Konsum, Investition oder konsumptive Investition

Wir sollen im Dienste der Wirtschaft und Arbeitsplätze konsumieren, aber auch investieren, damit wir selbst mehr für das Studium bzw. die Ausbildung der Kinder oder Enkel, die eigenen Krankheitskosten zahlen oder eine private Altersvorsorge besitzen, da das deutsche Rentensystem nicht mehr so leistungsfähig sein wird, wie wir das gewohnt sind.

Beides – Konsumieren wie Investieren – ist nicht möglich, oder? Wie wäre es mit konsumptiven Investitionen? Nehmen wir einen Kleiderschrank als Beispiel. Billig aus Sperrholzplatten zusammengeklebt überlebt ein solcher Kleiderschrank kaum einen Umzug geschweige denn dass er an die nächste Generation vererbt werden kann. Ähnliches gilt für viele andere Gebrauchsgegenstände, die es meist in einer oft über Generationen haltbaren Qualität gibt, oder als Billigimport aus Niedriglohnländern.

Die haltbare „Luxusversion“, die langfristig oft dennoch die günstige Variante ist und vor allem nicht die Müllberge aufgrund kurzer Lebensdauer stärker ansteigen lässt, wird dazu oft noch in Deutschland hergestellt und sichert so bei uns Arbeitsplätze. Hochwertige Möbel oder sonstige Haushaltswaren werden zudem nicht durch die Inflation entwertet wie das Papiergeld oder das Sparbuch bzw. Bundesschatzbriefe, die keinen Sachwert darstellen.

Gleichwohl sollte aus individueller Sicht der Verbraucher zuerst Investieren und im Idealfall aus den regelmäßigen Erträgen (=Passiveinkommen) seiner Rücklagen konsumieren. In Deutschland passiert – häufig aus Notlagen der Menschen aber auch aus Unwissen über die Zinsbelastungen oder die Alternative – das Gegenteil: Bevor man spart, konsumiert man auf Kredit und zahlt der Bank nicht nur den geliehenen Betrag sondern ständig auch Zinsen zurück, anstatt seinerseits Zinsen bzw. Rendite zu vereinnahmen.

Doch die dazu zumindest zeitweise notwendige Konsumenthaltung scheint nicht mehr besonders hoch im Kurs zu stehen. Oder muss man nicht von „falschen Konsum“ sprechen. Der „richtige Konsum“ in diesem Sinne wäre zum Beispiel ein „sparsamer Konsum“ wie Radausflüge mit gebraucht gekauften Fahrrädern in der eigenen Region oder Wandertouren. Kurze Tagesausflüge, für die keine Übernachtungskosten anfallen. Nutzen der öffentlichen Bibliotheken. Ganz trivial kann jeder Verbraucher auch die aktuellen Supermarktangebote nutzen und konsequent die Preise vergleichen. Grundsätzlich sollte man sich Dinge nicht immer dann kaufen, wenn man sie sofort braucht, sondern nach Möglichkeit rechtzeitig überlegen, was in Zukunft benötigt wird. Dann kann man ohne Zeitdruck die Preise vergleichen und auf ein Schnäppchen warten.

Stattdessen setzen viele auf teures Skifahren oder üppige Reisen im Sommer wie im Winter und kaufen sich Dinge „spontan“ wie es ihnen einfällt. So fehlt natürlich das Geld zum Investieren. Im schlimmsten Falle gerät man in die Fänge der Banken mit deren lockenden Kreditangeboten.

Vom Kanzleramt nicht totzukriegen – Eurobonds

Das für die deutsche Regierung scheinbar so unbeliebte wie unverstandene Thema Eurobonds verschwindet nicht von der Agenda.

George Soros beschreibt in einem Beitrag „Mindestens zwei Fehler“ im Zusammenhang mit der gemeinsamen Euro-Währung und fordert einen starken Eurobond-Markt.

