Die Bienenfabel und ein Lob auf die Niedrigzinsphase

Besonders wir Deutschen jammern unaufhörlich über die Niedrigzinsphase. Dabei hat Bernard Mandeville bereits vor mehr als 300 Jahren in brillanter Weise auf die Zusammenhänge zwischen Konsum, zirkulierendem Geld und Wohlstand eines Landes hingewiesen.

Da man auf Luxus jetzt verzichtet, / So ist der Handel bald vernichtet. /
Manch Handwerk mehr und mehr verfällt, / Betriebe werden eingestellt. /
Darnieder liegt Kunst und Gewerb.
(zitiert nach Zeit.de)

Die Wahrheit liegt jedoch eher zwischen lasterhaftem Konsum und der traditionellen deutschen Sparsamkeit. Denn ihr Geld können die Menschen schließlich auf sehr unterschiedliche Weise in Umlauf bringen. Das Bordell ist die eine Möglichkeit, der Volkshochschulkurs über  Kunstgeschichte die  andere. In einer freiheitlichen Gesellschaft bleibt es letztlich den Bürgern überlassen, ob sie am Wochenende in der Fankurve stehen und danach am Stehimbiss einige Bierchen zur Currywurst konsumieren oder abends ins Theater und danach in ein französisches Restaurant gehen. Mandeville zeigte jedoch grundsätzlich die Notwendigkeit auf, dass Menschen Geld nicht einseitig horten dürfen, wenn eine Volkswirtschaft nicht als ganzes verelenden will.

Volkswirtschaft bedeutet in heutiger Zeit jedoch nicht das Wirtschaften in den deutschen Grenzen, sondern angesichts des weit fortgeschrittenen EU-Integrationsprozesses das ökonomische Geflecht in der gesamten EU – einschließlich staatlicher (Sozial-)Transfers auf EU-Ebene. Die Zahlungen an französische Kleinbauern seit Jahrzehnten sind übrigens nichts anderes als versteckte europäische Sozialtransfers. Innerhalb Deutschlands würde niemand mehr ernsthaft bestreiten, dass es einen – wenn auch eventuell verbesserten – Länderfinanzausgleich geben muss.

An dieser Erkenntnis kommt man auch nicht auf EU-Ebene vorbei – so sehr speziell CDU/CSU-Politiker auch rumkrakelen mögen. Natürlich kann niemand den starken deutschen mittelständischen Unternehmen verbieten, zu exportieren. Auf volkswirtschaftlicher Ebene jedoch kommt niemand umhin, zu akzeptieren, dass ein starker deutscher Exportüberschuss gegenüber anderen EU-Ländern über viele Jahre hinweg dann andererseits zwingend zu einer Verschuldung der Länder mit Exportdefiziten führen wird – und Deutschland damit gewollt oder ungewollt zum Kreditgeber werden muss. Eine Gegenmaßnahme kann dann tatsächlich sein, dass die Löhne und der Konsum insbesondere ausländischer Güter bzw. die Reisen ns Ausland zum Beispiel nach Griechenland zunehmen.

„Wer hat, dem wird gegeben: Das war immer der Verdacht all jener, die arbeiten und sich anstrengen und doch erkennen müssen, dass noch so großer Fleiß ihnen keine Yacht und kein Penthouse einbringen wird. Aber jetzt, da dem, der hat, etwas genommen wird, scheint sich trotzdem keiner zu freuen.

Liegt das womöglich daran, dass der Kapitalismus endlich uns alle (oder zumindest sehr viele) zu Kapitalisten gemacht hat, wenn auch im ganz kleinen Format? Als Inhaber von Lebensversicherungen und Riesterrenten sorgen wir uns um die Verzinsung unserer Einlagen.“ (FAZ.net)

