Flüchtlinge verändern Deutschland kaum

An allen Ecken und Enden hören die Medienkonsumenten, wie sehr die vielen Flüchtlinge verändern würden. Aber stimmt das? Was soll sich verändern? Letztlich geht das Leben in der Familie, im Verein, in der Freizeit allgemein und am Arbeitsplatz für die meisten Deutschen so weiter wie bisher. Wenn man sich eine mittlere Stadt von etwa 30.000 bis 50.000 Einwohnern in Deutschland vorstellt, werden dort die Bewohner allenfalls zwischendurch den einen oder anderen südländisch oder afrikanisch aussehenden Menschen mehr unter den vielen Einheimischen und zum Teil Bekannten auf dem Markt und sonstigen öffentlichen Plätzen sehen. Die Ämter werden wie im letzten Jahrhundert weiter ihre Dienstleistungen anbieten. Banken, Post, Apotheken, Supermärkte und Vereine verändern sich ebensowenig radikal.

Wer in einem Verein beispielsweise Fußball oder Schach spielt, trifft möglicherweise auf den einen oder anderen Flüchtling mit dem gleichen Hobby. Doch dieser wird nach den gleichen Regeln Schach oder Fußball spielen wie wir Deutschen. Schachmatt bleibt schließlich Schachmatt, die Rochade bleibt Rochade, der Flankenball wird auch mit Flüchtlingen hoch geschlagen, der Elfmeterpunkt verändert sich nicht und die Grätsche von hinten wird wie bisher geandet werden.

Die meiste Zeit verbringen wir mit Arbeitskollegen, in der Familie und im Freundeskreis. Diese Lebenswelten würden sich auch nicht deutlich wandeln, wenn zu den 80 Millionen Deutschen weitere 10 Millionen Flüchtlinge kämen. Wir hätten es zum größten Teil mit den gleichen Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern zu tun wie bisher. Die Familie bleibt gleich, wenn nicht ein Partner fremdgeht und die Scheidung provoziert. Der Freundeskreis verändert sich ebensowenig jedes Jahr und wird vor allem von uns selbst ausgesucht. Die Flüchtlinge, die wir im Straßenbild wahrnehmen, werden uns weder anspringen noch ausrauben – auch wenn populistische Politiker das zu suggerieren scheinen; insbesondere vor nahenden Wahlen. Nicht einmal das Kindergeld oder die Rente werden gesenkt werden. Unsere mehr als zwei Billionen an Staatsschulden haben wir uns unabhängig von Flüchtlingsströmen eingehandelt, meist als Ergebnis von zahlreichen Wahlversprechen unserer deutschen Politiker.

In den Frühstückspausen von deutschen Handwerkern wird – wenn wir auf das Thema deutsche (Leit-)Kultur kommen, weniger über die letzte Lektüre von Goethe und Schiller diskutiert, sondern mutmaßlich häufiger eine bebilderte Zeitung mit Pin-Up Girls herumgezeigt. Ob die Mädels aus dem Ausland kommen oder Deutsche sind, interessiert dann kaum. Die Bildungsminister der Bundesländer strichen in den letzten Jahren massive Geschichtsstunden und obligatorische Lektüre-Vorgaben für den Deutschunterricht.

„Diese bedenkliche Entwicklung setze sich in der Sekundarstufe I fort, wo es in den Klassen 7 und 9 nur jeweils eine Wochenstunde Geschichte gebe. „Das reicht nicht für eine Vermittlung früherer Epochen wie dem Absolutismus und dem 18. Jahrhundert, aber auch nicht für die deutsche Geschichte seit der Weimarer Republik“, sagt Kolende vom Verband der Geschichtslehrer. … Der Verband fordert den Erhalt des Geschichtsunterrichts in der Grundschule und mindestens zwei Wochenstunden in allen Klassen der Sekundarstufe I.“ – berichtet der RBB

Die Leitkultur Deutschlands ist damit weniger von den (Neu-)Bürgern mit Migrationshintergrund gefährdet, sondern viel mehr vom Erodieren unseres Bildungssystems und vom Konsum- und Freizeitverhalten der „echten“ Deutschen, die weniger den Weg zu Programmkinos suchen. Vom regelmäßigen Gottesdiensbesuch am Sonntag wird schon lange nicht mehr in der Öffentlichkeit gesprochen. Vielmehr sehen sie sich wie die Menschen weltweit fast die gleichen Hollywood-Filme an, hören großenteils die gleichen internationalen Hits und fahren mitunter asiatische Autos.

Wenn sich die deutsche Bürokratie durch die Flüchtlingskrise endlich auf schnelleres Handeln und mehr Flexibilität sowie innovative digitale Verwaltung umstellt, können die Deutschen sogar froh sein über diese von den Flüchtlingszahlen erzwungene Modernisierung der Verwaltung. Wie viele von den Pegida-Demonstranten und AfD-Mitglieder werden sich in 10 oder 20 Jahren von einem der Flüchtlinge am Ende sogar im Pflegeheim waschen und windeln lassen, weil es jetzt schon einen Mangel an einheimischen Pflegekräften gibt?

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