Jämmerlicher Präsident – noch jämmerlicherer Journalismus

 

Wie farblos dieser Bundespräsident Christian Wulff ist, zeigt sein mangelndes Selbstbewusstsein im Umgang mit dem Kredit der Frau eines väterlichen Freundes (so die erste Information), dem der Bundespräsident damit ebenfalls einen Gefallen tat. Denn in Zeiten der Finanzkrise mit historisch niedrigen Zinsen hätte der Unternehmer Geerkens von keiner Bank vier Prozent Zinsen für sein Geld bekommen. Wulff zahlte diese vier Prozent und bekam im Gegenzug damit einen Kredit, der etwas unter den Marktkonditionen für Normalsterbliche lag. Vielleicht hätte er sogar als Ministerpräsident den gleichen niedrigen Zinssatz von einer Bank bekommen. Aber er hatte ja den väterlichen Freund.

Dass dieser heute dem Spiegel erzählt, nicht seine Frau, sondern er habe in Wirklichkeit den Betrag von 500.000 Euro an den damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff vergeben, lässt die Freundschaft nun wieder etwas weniger freundschaftlich aussehen. Doch vielleicht ärgerte sich Unternehmer Geerkens nur, dass Wulff nicht die Mut hat, zu diesem völlig harmlosen Kreditgeschäft in aller Öffentlichkeit zu stehen.

Was hat das nun mit der Jämmerlichkeit des deutschen Journalismus zu tun? Gleichzeitig zur Debatte um den vorpräsidialen Kreditdeal, droht die Partei unterzugehen, die in der Bundesrepublik 48 Jahre lang mitregierte, die FDP. Der Generalsekretär Christian Lindner hatte völlig überraschend das Handtuch geworfen. Was steht am folgenden Nachrichtentag überrall auf Seite 1 der Zeitungen? Präsidentenbashing. Obwohl zu diesem Zeitpunkt noch die Frau des Unternehmers Kreditgeberin war, was für Journalisten offenbar einen großen Unterschied ausmacht. So als ob Frau und Herr Geerkens nicht miteinander sprechen würden.
Gleichzeitig vergleichen einige Journalisten den „Fall“ Wulff mit Johannes Rau, der als langjähriger Ministerpräsident nun wirklich bis zum Hals im NRW-Filz steckte. Von Wulff sind bis dato keinerlei derartige Verstrickungen bekannt. Dennoch lassen sich einige Schreiberlinge dazu herab unterschiedlichste Fälle fast gleichzusetzen, wo himmelweite Unterschiede festzustellen sind. Die FDP interessiert die Herren Journalisten auf der Titelseite schon weniger. Für Zeitungen, die auf so billige Weise offensichtlich ihre Auflage steigern wollen, werden sich hoffentlich ebenfalls immer weniger zahlende Leser interessieren. Anstatt Wulff massiv für seine blasses, inhaltsleeres Gelabere in Zeiten der größten Finanzkrise seit den 20er Jahren zu kritisieren, die das europäische Einheitsprojekt zu zerstören droht, sabbern Journalisten wegen eines 500.000-Euro-Häuschenkredits rum.

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