Peter Bofinger weist in einem Interview mit dem Deutschlandfunk noch einmal auf die unbestreitbaren Vorteile hin. Besonders Spekulanten könnten nicht gegen den Euro-Wirtschaftsraum als solchen anspekulieren wie ihnen das mit einzelnen Ländern möglich ist. Für Deutschland negative Berechnungen – von Medien angestoßen – werden Bofinger als Milchmädchenrechnung entlarvt. Diesen Berechnungen nach würden die Eurobonds die Zinssätze für Deutschland erhöhen und so zu einer angeblichen Belastung von etwa 17 Milliarden Euro führen. Dazu sagt Bofinger, dass die Eurobonds mit US-Anleihen zu vergleichen wären. Da die Euroländer jedoch eine deutlich niedriegere Defizitquote und Gesamtverschuldungsquote als die USA aufweisen, lägen die Eurobondszinsen nicht höher als die US-Anleihezinsen und eben auch nicht höher als die derzeitigen Zinsen, die Deutschland als Staat dem Kapitalmarkt für Kreditaufnahmen bieten muss. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten bis sich nicht nur die Sinnhaftigkeit, sondern auch Notwendigkeit der Einführung von Eurobonds im Kanzleramt herumspricht.

Deutschland – Neue Weltmacht wider Willen?

Sind die Deutschen Opfer ihres Fleißes, Organisationstalents und Erfindergeistes geworden und müssen jetzt etwas machen, was weder sie noch ihre europäischen Nachbarn wünschen: Als Weltmacht und Führungsstaats der EU, des größten Freihandelsraumes der Welt, sagen, wo es lang gehen soll.

In den meisten Medien scheint es „nur“ um die Rettung einiger Euro-Länder und am Ende die Rettung des Euros oder die Wiedereinführung der D-Mark zu gehen. Es vollzieht sich jedoch ein größerer Wandel. Während trotz des Super-Präsidenten Obama die USA an ökonomischer und langfristig auch an militärischer Macht zu verlieren scheinen, scheint Deutschland glänzend durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen zu sein.

China und Indien werden zwar als die zukünftigen Weltmächte gehandelt. Doch betrachtet man den Wohlstand pro Kopf, die Industrie- und Umweltstandards, ist Deutschland noch immer um Längen voraus. Vor allem Chinas Führung muss ständig in Angst vor großen sozialen Unruhen der ärmlichen Landbevölkerung und der Wanderarbeiter an der Modernisierung des Landes arbeiten. In China sterben jährlich tausende von Menschen an der extrem hohen Umweltbelastung.

Ökonomische Kraft entscheidet über politische Macht und Weltmacht-Status

Über Einfluss und Macht in der Welt hat immer die ökonomische Kraft und Modernität eines Landes entschieden und das wird auch weiter so sein. Deutschland gewann diese Macht jedoch nicht nur mit Fleiß und Erfindergeist, sondern, indem es in einem sich politisch zunehmend enger zusammenschließenden Europa die eigene Wirtschaftkraft am besten ausspielen konnte. Die Tatsache, dass Deutschland als Exportmacht überproportional stark vom Riesenmarkt der EU profitiert, wird gerne in den Medien unterbelichtet. Mit diesem nicht übertrumpfbaren Ass im Ärmel können deutsche Regierungen insbesondere hinter den EU-Kulissen vorgeben, wo es lang gehen sollen.

Vielleicht ist das ein wichtiger Grund dafür, dass Angela Merkel häufiger vergisst, in der Öffentlichkeit trotz dieser Macht zusätzlich taktisch klug zu den drängenden Problemen Stellung zu beziehen. Besonders Finanzmärkte reagieren empfindlich auf tölpelhaftes kommunikatives Vorgehen. Dass private Gläubiger der EU-Schuldensünder mithaften müssen, ist selbstverständlich, muss aber nicht Jahre vor dem Ende des bisher geltenden Rettungspaketes in die Welt hinausposaunt werden. Wer verantwortet die PR-Strategie der Bundeskanzlerin und wer berät sie, wenn sie selbst schon wenig Ahnung von manchen Dingen zu haben scheint. Zum Beispiel auch davon, wie man mit der gefährdeten Commerzbank umgeht.

Sozialstaat beruht auf der Wirtschaftskraft

Mit den versteckten oder ungeliebten Weltmachtdasein Deutschlands ist es jedoch schnell vorüber, wenn durch schlechtes Handeln der Führungsmacht Deutschland Eurobonds verhindert werden, die notwendig sind, um Spekulanten den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Ist der Euro erst einmal ruiniert, erleidet die europäische Einigung mit der damit verbundenen langen Friedens- und Aufbauzeit seit dem Zweiten Weltkrieg einen herben Rückschlag. Nicht zuletzt zerstört Deutschland möglicherweise den eigenen Sozialstaat wie wir ihn bisher kennen. Denn dieser ist mit zusätzlichen Millionen von Arbeitslosen nach dem massiven Einbrechen deutscher Exporte aufgrund einer europäischen vielleicht weltweiten Finanzkrise nicht überlebensfähig.

