Interessen, eine ausgezeichnete Alternative zu der schwierigen Anlageentscheidung zugunsten einzelner Aktien zu nennen. Bei jedem Kauf und Verkauf verdient die Bank an den Provisionen, die hier anfallen. Viel klüger wäre es, einige der wenigen ausgezeichneten Aktienfonds zu kaufen, die über Jahrzehnte hinweg auch Kleinanlegern im Durchschnitt mindestens 10 Prozent Rendite einbrachten. Diese Aktienfonds kann und sollte man dann auch Jahrzehnte in seinem Depot belassen bzw. nur zum Teil verkaufen, will man sich größere Dinge, z.B. ein neues Auto, anschaffen. Nebenbei erwähnt ist es auch hier fraglich, ob man ein Auto bar bezahlen sollte, wenn die Autobanken in diesen fällen Kredite anbieten, mit extrem niedrigen Zinsen von bis zu 0,1 Prozent. Schließlich bringt das gleiche Bargeld in Aktienfonds angelegt viel höhere Renditen. Prinzipiell gilt ähnliches beim Kauf von Immobilien.

Nur kreative Buchführung

Einleitend wurden bereits mögliche Bilanzfälschungen angesprochen. Am inzwischen so nicht mehr existierenden Neuen Markt der Frankfurter Börse standen sie in seinen letzten Tagen fast täglich auf der Tagesordnung. Und wenn es nicht um Bilanzfälschungen ging, so wurden häufig die so genannten ad-hoc-Meldungen manipuliert. Diese tragen mitunter zu entscheidenden Kursbewegungen einzelner Aktien bei. Aktuell musste wieder der zweitgrößte PC-Hersteller Dell Bilanzfälschungen zugeben. Angeblich handele es sich nur um zeitlich falsche Buchungen, von einzelnen Mitarbeitern aus dem Motiv heraus getätigt, ihre vorgegebenen Quartalsziele zu erreichen. Vorgeblich ändere sich dennoch nicht viel. Das Nettoergebnis falle kumuliert nur um 50 bis 150 Mio. Dollar geringer aus. Dass es jedoch für Aktionäre auch mit Verlusten von weltweit 200 Mrd. Dollar zwischen 1998 und 2003 viel schlimmer kommen kann, bewies der Enron-Skandal und auch andere Unternehmen; beispielsweise EM.TV, Flowtex, Parmalat. Geändert an der Möglichkeit mit krimineller Energie Unternehmenszahlen zu fälschen hat sich nichts, auch wenn Medienberichte das suggerieren wollen. Der Fall Dell zeigt das nun.

Kriminelle Machenschaften

Verurteilt werden die verantwortlichen Manager leider nur selten. Im konkreten Einzelfall muss bewiesen werden, dass es keine falsche Managemententscheidung war, die in der real existierenden Marktwirtschaft vorkommt, da die Akteure die Zukunft und das Verhalten der Kunden und die Entwicklung der Konkurrenzprodukte nicht voraussagen können. Betroffene Anleger müssen in Deutschland zudem noch nachweisen, dass sie die betroffenen Aktien direkt im zeitlichen und sächlichen Zusammenhang mit gefälschten ad-hoc-Meldungen erworben haben, um von dem Unternehmen entschädigt zu werden. Musste das Unternehmen Insolvenz anmelden oder ist der Haupttäter als Firmengründer pleite, ist zumeist sowie so keine Entschädigungsmasse mehr vorhanden.

