Wie die Riesterrente funktionieren kann

Altersvorsorge
Riesterrente richtig gemacht – Foto: Joujou_pixelio.de

Seit 15 Jahren gibt es die Riesterrente, die immer wieder von Politikern angepasst wurde und seit dieser Zeit von verzweifeltem politischen Flehen begleitet wurde, die Bürger mögen sie doch nutzen.

Das würden diese sicher tun, wenn Sie richtig von den Politikern und Ministerialbeamten gestaltet worden wäre. Das ginge in mindestens drei unterschiedlichen Ausführungen sehr einfach wie ich hier zeigen möchte – und Ausweichmöglichkeiten zur Altersvorsorge aufzeige.

Einfache und verständliche Zusatzrente

So ist die Riesterrente aber leider in dem Sinne gescheitert, dass sie zu komplex, angesichts der beruflichen Lebensläufe zu starr konzipiert und von den Verwaltungs- und Vertriebskosten meist viel zu teuer ist. Dabei ist es nach einer jahrzehntelangen Geburtenrate von etwa 1,4 Kinder pro Frau in Deutschland grundsätzlich klar, dass zumindest teilweise auf mehr Kapitaldeckung bei der Altersvorsorge umgestellt wird. Zu hoffen, dass das Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung durch hohe Produktivitätssteigerungen der jeweils arbeitenden Beitragszahler zu halten ist, wäre ein politisch fahrlässige Spekulation.

Allen drei Lösungswegen ist gemeinsam, dass die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie seitens der Riesteranbieter im Grunde genommen völlig überflüssig ist. Zumindest dann, wenn die verantwortlichen Akteure erkannt hätten, dass es in den noch lange andauernden Zeiten niedriger Zinssätze auf festverzinsliche Sparformen nur eine sinnvolle Sparform zur Altersvorsorge – wie übrigens auch zum Vermögensaufbau gibt. Das sind gebührenreduzierte (passive) Aktienfonds – sogenannte ETFs. Nur wenige aktive Aktienfonds, die von hochbezahlten Managern verwaltet werden, sind es wert, beigemischt zu werden. Überflüssig ist die Beitragsgarantie deshalb, weil wir bei der Rentenvorsorge wie auch beim Vermögensaufbau immer von einem langfristigen Sparprozess sprechen müssen.

Entscheidende Erkenntnis – Aktienfonds sind sehr sicher

Seit einem halben Jahrhundert hat noch nie ein Sparer nach 15 Jahren mit dem Deutschen Aktienindex Dax Geld verloren, wenn er einen Einmalbetrag investierten. Sehr gut ersichtlich ist dies mit dem Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts. Mit schrittweisem Investieren, wie zum Beispiel im Rahmen eines Sparplans, kann man diese Frist in der Regel stark verringern. Deshalb würde es dem deutschen Staat auch kein Geld kosten, den so sicherheitsfixierten deutschen Bürgern direkt – ohne Einbindung der Finanzindustrie – die Ersparnisse auf breit gestreutes Indexsparen langfristig zu garantieren. So gesehen ist es überflüssig und renditeschädlich, Anleihefonds in das Riesterdepot mit aufzunehmen. Denn zwischenzeitliche Wertschwankungen schaden nicht, sondern werden im langfristigen Aufwärtstrend der Aktienkurse immer ausgeglichen. Sie mit niedrig verzinsten Anleihen auszugleichen, bedeutet, die höhere Rendite der Aktienanteile so sinnlos zu reduzieren.