Der heute beschlossene europäische Krisenmechanismus ist nur ein kleiner Anfangsschritt. Es müssen viel entscheidendere weitere folgen, um das beschriebene Negativszenario abzuwenden. Es darf nie wieder zu so massiven Immobilienblasen (Spanien), Statistikbetrügereien und Verschwendungssucht (Griechenland) und dem kompletten Versagen der Bankenaufsicht (Deutschland, Irland, Großbritanien, Frankreich) kommen. Anstrengung und reale Wertschöpfung ist der einzige Weg zu Wohlstand und Stabilität für ganz Europa – egal wer letztlich den Weg dorthin weist.

Unionspolitiker und Medien schaden europäischer Einigung

Zahlreiche Zeitungen, so auch die FAZ, berichten vor allem aus engstirniger nationaler Perspektive über Jean-Claude Junckers Forderung nach einer europäischen Schuldenagentur und Eurobonds. Diese antieuropäische Haltung wird derzeit insbesondere auch von Unionspolitikern befördert. Die Kanzlerin lehnt den Vorschlag kategorisch ab. Aus der CSU ertönen die gewohnt antieuropäischen Zwischenrufe von Parteichef Seehofer und Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Steckt dahinter nur Populismus oder auch ökonomische Inkompetenz? Eurobonds sind de facto das einzige Mittel, um die Spekulanten davon abzuhalten, einzelne EU-Länder kaputt zu spekulieren. Denn gegen Eurobonds beziehungsweise die gesamte EU-Wirtschaft kann allein aufgrund der Größe, der dahinterstehenden Wirtschaftskraft niemand anspekulieren. Vorraussetzung dafür ist zusätzlich eine konsequente Wirtschaftsreform der rückständigeren europäischen Staaten, die wieder auf globaler Ebene, zumindest in einzelnen Bereichen, kunkurrenzfähig werden müssen, um selbst vom Welthandel zu profitieren.

Wie ernst der Euro in seinem Bestand gefährdet ist, wurde bei Maybrit Illner erstaunlich deutlich vor allem von „Mr. Dax“ Dirk Müller vor Augen geführt. Ebenso klar wurde betont, dass eine stärkere Harmonisierung der Finskal- und Wirtschaftspolitik die Voraussetzung für einen Fortbestand des Euros ist. Diese Harmonisierung ist unweigerlich mit einem weiteren Souveränitätsverlust der einzelnen Staaten verbunden. Europa tendiert wohl unausweichlich Richtung einer politischen Form der „Vereinigten Staaten von Europa“ oder wird politisch stark erschüttert werden. Bemerkenswert an der Illner-Sendung ist insbesonderen, die eindeutige Aussage des erfahrenen Börsenprofis Dirk Müller, der erklärte, dass sowohl London als vor allem jedoch auch Washington ein starkes Interesse an einer Schwächung oder einem Zerfall des Euros haben. Denn dieser wird gehandelt als als potenzielle mit dem Dollar konkurrierende globale Reservewährung. Möglicherweise beteiligt sich Washington zumindest indirekt an der Spekulation gegen den Euro. Solange der Euro im Fokus der Finanzmärkte steht, fällt die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte weniger auf die extrem verschuldete und damit gefährdete Dollarmacht USA

Falschdarstellung der Medien
Der von den deutschen Medien ständig erweckte Eindruck, dass bei einer gemeinsamen Euroanleihe die Zinsen für Deutschland unweigerlich steigen, ist falsch. Die europäische Schuldenagentur muss nur richtig ausgestaltet werden: Wenn ein EU-Land Kredite benötigt, werden von dieser Schuldenagentur Anleihen auf den Markt gebracht und die eingesammelten Gelder an dieses Land weiter gereicht. Wie die Zinsbelastung, die von der Schuldenagentur in Form von Zinszahlungen an die Anleger getragen wird, für diesen neuen Kredit der Anleger an die einzelnen Länder weiter gereicht wird, ist eine anderes Thema. Zuerst einmal führt die Gesamtschuldnerische Haftung dazu, dass die Zinsen für die Eurobonds deutlich niedriger ausfallen, als die Zinssätze, die derzeit Griechenland oder Portugal an den Märkten anbieten müssten.