Das Problem der Altersvorsorge im Angesicht niedrigster Zinsen auf Lebensversicherungen, Sparbücher, Bundesschatzbriefe und Bausparer können die deutschen Sparer dadurch lösen, dass sie sich endlich mal auf ihre Vernunft besinnen, sich mit den günstigen Chancen-Risiko-Verhältnis von monatlichen Sparen in Aktienfonds oder besser -indizes bzw. ETFs befassen und ihr Sparverhalten den zukünften Umständen anpassen. Kaum bekannt ist, das Südeuropäer schon Jahrzehnte sinnvollerweise in Aktienfonds investieren und im Gegensatz zu ihren Staaten zu Wohlstand gekommen sind. Dann hätten die Eurokrise und die Griechenlandkrise etwas segensreiches für das bisher desaströse Sparformen der Deutschen bewirkt. Doch wenn niemand beim Konsumieren Geld ausgiebt, kann das angelegte Geld keine Rendite erwirtschaften, wie wir seit Mandeville wissen sollten. Danken wir also unseren südeuroäischen Freunden und konsumieren wir etwas mehr wie sie in den letzten Jahren und investieren den anderen Teil direkt in Investements(fonds), nicht nur bei Papa Staat in dessen Bundesschatzbriefe.

 

Nazi-Kredite an Griechenland zurückzahlen?

Nachdem sich die Griechenlandkrise wieder verschärfte, ist nun wieder die strittige Frage der Nazikredite, die Griechenland damals abgezwungen wurden auf den Tisch gelegt worden. Die Haltung der Regierung in Berlin scheint ziemlich peinlich zu werden. Denn es gibt unterschiedliche Rechtsauffassungen. Es könnte sich sehr wohl zum Beispiel um einen Zivilkredit handeln, der noch zurückgezahlt werden müsste (Zeit.de).

Zudem ist es keineswegs so, dass Griechenland in den 2-4-Gesprächen und dem Vertrag dazu ausdrücklich auf die Rückzahlung verzichtet hat. Vor allem sind die etwa 11 Milliarden Euro eine für die Exportnation Deutschland überschaubare Summe. Selbst wenn auch noch der eine oder andere Mittelosteuropäische Staat ähnliche Ansprüche geltend machen würde. Berliner Politiker scheinen zu vergessen, dass Deutschland massiv von einem Schuldenschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg und den folgenden Aufbauhilfen profitierte.

Entscheidend für die Haltung der Regierung in Berlin sollte jedoch sein, welches Bild Deutschland in Europa abgibt und welche psychologischen Effekte auf die Reform- und Sparwilligkeit der südeuropäischen Staaten von einer harten deutschen Sparpolitik ausgehen. Von einer Sparpolitik die keine Rücksicht nahm auf gestiegene Selbstmordraten, Obdachlosigkeit, Lebensmittelnotversorgung, die radikalen Streichungen für kranke Menschen und die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland und anderen Ländern. Bei der Verfolgung von Steuerstraftätern aus Griechenland aber im Übrigen auch aus Deutschland ist die deutsche Politik wie der Fall HSBC in Genf aktuell wieder einmal vorführt

Arbeit oder Arbeitslosigkeit durch Digitalisierung?

Mal wieder wird in den letzten Wochen diskutiert, ob die Digitalisierung zu massiven Abbauch von Arbeitsplätzen führt (Zeit.de). Dabei verläuft die Diskussion häufig in alten marxistischen Argumentationslinien. Übersehen wird die Möglichkeit, den marktwirtschaftlichen Rahmen mit Angebot und Nachfrage insbesondere auch an den Börsen beizubehalten. Aber gleichzeitig könnte man das Produktivvermögen der börsennotierten Unternehmen auf einen größeren Teil der Bevölkerung verteilen. Kapitalbildung der kleinen Leute müsste also gefördert werden. Eventuell mit einer Teilgarantie des Staates im Falle eines Börsencrashes, der historisch gesehen immer nur ein vorübergehender Crash sein kann. Das würde dazu führen, dass im besten Falle jeder Bürger nicht nur Arbeitseinkommen, sondern zusätzlich ein Einkommen aus Kapital erhält – Monat für Monat. Damit wäre es nicht mehr so entscheidend, wie hoch einzelne Tarifrunden ausfallen. Das Arbeitseinkommen wäre nur mehr ein Teileinkommen. Zudem ist die Idee reizvoll, eine Steuer auf Maschinen und Roboter einzuführen. Doch bisher wird im Gegenteil nur Arbeit besteuert und mit Sozaalversicherungsbeiträgen versteuert – ein zusätzlicher Anreiz, Arbeit wegzurationalisieren. Seit Jahrzehnten wollen Politiker den Faktor Arbeit von Sozialversicherungsabgaben entlasten. Den Worten jedoch folgten nie nennenswert Taten.

