Pharma-lobbyistische Märchen

Mit der Einführung eines Zusatzbeitrages bei einigen gesetzlichen Krankenkassen beginnt wieder einmal die Pseudodiskussion über die Verteilung der angeblich unweigerlich steigenden Kosten eines modernen Gesundheitssystems. Es ist schon erstaunlich, dass wir trotz ständig sinkender Preise in anderen Bereichen, zum Beispiel bei immer besser ausgestatteten Laptops, glauben, moderne Medikamente müssten immer teurer werden. Dabei werden die meisten Krankheiten mit schon lange entwickelten Medikamenten behandelt. Generika, das heißt identische Wirkstoffe mit ähnlicher Zusammensetzung im Endprodukt nach Verfall eines Patents, ermöglichen Kostenersparungen. Das gleiche gilt für minimalinvasive Operationstechniken. Ebenso führt modernes Krankenhausmanagement wie zum Beispiel in Berlin dazu, dass Kliniken plötzlich bei besserer Patientenversorgung Gewinne machen, während sie vorher jahrelang hohe Verluste einfuhren. Die konsequente Nutzung der bald eingeführten Gesundheitskarte kann die teure Doppelbehandlungen in Arztpraxen vermeiden. Auch das viel zu häufige Röntgen könnte damit ein Ende haben.

Ebenso führt das Argument in die Irre, dass eine längere Lebenserwartung zu steigenden Kosten im Gesundheitswesen führen müsse. Im Gegenteil sind die Menschen länger gesund und könnten bei den Erkenntnissen moderner Ernährungswissenschaften und mit sportlichen Aktivitäten „gesund an einem Herzinfarkt“ sterben, ohne an einer Zivilisationskrankheit wie Zuckerkrankheit oder Erkrankungen auf Grund von Übergewicht lange und kostenintensiv behandelt zu werden. Gesundheitsexperten stellen zumindest fest, dass die höchsten Kosten durchschnittlich den letzten Lebensjahren anfallen. Ob diese Phase wie früher mit 70 oder inzwischen eher mit 80 oder gar 85 beginnt, macht für das Gesundheitssystem im Unterschied zum Rentensystem keinen Unterschied.

Bedauerlicherweise verkünden Medien und Politiker in den Medien ständig munter das Märchen von den angeblich zwangsläufig steigenden Gesundheitskosten. Es wäre endlich an der Zeit, dass Journalisten, unabhängige Wissenschaftler und Politiker diese wohl von den Pharmakonzernen und Ärzteverbänden systematisch gestützten Thesen in der Öffentlichkeit ernsthaft hinterfragen.