Böhmermanns Be Deutsch und unsere deutsche Erregtheit

Screenshot Be deutsch neo royale
Screenshot Be deutsch neo royale

Jan Böhmermann präsentiert ein neues Video, es wird kontroverser als frühere diskutiert. Etwas erstaunlich ist gerade die Einschätzung von Sascha Lobo auf Facebook dazu.

Lobo stellt zu dieser Satire einige steile Thesen auf:

  1. „Dahinter verbirgt sich ein Wohlfühl-Chauvinismus mit nationalistischem Sound, Abwertung anderer durch Betonung der eigenen Großqualität.“
  2. „Der zweite Punkt ist noch problematischer, weil er unterschwellig funktioniert. Wer sich so eindeutig als ex-böse und jetzt gut positioniert, tut so, als sei schon alles vorbei, die Schlacht längst geschlagen.“

Abschließend beschreibt Lobo übertrieben die aktuelle deutsche Situation, die der sonstigen rechtspopulistischen bis rechtsextremen europäischen Parteienlandschaft trotz der letzten AfD-Erfolge zum Glück immer noch nicht gleichzusetzen ist:

„Aber Ihr könnt Euch nicht rausreden – sonst wirkt Eure überinterpretierende Empörung über die rassistische, scherzhaft gemeinte AfD-Andeutung nächste Woche so schal wie deutsches Bier von 1933, hoho.“

Natürlich haben Deutsche eine besondere Verantwortung aufgrund der Vergangenheit mit den Gräueltaten des Nationalsozialismus. Wir müssen rechtzeitig vor Extremisten auf der Hut sein und Gegenmaßnahmen ergreifen. Besser als das im Fall des NSU geschehen ist. Den Teufel muss man jedoch nicht gleich an die Wand malen, so wie es Lobo tut.

Das Video ist sicher vielschichtiger als es Sascha Lobo darstellt. Persifliert er nicht auch mit dem Video das „neue Extrem“, den „guten Deutschen“ exportieren zu wollen, als eine neue Art deutschen Sendungsbewusstseins? Umgekehrt sollten wir einfach im Rückblick einmal vor Augen halten, wohin uns 4 Jahre Wegschauen und deutsches Zurückhalten während des Bürgerkriegs in Syrien geführt haben. Hundertausende Tote und Millionen vor diesen Greuel Assads Flüchtender, die die meisten anderen EU-Länder nicht aufnehmen wollten, fanden vor allem in Deutschland Zuflucht.

Dabei war es Joschka Fischer mit seinen Grünen, die deutsche Kampfflugzeuge nach Ex-Jugoslawien schickten, um weitere Massaker zu verhindern. Insofern kann der „neue, soziale, offene Deutsche“ in Zukunft durchaus Unglück vermeiden helfen, wenn er sein „neues Sendungsbewusstsein“ konsequenter ausstrahlen lässt. Dem Zyniker Orban im abgeriegelten Nationalstaat müssen wir uns nicht zum Vorbild nehmen. Ist nicht europäische Außenpolitik gleichzeitig Innenpolitik und reich sie nicht bis ins benachbarte Nordafrika und den Nahen Osten? Das ist übrigens keine Frage von linksliberal oder konservativ-rechts; sondern schlicht und ergreifend Weitsicht und Abwägen der Konsequenzen in einer vernetzten, globalisierten Welt, von der sich eine Exportnation wie Deutschland nicht abkapseln kann.

Die Diskussion dazu mit dem Beitrag von Sascha Lobo auf Facebook

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