Börsenabsturz und Transferunion als Schreckgespenster

In einigen Medien wird nicht besonders kompetent der Teufel einer Transferunion an die Wand gemalt, in die wir seit einigen Monaten abgleiten würden beziehungsweise in der wir uns bereits befänden. Dazu ist zum einen zu sagen, dass wohl seit Bestehen der EU, vormals EG, politische Deals an der Tagesordnung waren, mit denen die Zustimmung vor allem kleinerer Länder mit Milliarden von größeren erkauft wurden. Vor allem die Strukturhilfen für Südeuropäische Länder seit den 80er Jahren und später für die mittelosteuropäischen Länder sind nichts anderes als Transferleistungen. Allerdings sind das ebenso wichtige Absatzmärkte für die deutsche (Maschinenbau-)Industrie.


Keine Transfers ohne Gegenleistung und Rückzahlung

Dahingegen sind die jetzigen Finanzhilfen für Griechenland und Co an sehr schmerzhafte Einsparmaßnahmen und Reformen in diesen Ländern gebunden. Von automatischen Transferzahlungen ohne Gegenleistungen und Bedingungen kann demnach nicht die Rede sein. Hier zählt wohl für einige Journalisten mehr die Schlagzeile als eine gründliche Recherche und vorheriges Nachdenken.

Falschdarstellung in den Medien
Verantwortungslos handeln einige Medienmacher zudem, wenn sie in ihren Blättern von Börsenkrach schreiben, ohne dass sie dabei berücksichtigen wie wichtig die Marktpsychologie dabei ist. Diese wird eben von der medialen Berichterstattung entscheidend mit beeinflusst. Ohne das Eingreifen der EZB, die nun wieder Staatsanleihen aufkauft, hätte es möglicherweise angeheizt von Medienberichten eine Börsenpanik und einen Crash gegeben. Ohne dass die Fundamentaldaten das hergeben. Die Amerikaner habe inzwischen begriffen, dass sie massiv sparen müssen und werden dies trotz aller politischen Streitigkeiten auch umsetzen. Ebenso werden das die Italiener und Spanier konsequent tun müssen. Die Industrie dieser Länder ist stark und innovativ genug.

Veränderte Fiskalpolitik
Diese Länder werden nach Reformen auch (wieder) Haushaltsüberschüsse erwirtschaften können und die Schuldenaufnahme begrenzen und Staatsanleihen vollständig zurückzahlen. Nun kommt es auf politische Reformen und verbesserung der marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Ratingagenturen, die nach ihrem Versagen in der amerikanischen Immobilienkrise nun zurecht wenn auch reichlich spät auf die zu hohe Staatsverschuldung hinweisen, werden das erzwingen.

Vorübergehende Begrenzung der Sozialsysteme
Die Zeiten, in denen Sozialstaaten mit viel zu viel Verwaltungskosten auf Staatskredit das Geld wenig effektiv häufig den falschen Adressaten auszahlten, sind nun bald endgültig vorbei. Stattdessen muss mehr in Bildung finanziert werden; möglicherweise nicht mit Fördermitteln, sonder als Bildungskredite zur Aktivierung, die später zurückgezahlt werden müssen. Das bisherige Sozialsystem funktionierte nur solange auf Pump, wie Gläubiger nicht ahnten, dass auch europäische Staaten oder die USA den Überschuldungspunkt erreichen könnten und zahlungsunfähig werden können. Nach erfolgreichen Reformen und erhöhter Wirtschaftskraft können die Sozialsysteme dann wieder so stark ausgebaut werden, wie sie vorher noch nie waren. Nur finanzierbar muss das sein.

Arbeit ade – im Paradies der Kapitaleigner?

Die Finanzkrise zeigte, dass der Finanzsektor mit den vielen Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften völlig aufgebläht ist. Tausende Mitarbeiter verloren und verlieren jetzt wieder ihren Arbeitsplatz. Leider ist das keine singuläre Erscheinung. Oder soll man sagen zum Glück? Wer wünscht sich die tristen, primitiven und körperlich belastenden Arbeitsplätze an den Fließbändern des letzten Jahrhunderts zurück? Warum sollten nicht Roboter solche Arbeiten erledigen und sich der Mensch entspannen, vergnügen kulturell weiterbilden und zwischendurch in einer 25-Stunden Woche oder projektbezogen einer sinnstiftenden Arbeit nachgehen? Foxconn will nun in seinen Fabriken eine Millione zusätzlicher Roboter einführen und daher die Zahl der Arbeitsplätze reduzieren. Oder schafft zusätzliche Nachfrage dennoch soviel Bedarf an Arbeitsplätzen, dass niemand entlassen werden muss?

Allerdings kann nicht jeder Fließbandarbeiter in fünf Jahren die hochmodernen Roboter bedienen. Aber wo stehen die Foxconn-Fabriken denn? Erstaunlicherweise im Billiglohnland China. Was produzieren sie? Die teuren Spielgeräte der westlichen Konsumenten, insbesondere Apples iPhone und iPad. An diesem Beispiel lässt sich auch zeigen wie die Einkommen der Menschen erzielt werden können, die dann nicht mehr arbeiten, weil es vielleicht zu wenig Arbeit gibt beziehungsweise die Arbeit von Robotern erledigt wird. Hätten sich die bedrohten Arbeiter dieser Welt in den letzten Jahren schrittweise einen Kapitalstock an Apple-Aktien aufgebaut, wären sie jetzt so betucht, dass sie gar nicht mehr oder nur noch teilzeit arbeiten müssten. Die Angst vor Arbeitslosigkeit würde kaum mehr eine Rolle spielen.

Das sieht man hier am Kursverlauf von Apple. Tatsächlich ist es jedoch nicht empfehlenswert einseitig auf eine Aktie zu setzen. Auch das zeigt Apple. Die Firma war schon fast pleite. Viel sinnvoller ist es auf einen breit gemischten Aktienfonds zu setzen, der nicht nur im letzten Jahr erfolgreich war, sondern auch in den letzten zehn Jahren oder länger eine sehr gute Jahresrendite aufweisen kann. Oder man beit mit eineb breit streuenden Indexfonds sein Vermögen auf. Dann wird man nicht so schnell Millionär, kann aber vielleicht sparsam davon einmal leben – zumindest in Kombination mit einem Teilzeiteinkommen. Dann hätten Arbeitsnehmer auch Zeit, sich individuell weiterzubilden, sich zu überlegen was sie gerne arbeiten und finden dann auch wieder einen besser bezahlten Arbeitsplatz oder die Möglichkeit als Freiberufler gut zu verdienen.

Mit einem Zinsrechner sollte jeder einmal individuell überlegen, was er wie lange Monat für Monat bei einer realistischen Rendite von 6 oder auch 8 Prozent pro Jahr bei Aktienfonds anlegen müsste, um finanziell unabhängiger zu werden. Dann kommt man möglicherweise zur Erkenntnis, dass es sich lohnt einige Jahre sehr sparsam zu haushalten und jeden Groschen zu sparen, um später umso unabhängiger zu sein.