Organisieren ließe sich dieses Volkssparen auf drei Arten

  1. Typisch deutsch mit einem getrennten individuellen Konto bei der Deutschen Rentenversicherung. Dort liegen dann die Fondsanteile, die Sparer bis zu einem begrenzten Umfang wie bei Arbeitslosigkeit oder Berufswechsel mit Weiterbildung überbrückungsweise wieder entnehmen können.
  2. Absolut freiheitlich mit einem privaten Depotkonto für diesen Förderzweck der Altersvorsorge bei einer Depotbank. Dann müsste jährlich ein Depotauszug beim Finanzamt vorgelegt werden, das die Zuschüsse – vielleicht nach Bedürftigkeit etwas gestaffelt – auf das zugehörige Depotkonto überweist. Wer zuviel entnimmt oder zu wenig einspart erhält im betreffenden Jahr keinen Zuschuss. Zu hohe Entnahmen sollten eine Rückforderung der bisher staatlicherseits gewährten Zuschüsse nach sich ziehen.
  3. Es wird ein Sperrdepot bei einer privaten Depotbank eingerichtet wie es schon jetzt bei einigen Riesterfonds der Fall ist. Ohne Zustimmung einer staatlichen Riesterzulagenstelle (die gibt es bereits) kann niemand darauf zugreifen.
Weg mit teuren Rentenversicherungen

Mit diesen Formen würden die Abschlussprovisionen und die bisherigen Versicherungsmäntel entfallen, die so teuer sind. Es gab schon einzelne Riester-Fondsparformen, die nur 14 Euro pro Jahr gekostet haben. Bevorzugt verkauft wurden jedoch die Produkte, die den Verkäufern satte Provisionen einbrachten. Staatlicherseits sollten die Kosten bei etwa 50 Euro gedeckelt werden, da die Verwaltung der Riesterdepots heutzutage mit Software automatisiert erfolgt. Für Vertragsänderungen, für Zusatzeinzahlungen und Entnahmen sind niedrige Zusatzgebühren festzuschreiben.

Nicht zuletzt ist es wichtig, sinnvolle Lösungen vorher besser zu diskutieren als das bei Frank Plasberg in „Hart aber fair“ zuletzt in der Diskussion „Heute jung, morgen arm – schuften für eine Mini-Rente?“ (Video) geschah, danach aber die Menschen nicht zu verwirren mit ständig neuen Diskussionen über Rentenarmut und private Rentenverträge. Nur dann lassen sich die meisten auf langfristiges Sparen ein, um Wohlstand im Alter genießen zu können und Altersarmut zu vermeiden.

Artikel zum Thema Altersvorsorge mit ewiger Rente

Böhmermann und Erdogans Türkei als Partner Deutschlands

Screenshot: Jan Böhmermann
Screenshot: Jan Böhmermann

Jan Böhmermann stach in ein Wespennest namens deutsch-türkische Partnerschaft zur Flüchtlingslösung. Seine Satire, die neben vielen Vulgärausdrücken an zwei Stellen auf unterdrückte Minderheiten und die Diskriminierung von Christen in der Türkei hinweist, muss niemand gut finden. Ebenso wenig, wie zahlreiche andere Satire- und Comedybeiträge von hoher Qualität sind. Aber darüber entscheidet weder Erdogan noch die Regierung in Berlin, die an die Pressefreiheit und Satirefreiheit wie im Grundgesetz verankert gebunden ist. Doch es geht eben nicht in erster Linie um die Frage Satire oder gegen Gesetze verstoßende Schmähkritik.

Welcher Partner ist Erdogans Türkei?

Vielmehr hat sich die deutsche Regierung auf einen Partner in Ankara eingelassen, der weder zuverlässig ist, noch den europäischen Rechtsprinzipien folgen möchte. Erdogan lässt russische Kampfflugzeuge abschießen, die geringfügig die Grenze überflogen, und scheut auch grundsätzlich keine Provokation. Die Türkei unter Erdogan schränkte nicht nur die Meinungs- und Pressefreiheit ein, sondern scheint auch für die Nato zum kaum kalkulierbaren Risiko zu werden. Der Frieden in der EU und ganz Europa wäre möglicherweise leichter zu erhalten, wenn die Türkei Erdogans zumindest zeitweise aus der Nato ausgeschlossen werden könnte.

Die türkische Regierung unterstützte laut zahlreichen Meldungen die IS-Kämpfer mit offenen Grenzen zu Syrien bis hin zu Waffenlieferungen. Türkische Journalisten, die dazu recherchierten wurden festgenommen und angeklagt.Die Kurden verfolgt er zunehmend, nachdem er ein Stillhalteabkommen aufkündigte. Es sind in den kurdischen Gebieten zahlreiche Opfer durch türkische Sicherheitskräfte zu verzeichnen.