Die Kapitalverteilung würde noch stärker zum Tragen kommen, würde der Gesetzgeber eine Art Mini- oder Handwerker-AG schaffen. In der Form, das der Kleinunternehmer die Entscheidungshoheit behält, jedoch über eine Miniaktiengesellschaft Eigenkapital für Investitionen erhält – von Kleininvestoren, deren Investition je nach Monatseinkommen zum Teil staatlich gefördert werden. Diese Kleininvestoren, die nicht direkt in einzelne (Klein-)AGs, sondern in Aktienfonds oder Aktienindizes bzw. ETFs investieren sollen, bekommen im Gegenzug Gewinnanteile. Zuvor muss der Kleinunternehmer allerdings einige Jahre bewiesen haben, dass er Gewinne erwirtschaften kann und nicht das Kapital anderer vernichtet. Der Rahmen des Wirtschaftens kann damit marktwirtschaftlich gestaltet werden. Gleichzeitig wird das Produktionsvermögen auf die Bevölkerung verteilt. Wäre es nicht so marktwirtschaftlich eingebettet und gewinnorientiert ausgerichtet, um der Bevölkerung ein möglichst hohes Kapitaleinkommen zu bieten, könnte man es fast marxistisch nennen.

Was ist ein Schuldenschnitt?

Die griechische Regierung in Gestalt von Tsipras und Finanzminister Varoufakis fordert (FAZ) einen Schuldenschnitt. Die deutsche ist dagegen. Viele Ökonomen meinen, dass Griechenland an einem Schuldenschnitt gar nicht mehr vorbeikommt, weil die Schulden im Verhältnis zum BIP Griechenlands zu hoch wären.

Doch was ist ein Schuldenschnitt? Es können darunter verschiedene Maßnahmen verstanden werden.

1. Der direkte Schuldenschnitt: Der Betrag der Schulden wird direkt verringert
2. Schuldenschnitt durch Absenken des ursprünglich vereinbarten Kreditzinssatzes bzw. durch Abweichung vom üblichen Marktzins nach unten. Alternativ kann die Laufzeit des Kredites bis hin zur Unendlichkeit verlängert werden – Aussetzung oder Verringerung der Tilgungszahlungen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Marktzinsen nicht objektiv festgelegt und manchmal manipuliert werden. Beziehungsweise täuscht sich der Markt – siehe Bewertung der Lehmann-Zertifikate.
3. „Unechter“ Schuldenschnitt: hier wird dem Schuldner in einer Krisensituation die Zahlung von Zins und Tilgung gestundet, aber nichts geschenkt. Vor allem bei einem „unsterblichen“ Schuldner wie bei Ländern wurde die Zahlung von Schulden schon über viele Jahrzente gestreckt. Deutschland zahlte zum Beispiel die letzten Kriegsreparationen für den Ersten Weltkrieg erst in den 80er Jahren zurück.

Barwertberechnungen von Schulden täuschen im Übrigen darüber hinweg, dass es meist eine subjektive Entscheidung ist, wie Gläubiger mit säumigen Schuldnern umgehen. Am dümmsten sind Gläubiger die so restriktiv mit Schuldnern umgehen, dass eine Rückzahlung der Schulden verhindert wird und der Schuldner in die Insolvenz schlittert oder dass die Bevölkerung von Ländern radikalisiert (Welt.de) wird und extremistische Parteien wählt oder sogar die Demokratie gefährdet ist.

Im Falle von Ländern hängt die Rückzahlungsfähigkeit letztlich allein davon ab, ob die Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten einen zu hohen Anteil an Arbeitslosen und Geringqualifizierten ausweist. Auch die Anreize des Steuersystems und des Sozialversicherungssystem spielen eine Rolle dabei, ob mehr Arbeitsstunden in der jeweiligen Volkswirtschaft geleistet werden. Letztlich kommt es darauf an, wie viele Steuern und Sozialabgaben eine möglichst hoch qualifizierte Arbeitsbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten leisten kann. Dann wäre ein „echter“ Schuldenschnitt völlig überflüssig und nur eine Stundung solange nötig, bis sich das Land stabilisiert hat.

P.S.: Es wird nochmals eine Aktualisierung erfolgen.