Private Krankenversicherung vor Offenbarungseid

Kaum ein anderes Land der EU – außer Deutschland – hat es zugelassen, die Krankenversichertengesellschaft in zwei Klassen zu teilen. Seit den 80er Jahren haben viele Besserverdiener und Freiberufler die Fluchtchance aus der gesetzlichen Krankenversicherung genutzt. Damit konnten sie Jahrzehnte viel Geld bei der monatlichen Beitragszahlung sparen. Nun schwingt das Pendel zurück. In diesen Tagen warnt die PKV die Regierung: „Wir können unsere Versicherten nicht immer wieder aufs Neue mit heftigen Beitragserhöhungen belasten“, sagte der Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), Volker Leienbach, der „Berliner Zeitung„. Die Privatversicherung hätte in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt Kostensteigerungen zwischen sechs und sieben Prozent pro Jahr verkraften müssen. Damit ist wohl das Märchen von der effektiven und billigeren aber leistungsstärkeren PKV geplatzt.

Doch auch bei den gesetzlichen Krankenversicherungen sollte nach ersten Forderungen der CDU die Ein-Prozent- Klausel aufgehoben werden, damit durch mehr Zuzahlungen der Patienten die Krankenkassen entlastet werden.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) wehrt sich dagegen:
Ich bin den Menschen verpflichtet, nicht den Kassen. Wir reden von 70 Millionen gesetzlich Versicherten. Für die müssen wir ein vernünftiges, faires System hinbekommen. Daher ist es falsch, die Zusatzbeiträge ohne Sozialausgleich zu erhöhen. Die Ein-Prozent- Klausel wird bleiben.

Allerdings fehlen Rösler wie wohl allen anderen Politikern nachhaltige Reformkonzepte für das Gesundheitswesen. Dabei ist es nicht besonders schwer vom üblichen menschlichen Verhalten abgeleitete sinnvolle Rahmenbedingungen zu setzen:

1. Wie vor dem Gesetz sind auch vor dem Arzt alle Menschen gleich. Jeder wird so schnell wie möglich geheilt – unabhängig vom aktuellen Einkommen.

2. Wer nicht hören will, muss fühlen. Menschen, die sich und alle anderen Beitrags- und Steuerzahler z.B. durch Rauchen, Fehlernährung, Übergewicht und Zuckerkrankheit gesundheitlich oder finanziell schädigen, müssen Behandlungskosten zu einem hohen Teil selbst tragen. Bis hin zum Einbehalt eines Teils des Erbes nach dem Tod.

3. Für jede erhaltene Gesundheitsleistung muss jeder Bürger einen Zusatzbeitrag dazuzahlen (mind. 30 Euro und einen Prozentbetrag zwischen 10 und 20 Prozent, eventuell nach Einkommen gestaffelt.) Maximal zwei Prozent des Jahreseinkommens. Diese Grenze wird im Dreijahresryhtmus auf 4 Prozent erhöht, um den Anreiz gesund zu leben zu erhöhen.

4. Je nach Einkommen fällt ein monatlicher Pauschalbeitrag für die Versicherung an – je nach Einkommen in drei Stufen. Mittellose werden aus dem Steuerzahlertopf bezuschusst. Die private PKV-Unternehmen werden schrittweise aufgelöst bzw. müssen sich künftig als gesetzliche Versicherer auf dem Markt bewähren.

5. Patienten erhalten das Recht, die Abrechnungen zwischen Arzt und Krankenkassen in ihrem Online-Konto passwortgeschützt einzusehen. Bisher bietet das als eine der wenigen, wenn nicht einzige gesetzliche Krankenversicherung, die BKK Pfalz an. Diese Transparenz wird zu weiteren Einsparungen führen.

6. Begleitend zur Onlineabrechnung wird im Internet ein großes staatliches Portal als Informationssystem zu den Krankheiten und Behandlungsmethoden angeboten, die der Arzt in der Abrechnung erwähnt.