Nimmt man nun an, dass die Märkte für einen exemplarischen Eurobond 3,9 Prozent Zinsen verlangen, so könnte zwischen den Finanzministern vereinbart werden, dass zum Beispiel Griechenland dafür an die Schuldenagentur 5,5 Prozent als Schuldzins zahlt und Deutschland wie auch Österreich nur 2,8 Prozent. Da die Wirtschaftskraft unterschiedlich ist, kann in diesem Beispiel nicht einfach ein Mittelwert zwischen finanzstarken und finanzschwachen Ländern gebildet werden.

Selbstverständlich muss wie schon erwähnt, diese gemeinsame Schuldenagentur von wirtschafts- und finanzpolitischen Reformen auf EU-Ebene begleitet werden. Dazu gehört unweigerlich ein unumgehbares Sanktionssystem für Länder, die in Zukunft verantwortungslose Verschuldungspolitik betreiben und sich weigern, in ihrem Land eine auf globaler Ebene kunkurrenzfähige Wirtschaftsstruktur zu schaffen. Übrigens wurde unter Kanzler Schröder, Finanzminister Hans Eichel und Außenminister Joschka Fischer im Verbund zwischen Deutschland und Frankreich der Stabilitätspakt zugrunde gerichtet. Möglicherweise war das eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung dafür, dass es überhaupt zur Finanz- und Wirtschaftskrise in dieser Form kommen konnte. Auch Griechenland und Portugal müssen zukünftig eine rentable Industrie- und Dienstleistungsstruktur aufweisen, damit nicht nur im öffentlichen Dienst hohe Löhne gezahlt werden können.

Alles andere führt – unabhängig von der Einführung von Eurobonds und dem kurzfristigen Spekulieren einiger Börsenakteure – unvermeidlich zum Verfall nicht nur des europäischen Wirtschaftskraft sondern auch des europäischen Sozialstaatsmodells. Die Schwächsten – nämlich die Bezieher von Sozialleistungen – würden am stärksten darunter leiden. In einer globalisierten Welt entscheidet nicht der innereuropäische Vergleich, sondern die Leistungskraft gegenüber den aufstrebenden Asiaten und später den Afrikanern. Damit sind auch ungeheure Exportchancen verbunden – besondern für den deutschen Maschinenbau und die Umwelttechnologie.

 

Marktwirtschaft oder Kapitalismus – zwei Paar Stiefel

Die Bankenkrise habe uns gelehrt, dass der Markt nicht alles von alleine regele. Doch diese Aussage erweist sich möglicherweise als völlig unsinnig, wenn man sich genauer überlegt, was unter Markt und damit unter Marktwirtschaft zu verstehen ist.

Definition von Marktwirtschaft
In idealtypischer Weise, haben alle Marktteilnehmer alle die gleichen und vollständigen Informationen und entscheiden dann mittels Angebot und Nachfrage über den jeweils aktuellen Marktpreis für eine Ware oder Dienstleistung.

Was ist Kapitalismus?
Wie war das nun mit den Subprimekrediten oder den Aktienkursen der inzwischen verstaatlichten Hypo Real Estate oder der Commerzbank wirklich? Hier wusste doch kaum ein Marktteilnehmer und schon gar nicht die Bankenaufsicht und die zahlreichen Politiker in den Aufsichtsräten der Landesbanken, welche riskanten verbrieften Immobilienkredite als Wertpapiere in den Bilanzen der Banken schlummern. Das Ausmaß, in dem die griechischen wie auch irischen oder portugisischen – vielleicht auch spanischen, Italienischen, französischen, usw. – Politiker Misswirtschaft und/oder Verschuldungspolitik betrieben, war und ist den Marktteilnehmern nicht bekannt.

Das führt erst einmal zu einem ewigen Weiter so bis die Blase der Staatsverschuldung, des Immobilienbooms oder der verbrieften wertlosen Immobilienkredite platzt und in einer Kettenreaktion die stark ineinander verflochtene globale Finanzwirtschaft in eine Rezession gestürzt wird. Mit allen Konsequenzen für die reale Produktionswirtschaft, die auf Kredite der Finanzkonzerne angewiesen ist.

Zurück zum Markt, der nur als solcher vorliegt, wenn absolute Transparenz für alle Marktteilnehmer vorliegt. Erst das Aushebeln der Marktmechanismen durch Intransparenz und Verschleierung bis Fälschung der wahren Bank- und Unternehmensbilanzen – siehe Enron – führt zu einer Krise. Vorher entstanden Intransparenz und Monopole bzw. Oligopole, unter deren Schutzmantel die Verbraucher und Kapitalanleger weit überhöhte Preise zahlen. Nachzulesen ist das bereits seit Jahrzehnten bei Schumpeters „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“.

