Hysterie wegen angeblich neuer Finanzkrise

Griechenland arbeitet laut Handelsblatt an einem Konzept für eine Umschuldung, was laut EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark schlimmere Auswirkungen haben könnte, als die Pleite von Lehman-Brothers. Stark erwähnt dabei nicht wie tief deutsche Banken und Lebensversicherer in den südeuropäischen Krisenländern involviert sind. Die Altersvorsorge der Deutschen mit ihrem zu hohen Kapitallebensversicherungsanteil dürfte zudem von einem starken Schuldenschnitt negativ beeinträchtigt werden. Leider wird in dem Medienbericht nicht eine einzige absolute Zahl erwähnt, was die Millidardendefizite Griechenlands für die nächsten Monate angeht.

Der Grund wird vielleicht ersichtlich, wenn man die Wirtschaftskraft der Griechen in Relation zum Wirtschaftsraum der gesamten EU setzt. Es geht hier um lächerliche 0,2 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung, die in Griechenland erbracht wird. Das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands beträgt gerade einmal 230,17 Mrd. Euro. Ein durchschnittliches Defizit von zehn Prozent für einige Jahre bedeutet für den griechischen Staat einen Finanzierungsbedarf von 23 Milliarden Euro pro Jahr. Das wäre von der EU ohne große Problem zu schultern bis sich die Griechen wirtschaftlich neu strukturiert haben. Allerdings darf man dann in einer griechischen Rezession nicht zusätzlich mit so extremen Sparprogrammen die Kaufkraft der Griechen derart belasten, wie dies inzwischen der Fall ist. Keinem ist damit gedient, wenn – wie zu beobachten – die Geschäfte in den Einkaufsstraßen reihenweise aufgegeben werden. Nach einer Umstrukturierung der griechischen Wirtschaft können die Griechen in der EU und global wieder an der Arbeitsteilung ihren Anteil haben, mehr exportieren oder touristische Dienstleistungen besser vermarkten.

Dass man massiv Schulden abbauen kann, hat unter anderem Dänemark bewiesen. Mit den richtigen Reformen wurde dort ein riesiges Staatsdefizit abgebaut. Mit Hysterie in den Medien, geschürt von Ökonomen ist Europa nicht gedient.