Investitionen in Flüchtlingsunterkünfte in Südeuropa als Konjunkturspritze

Wir sollten besser in Griechenland, Süditalien und Spanien Flüchtlinge in Regionen unterbringen, die das damit verbundene Konjunkturpaket und die Investitionen seit Jahren dringend brauchen können? Natürlich bedeutet es einen enormen Aufwand, mit den Flüchtlingen zurecht zu kommen, die Erdogan durch die Türkei weiter über Griechenland in die EU durchleiten würde. Doch wer so massiv gegen die Grundrechte und Werte der EU verstößt, ist nicht dauerhaft als (NATO-)Partner zu gebrauchen. So oder so werden in den nächsten Jahren nach Aussagen vieler Experten aus Afrika und anderen Regionen immer wieder Flüchtlinge zumindest vorübergehend in der EU aufgenommen werden. Daher sollten grundsätzlich dafür Unterkünfte und ein Verteil- sowie Integrationsprozedere der EU eingerichtet werden. Bis dahin ist man abhängig von Erdogan. Die jetzige Situation beschreibt Meedia zutreffend: „Der Preis dafür wäre mächtig viel Ärger mit dem offensichtlich nicht zurechnungsfähigen türkischen Staatschef Erdogan.“

Höchtse Zeit für eine einsatzfähige Europaarmee für robuste Friedenseinsätze

Die Summe der nationalen Verteidigungshaushalte der EU- und NATO-Länder zu hoch und die damit erzielte militärische, friedensstiftende Einsatzfähigkeit der Länder insgesamt zu niedrig. Schon längst hätten hier zwingend einschneidende Reformen und Kooperationen über die nationalstaatlichen Grenzen hinweg auf europäischer Ebene stattfünden müssen. Die gegenwärtige militärische Unfähigkeit, Massaker und Bürgerkrieg vor unserer Haustür im Nahen Osten und in den nordafrikanischen Mittelmeerländern zu verhindern, ist wohl auch die Folge der ausbleibenden militärischen Reformtätigkeit der europäischen Regierungen. Nach einer grundlegenden Militärreform der EU-Länder ist eine gefährdete Demokratie in der Türkei als NATO-Partner nicht notwendig, sondern eher gefährlich.

Die relativ schwachen Armeen und Militäreinheiten des IS wären relativ schnell mit einer funktionierenden europäischen Armee überwältigt worden. Die eigentliche Aufbauarbeit begänne erst nach der militärischen Befriedung. Diese müsste selbstverständlich besser geplant und durchgeführt werden als es die ungeeigneten, inkompetenten Männer wie der amerikanische General Paul Bremer (Interview mit Sir Brian Burridge, der die britischen Truppen im Irak führte) – (Link zu amerikanischer Analyse von ) bewerkstelligte.

Europäische Integration steht auf dem Spiel

Zwar würde ein (zeitweises) Aufkündigen der NATO-Mitgliedschaft der Türkei erhöhte innenpolitische Aufmerksamkeit erfordern mit Blick auf die in Deutschland lebenden türkischen Staatsangehörigen und auf die Kurden. Doch ein Mindestmaß an Grundrechten und demokratischen Prinzipien sollte kein EU-Land unterschreiten. Dass man im Falle von Ungarn einige Dinge zu lange in Brüssel laufen ließ, ist ein anderes Thema. Die EU kann es sich auf keinen Fall leisten, sich über die bisher nicht funktionierende gleichmäßige Verteilung von weitere Millionen von Flüchtlingen zu zerstreiten. Dazu sind die ökonomischen Probleme der Südstaaten zu gravierend. Zudem löst Erdogan keine Probleme, sondern verursacht weitere (Konflikt mit Putins Russland) und verschärft bestehende innere Konflikte mit Kurden und der eigenen Opposition.