Die Preisfunktion des marktwirtschaftlichen Geschehens ist damit außer Kraft gesetzt. Damit fehlt vielen potenziell innovativen Unternehmen der Anreiz, letztlich den Wohlstand vermehrenden Innovationsprozess unvermindert weiter zu treiben. Denn warum sollte ein Unternehmer in Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen investieren, wenn er geschützt von Monopolen oder Oligopolen bequemer und ohne Risiko vom Verbraucher hohe Preise und hohe Gewinne erziehlen kann?

Dies ist am Rande bemerkt auch der Grund warum die deutsche Photovoltaikwirtschaft ihren technologischen Vorsprung verloren und die Technologieführerschaft an die Chinesen abgegeben hat. Der deutsche Staat hat, von der rot-grünen Regierung initiiert, mit extrem überhöhten Subventionen den deutschen Solarfirmen den Anreiz genommen, ständig innovativere Photovoltaikzellen zu entwickeln. Denn mit durch Subventionierung staatlich garantierten Renditen von bis zu zehn Prozent mussten die Bürger weder auf den Preis noch die Technik der Photovoltaikanlagen achten. Der Gewinn war und ist noch sicher.

Definition von Kapitalismus
Dieses Beispiel zeigt, dass man schon genau hinsehen sollte, wo es sich noch um Marktwirtschaft oder bereits um Kapitalismus handelt. Denn Kapitalismus sollte in Abgrenzung zur Marktwirtschaft definiert werden, als „missratene“ Marktwirtschaft in folgendem Sinne: Das scheinbare Existieren eines Marktes, dem es jedoch an Transparenz fehlt und an dem die marktwirtschaftliche Preisfindung durch Angebot und Nachfrage von im Idealfall gleich gut informierten und allwissenden Marktteilnehmern empfindlich gestört ist. Ursachen hierfür können Oligopole, Monopole oder verzerrende staatliche Eingriffe sein.

Was ist Marktwirtschaft und wie kann der Staat ohne negative Nebenwirkungen regulierend eingreifend?
Umgekehrt könnte Marktwirtschaft definiert werden als Abwesenheit von kapitalistischen oder staatlichen Verzerrungen im marktwirtschaftlichen Preisbildungsprozess. Das weist auch schon darauf hin, wie der Staat im Sinne des Sozialstaatspostulats unseres Grundgesetzes eingreifen kann, ohne den wohlstandsmehrenden Marktmechanismus und Innovationsprozess zu stören.
Als Beispiel könnte man den Wohnungsmarkt heranziehen. Mal davon absehen, dass die einzelnen Städte die Möglichkeit oder sogar die Pflicht hätten, die Angebotsknappheit an Baugrund und Wohnungen in Metropolen wie München, Hamburg, Frankfurt zu verhindern, indem ausreichend Baugrund bzw. Baulücken zur Verfügung gestellt wird und in transparenten Ausschreibungen der kostengünstige Bau von Wohnungen durch private Bauunternehmen angestoßen wird. Arbeitslose oder Geringverdiener erhalten Wohngeld, mit dem sie sich dann Mietwohnungen leisten können, deren Mietpreise auf einem transparenten Wohungsmarkt kommen. So müsste dann nicht zusätzlich der Steuerzahler die überteuerten Mieten in Hamburg oder München für Hartz-IV-Bezieher subentionieren, um den meist gut betuchten Eigentümern aus den oberen Schichten der Bevölkerung erhöhte Mieteinnahmen zu garantieren.

Das Beispiel von Wohnungen hat den Vorteil, dass ein Bauingenieur zumindest für eine Standardwohnung anhand üblicher Preise für Baumaterialien und Maurerlöhne recht einfach berechnen kann, in welcher Spannweite der Preis für eine Wohnung liegen kann. Spekulanten am Wohnungsmarkt und Oligopolen kann so ohne große Schwierigkeiten der Nährboden entzogen werden – vorausgesetzt der kommunalpolitische Wille von Politikern wie Christian Ude in München und anderen wären dafür vorhanden. Doch Christian Ude zum Beispiel scheint das seit 17 Jahren nicht besonders als politisch erstrebenswert zu beachten. Insofern sind die Immobilienspekulanten in München nicht durch Marktwirtschaft, sondern durch Kapitalismus reich geworden, gestützt von mindestens untätigen Politikern.

