Warum Deutsche mehr sparen sollten

 

Was ist die größte Bedrohung der Finanzstabilität in Deutschland? Politiker erzählen gerne von den großen Sparanstrengungen – in Wirklichkeit gibt die öffentliche Hand ständig mehr Geld aus. Gleichzeitig wird die schwarze Null wie eine Monstranz vor sich hergetragen.

Zuletzt hieß es, die Flüchtlingskrise gefährde die schwarze Null; davor war es Griechenland, das angeblich Deutschlands Finanzstabilität gefährden würde. Tatsächlich bescherte Griechenland Deutschland Einnahmen, Zinseinnahmen. Nun legen namhafte Ökonomen (Lars P. FeldDésirée I. ChristofzikUwe Scheuering) entgegen den zahlreichen früheren Behauptungen von Politikern und anderen Ökonomen dar:

„Nach Berechnungen des Sachverständigenrates wird die griechische Staatsverschuldung trotz eines weiteren kurzfristigen Anstiegs zumindest stabilisiert werden können oder sogar zurückgehen, wenn ein reales Wirtschaftswachstum von 1,75 Prozent erreicht wird und die Primärüberschüsse (Überschüsse ohne Berücksichtigung des Zinsdienstes) bei mindestens 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. […]  kommt es auf die Strukturreformen in den Produkt- und Arbeitsmärkten an. Einen Schuldenschnitt braucht Griechenland nicht.“

Wo liegen die wirklichen Gefahren für stabile finanzielle Verhältnisse in Deutschland?

Die entscheidenden finanziellen Gefahren lägen laut der Ökonomen jedoch an anderer Stelle, nämlich in Deutschland selbst. Denn die Kommunen und Länder würden dem Bund ständig neue Zuschüsse oder die Übernahme finanzieller Verpflichtungen abfordern. Mal abgesehen davon, dass es aus der Perspektive eines deutschen Steuerzahlers keinen großen Unterschied ausmacht, ob seine Steuergelder über Berlin zurück in die Gemeinde zum bedürftigen Rentner fließen oder von der überschuldeten Gemeinde direkt bezahlt wird, ist die Rentenkasse eine Einrichtung auf Bundesebene. Ebenso wurde lange vielen Ländern und Kommunen die Asylkosten auferlegt, obwohl das Asylrecht keine kommunale Aufgabe ist, sondern in der deutschen Verfassung verankert ist.

Babyboomer destabilisieren die Sozialversicherungssysteme in naher Zukunft

Nicht die Kommunen und Länder sind wie von den Ökonomen suggeriert das größte Haushaltsrisiko des Bundes. Vielmehr geht es um die seit Jahrzehnten ausbleibenden Strukturreformen der umlagefinanzierten Sozialversicherungen. Bundestagsabgeordnete und Regierungen legen seit jeher eine starre Verweigerungshaltung an den Tag. Seit mit Einführung der Antibabypille (Jahr) ein grundsätzlicher Geburtenknick stattfand, war klar, dass diese demographische Veränderung einmal zum Zusammenbruch jedes umlagefinanzierten Sozialversicherungssystems führen muss.

Bei Wikipedia ist dazu zu erfahren:

Der Economist bezeichnete die Antibabypille als die Erfindung, die das 20. Jahrhundert maßgeblich prägte. 1965, fünf Jahre nach der Erstzulassung, wurde sie in den USA bereits von 41 % der verheirateten Frauen unter 30 Jahren verwendet. Erst 1972 wurde durch die Entscheidung im Fall Eisenstadt v. Baird auch unverheirateten Frauen in den USA der Zugang ermöglicht. 1976 verhüteten drei Viertel der 18- und 19-jährigen Frauen mit der „Pille“. Mit der Einführung der Antibabypille ist ein markanter Abfall der Geburtenraten in vielen Industrienationen zu beobachten, der oft als Pillenknick beschrieben wird.

Statt einer Umstellung auf ein kapitalgedecktes System wurde vor einigen Jahren zusätzlich eine neue umlagefinanzierte Pflegeversicherung etabliert. Nun sind es nur noch etwa 10 Jahre bis sich die Geburtenstärksten Jahrgänge (um das Geburtsjahr 1964) als Beitragszahler verabschieden und als Rentner und potentiell krankheitsanfälligere gesetzlich Krankenversicherte zu Empfängern der Sozialversicherungen wandeln. Somit sinkt die Zahl der beitragszahlenden Erwerbstätigen massiv. Dadurch droht bei weiteren Reformverweigerungen der Bundestagsabgeordneten und Regierungsverantwortlichen der Zusammenbruch der deutschen Sozialversicherungen. Einen Tanker wie die Deutsche Rentenversicherung kann keine Regierung innerhalb weniger Jahre umsteuern. Die Zeit läuft den Verantwortlichen bald davon. Der Zinseszinseffekt bei angesparten Rücklagen hätte schon seit Jahrzehnten sinnvolle Wirkung erzielen können. für jede Milliarde Euro die eine Regierung in den 80er Jahren in eine Reserve in Aktienfonds gebildet hätte, ständen nun nach 30 Jahren bei einer realitätsnahen Rendite von 8 Prozent 10 Milliarden als Kapitaldeckung für den anstehenden demographischen Wandel zur Verfügung.

Failed State muss durch Bürger ersetzt werden

Wo Politiker so massiv versagen, bleibt dem Bürger nichts anderes übrig als vernünftigerweise selbst eine solche Kapitaldeckung für sich anzusparen. Wie das am Beispiel der Bildung einer ewigen Rente aber auch grundsätzlich funktioniert kann hier nachgelesen werden:

Ewige Rente statt Wertsicherungs-ETF für Altersvorsorge