Flüchtlingskrise – Ursache und Wirkung

Von jahrzehnte langer Scheckbuchdiplomatie verhätschelt, sind weder Menschen im Allgemeinen noch Politiker im Besonderen es noch gewohnt, konsequent das Böse in der Welt im äußersten Fall mit Gewaltanwendung einzuschränken, bevor sich Flüchtlingsströme über Europa und besonders Deutschland ergießen. Mit dem Begriff des Bösen (von der deutsch-jüdischen Sozialphilosophin Hannah Arendt beschrieben) können viele Zeitgenossen kaum mehr etwas anfangen, geschweige denn damit, wie es bekämpft werden könnte; zum Beispiel Assad und der IS.

Abschotten von diesen globalen Ereignissen und Katastrophen können sich vielleicht Länder wie Lichtenstein oder noch Luxemburg. Deutschland ist wirtschaftlich weltweit stark vernetzt, von einer stabilen Ölexportregion (noch) abhängig und finanziert Sozialstaat wie Länderfinanzausgleich mit den Einnahmen aus dem Export.

Wohnzimmerdenken der Deutschen statt globaler Horizont
Paradoxerweise glauben viele Bürger in Deutschland, wir könnten uns nur das Positive an der Globalisierung herauspicken und uns gegen das Schlechte isolieren. Angela Merkel hat das besser verstanden, sollte es aber auch besser erklären, als nur zu sagen, dass wir nicht 3000 km deutscher Landgrenze mit einem Zaun umgeben können. Inzwischen hat sie auch eingesehen, wie sehr sie in Syrien und anderswo die Außenpolitik vernachlässigt hat. Was macht eigentlich der SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Hauptberuf? Alle Parteien drücken sich um die Notwendigkeit herum, dass Deutschland als wichtige Wirtschafts- und Exportnation auch in Krisengebieten mit einer drohfähigen Bundeswehr statt einer Lachnummer mehr außenpolitische Verantwortung übernehmen muss. Die Rente mit 63 ist schön vor allem für ältere, männliche, gut verdienende, meist dauerangestellte Facharbeiter. Zukunftsfähig und konkurrenzfähig machen wir unser Land für junge Familien und Kinder damit nicht. Globale Verantwortung einer Wirtschafts- und Industrienation erfordert an anderen Stellen mehr Investitionen. Das ist nicht angenehm aber notwendig (besonders für Abgeordnete, die an den nächsten Wahlkampf denken), wenn Deutschland und die EU nicht irgendwann einmal das Schicksal des untergegangenen Römischen Reiches teilen möchten.

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