Die Akzeptanz der Europäischen Union bei den Bürgern ist essentiell für den Erhalt der europäischen Integration. Wenn die EU-Länder dauerhaft nicht in der Lage sind, mit im Verhältnis zur gesamten EU-Bevölkerung sehr wenigen Flüchtlingen zurecht zu kommen und als Wirtschaftsmacht nicht auch eine befriedende Militärmacht sein können, falls notwendig, dann droht ein Zerfall der Europäischen Union aufgrund nationaler Egoismen. Das würde für alle Länder sehr schmerzhafte Nachteile mit sich bringen, während von der EU-Integration alle – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß – letztlich seit Jahrzehnten stark profitierten.

Böhmermanns Be Deutsch und unsere deutsche Erregtheit

Screenshot Be deutsch neo royale
Screenshot Be deutsch neo royale

Jan Böhmermann präsentiert ein neues Video, es wird kontroverser als frühere diskutiert. Etwas erstaunlich ist gerade die Einschätzung von Sascha Lobo auf Facebook dazu.

Lobo stellt zu dieser Satire einige steile Thesen auf:

  1. „Dahinter verbirgt sich ein Wohlfühl-Chauvinismus mit nationalistischem Sound, Abwertung anderer durch Betonung der eigenen Großqualität.“
  2. „Der zweite Punkt ist noch problematischer, weil er unterschwellig funktioniert. Wer sich so eindeutig als ex-böse und jetzt gut positioniert, tut so, als sei schon alles vorbei, die Schlacht längst geschlagen.“

Abschließend beschreibt Lobo übertrieben die aktuelle deutsche Situation, die der sonstigen rechtspopulistischen bis rechtsextremen europäischen Parteienlandschaft trotz der letzten AfD-Erfolge zum Glück immer noch nicht gleichzusetzen ist:

„Aber Ihr könnt Euch nicht rausreden – sonst wirkt Eure überinterpretierende Empörung über die rassistische, scherzhaft gemeinte AfD-Andeutung nächste Woche so schal wie deutsches Bier von 1933, hoho.“

Natürlich haben Deutsche eine besondere Verantwortung aufgrund der Vergangenheit mit den Gräueltaten des Nationalsozialismus. Wir müssen rechtzeitig vor Extremisten auf der Hut sein und Gegenmaßnahmen ergreifen. Besser als das im Fall des NSU geschehen ist. Den Teufel muss man jedoch nicht gleich an die Wand malen, so wie es Lobo tut.

Das Video ist sicher vielschichtiger als es Sascha Lobo darstellt. Persifliert er nicht auch mit dem Video das „neue Extrem“, den „guten Deutschen“ exportieren zu wollen, als eine neue Art deutschen Sendungsbewusstseins? Umgekehrt sollten wir einfach im Rückblick einmal vor Augen halten, wohin uns 4 Jahre Wegschauen und deutsches Zurückhalten während des Bürgerkriegs in Syrien geführt haben. Hundertausende Tote und Millionen vor diesen Greuel Assads Flüchtender, die die meisten anderen EU-Länder nicht aufnehmen wollten, fanden vor allem in Deutschland Zuflucht.

Dabei war es Joschka Fischer mit seinen Grünen, die deutsche Kampfflugzeuge nach Ex-Jugoslawien schickten, um weitere Massaker zu verhindern. Insofern kann der „neue, soziale, offene Deutsche“ in Zukunft durchaus Unglück vermeiden helfen, wenn er sein „neues Sendungsbewusstsein“ konsequenter ausstrahlen lässt. Dem Zyniker Orban im abgeriegelten Nationalstaat müssen wir uns nicht zum Vorbild nehmen. Ist nicht europäische Außenpolitik gleichzeitig Innenpolitik und reich sie nicht bis ins benachbarte Nordafrika und den Nahen Osten? Das ist übrigens keine Frage von linksliberal oder konservativ-rechts; sondern schlicht und ergreifend Weitsicht und Abwägen der Konsequenzen in einer vernetzten, globalisierten Welt, von der sich eine Exportnation wie Deutschland nicht abkapseln kann.

Die Diskussion dazu mit dem Beitrag von Sascha Lobo auf Facebook