Selbst wo politisch gewollt Innovationen angestoßen werden, sollte immer nur begrenzt für einen bestimmten Zeitraum durch automatische Verfallszeit eines Fördergesetzes und durch ein limitiertes Gesamtbudget, wie bei der Abwrackprämie, in maßvoller Weise der direkte Erwerb eines Produktes oder einer Dienstleistung staatlich bezuschusst werden. Dabei ist zu bedenken, ob man dann in Deutschland den Kauf von in Asien produzierten Elektroautos mit deutschen Steuergeldern fördern möchte. Im Rahmen von steuerbegünstigten Investitionen in Containerschiffe fördert Deutschland bereits südkoreanische Werftarbeiter seit Jahrzehnten mit deutschen Steuergeldern.

Der soziale Wohnungsbau hingegen wurde völlig intransparent mit Zuschüssen an private und staatliche Wohnungsbaufirmen gefördert, ohne dass man wusste, wohin  und an wen wieviel Geld genau fließt. Insofern wäre die sauberste Lösung, dass sich der Staat möglichst aus dem Wirtschaftsgeschehen raushält und den Bürgern ein ausreichendes Grundeinkommen sichert wie es Götz Werner beschreibt.

 

Europäische Staatsanleihe – Spekulanten das Wasser abgraben

Deutschland wehrt sich gegen eine europäische Staatsanleihe. Dagegen verlangt Eurogruppen-Chef Juncker eben ihre Einführung. Zusammen mit dem italienischen Finanzminister Giulio Tremonti regt Juncker die Bildung einer Europäischen Schuldenagentur an.

Richtig konzipiert wäre diese und eine europäische Staatsanleihe ein geeignetes Mittel im Kampf gegen Spekulanten vor allem aber auch im Kampf gegen die unseriöse Haushaltspolitik einiger Länder. Spekulanten hätten gegen das wirtschaftsstarke Europa als ganzes keine Chance. Insbesondere jedoch können die bisher verantwortungslos Schulden machenden Mitgliedsländer mit Hilfe einer europäischen Staatsanleihe wieder eine gesunde Wirtschaftsstruktur erreichen. Der Weg dorthin wird zwangsläufig schmerzhaft sein. Überhöhte Löhne im öffentlichen Dienst, verfrühte Renteneintrittsaltersgrenzen und ein fehlender Industriesektor, der im internationalen Wettbewerb – auch mit den Asiaten – wettbewerbsfähig sein kann, sind die wirklichen Krisenursachen; keineswegs Spekulanten. Diese haben die Struktur- und Finanzprobleme nur erkannt.

Eine europäische Staatsanleihe müsste so beschaffen sein, dass alle Länder Europas dafür haften. Jedoch muss die daraus resultierende Zinslast innerhalb der Europäischen Schuldenagentur so verteilt werden, dass die Sündenstaaten deutlich mehr Zinsen zahlen als die solide wirtschaftenden Länder. Das würde bedeuten, dass der Zinssatz für eine Europäische Staatsanleihe nicht gleichmäßig für alle gilt, sondern das die Sünder etwa 5 Prozent Schuldzins zahlen, die „Musterschüler“ nur etwa 2,7. Somit läge der Zinssatz für eine Staatsanleihe Europas bei etwa 3,9 Prozent. Angesichts der Niedrigzinsen auf dem Festzinsmarkt durchaus attraktiv – sofern es begleitend einen Stabilitätspakt mit schmerzhaften Sanktionen für zukünftige Sünder gibt. Daran hängt das Vertrauen der zukünftigen Anleihekäufer. Portugal müsste derzeit auf dem Markt mehr als 10 Prozent, Deutschland deutlich unter 3 Prozent Schuldzins zahlen.

Zudem ließe sich eine europäische Staatsanleihe nutzen, um große Infrastrukturprojekte wie Fernverbindungen im Eisenbahnverkehr zu finanzieren und um in Europa verstärkt in Bildung und Forschung statt in Kohle und Agrarindustrie zu investieren. Davon hätten die Arbeitslosen jetzt etwas, da viele Bauprojekte entstünden, und die nächsten Generationen, weil diese besser qualifiziert für die Zukunft gerüstet wären und eine gut ausgebaute Infrastruktur vorfinden würden.