Aktienfonds statt Aktien

Wie sollen nun Sparer auf diese de facto immer existierenden Gefahren reagieren? Ganz einfach: Finger weg von Aktien, solange Politiker unfähig sind ein geeignetes Kontroll- und Sanktionssystem zu schaffen; außer man betrachtet seine Anlagen als Lottospiel und nicht als Geldanlage zum Vermögensaufbau und zur Altersvorsorge. Akienfonds stellen als eigene Anlagekategorie eine langfristig sehr sichere und hoch rentable Alternative dar. Überlegt man sich noch wie Banken (IKB, Sächsische Landesbank) mit ihrem Kreditentscheidungen verfahren, lässt sich sogar behaupten, Aktienfonds sind sicherer als Sparbücher. Denn mit Aktienfonds verteilt man sein Geld und das geringe Verlustrisiko auf viele – nämlich bis über hundert – einzelne Firmen wie Nestle oder Henkel. Wer glaubt schon das Nestle oder Henkel in Krisenzeiten seine Lebensmittel und Reinigungsmittel nicht mehr an den Mann bringen würde? Essen und waschen müssen die Menschen immer.

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Hier ein nützlicher Blogartikel zur Anlage in Aktienfonds.

Wie in der Praxis ganz legal vor den Anlegern geschwindelt wird zeigt hier Prof. Dr. Ottmar Schneck.

Der Autor lehrt an der European School of Business in Reutlingen und hat den Lehrstuhl für Banking, Finance & Risk. Darüberhinaus ist er als Lehrbeauftragter an in- und ausländischen Hochschulen aktiv, Autor und Herausgeber zahlreicher Lehrbücher und Mitinitiator der Mittelstandsbank.

Deutsche Aktienfondskultur liegt am Boden

Der Artikel wird noch erweitert und mit einigen Links angereichert

Im Gegensatz zu anderen europäischen Anlegern haben es sich die Deutschen noch nicht bewusst gemacht, wie lohnenswert und unschlagbar eine Anlage oder ein monatlicher Sparplan in Aktienfonds ist. Dabei bieten viele Finanzdienstleister billigste bis kostenlose Depotführung an und verzichten auf den Ausgabeaufschlag von oft bis zu fünf Prozent.

Warum nur zahlen zehntausende von deutschen Bürgern ihren Banken hunderte oder eher tausende Euro? Vielleicht verwechseln manche die Sparkassen oder Banken mit Miseror oder dem Roten Kreuz und sehen das als Spende an?

Hier im Manager Magzin kann man sich gut über einige Spitzenfonds informieren. Allerdings könnte der Leser dabei den falschen Eindruck gewinnen, ein Fonds, der in einem Jahr ganz oben steht, sei gleich kaufenswert. Davor sollte sich ein Anleger hüten. Erst wenn ein Aktienfonds über fünf oder besser zehn Jahre hinweg eine sehr gute durchschnittliche Jahresverzinsung aufweist, kann er sich ohne Sorgen für diesen Fonds entscheiden. Nur wenige (Artikel1, Studie2) der vielen tausend Fonds sind wirklich kaufenswert. Im Grunde kann man sich die besten Fonds an zwei Händen abzählen.

Viel Interessantes über die Arbeitsweise eines der erfolgreichsten Fonds erfährt man im Interview (Manager Magazin) mit Alexander Scurlock. Sinnvollerweise vertraut man auf Fonds, die seit Jahrzehnten zweistellige Renditen erwirtschaften. Die jährliche Verwaltungsgebühr von 1,0 bis 1,3 Prozent kann man dann leicht verschmerzen.

Im Grunde reicht jedem Anleger ein global Anlegender Aktienfonds und ein europäischer – und vielleicht in geringer Dosierung (nur ca. je fünf Prozent) des Vermögens als Beimischung in einen amerikanischen oder chinesischen bzw. asiatischen Aktienfonds. Dabei sollte man das Geld mindestens fünf Jahre lang nicht benötigen. Ansonsten ist man bei einem Tagesgeldkonto für den verplanten Geldbetrag am besten aufgehoben. Grundsätzlich gilt als Faustregel, ein Reservepoolster von 2-3 Monatsgehältern auf dem Tagesgeldkonto zur flexiblen Verwendung vorzuhalten.

Vergessen sollten Anleger die Garantiefonds, die nicht annähernd die Rendite von Aktienfonds erreicht, wie Finanztest berichtet. Oftmals nutzen Banken deren undurchsichtige Kostenstruktur zum Abkassieren der Sparer.