Das Märchen vom Rentenversicherungsgesetz

Mit dem Rentensicherungsgesetz hat die Große Koalition versucht, den Rentnern vorzugaukeln, dass die Renten sicher wären und nicht fallen könnten. Dabei wurde häufig übergangen, dass eine normalerweise fällige Absenkung der Rente verrechnet wird mit den Steigerungen in den folgenden Jahren, die dann geringer ausfallen werden. D.h. die enge Koppelung der Renten an die Lohnentwicklung wurde nur vorübergehend aufgelöst oder flexibilisiert.

Die Rente kann jenseits von Steigerungen der Rentenzahlungen durch Politiker bequem durch Inflation auf Grund von erhöhter Verschuldungs und damit Geldentwertungspolitik der öffentlichen Haushalte fast unbemerkt über den damit verbundenen Kaufkraftverlust gesenkt werden.

Weitere „elegante“ Möglichkeiten durch die Hintertür die Rentner zu belasten, sind Zuzahlungen zu Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung oder eine stärkere Besteuerung der Renteneinkommen mittels einer Absenkung der Steuerfreibeträge für Rentner. Warum soll ein Rentnerhaushalt pro Kopf ein doppelt so hohes Einkommen erhalten wie eine junge vier- oder fünfköpfige Familie. Dabei ist noch zu bedenken, dass auf die Familie noch die Ausgaben für die Ausbildung der Kinder oder die Tilgung eines Hypothekenkredits für die Wohnung oder das Haus hinzukommen.

Die Macht der Rentner als große Wählerschar wird nicht verhindern, dass die jüngere Generation entlastet werden muss. Denn bereits jetzt fliehen gut ausgebildete Leute ins Ausland, wo sie weniger stark finanziell ausgesaugt werden ohne ausreichend Unterstützung für die Betreuung ihrer Kinder angeboten zu bekommen.

Im wesentlichen gilt es, einen entscheidenden Systemfehler des derzeitigen Rentensystems zu korrigieren. Wie im 19. Jahrhundert beruht das gesetzliche Rentenversicherung noch heute allein auf dem Faktor Arbeit. Einnahmen aus Mieterträgen wie auch aus sonstigen Kapitalerträgen müssen nicht in die Basis für die Rentenbeitragszahlung mit einberechnet werden. Doch entscheidender wäre es endlich auf der Einnahmensseite der Rentenkasse nicht nur den Faktor Arbeit, sondern auch das Kapital als Einkommensquelle mit zu erschließen.

Schlicht und ergreifend muss berücksichtigt werden, dass seit Jahrzehnten das Gesamteinkommen sich verschiebt vom Arbeitseinkommen weg und hin zu einem größeren Anteil des Einkommens aus Kapital, z.B. Dividenden aus Aktien und Kurssteigerungen. Es ist somit notwendig, einen Kapitalstock zu bilden, aus dessen Erträgen die zukünftigen Renten gezahlt werden.

Ob das jeder Bürger privat für sich macht oder ein Staatsfonds inner- oder außerhalb der Rentenkasse dazu gebildet wird – genährt aus Steuergeldern der Bürger, ist erst einmal nebensächlich. Aber solange diese Verschiebung vom Arbeitseinkommen zu Kapitaleinkommen (1000 Autos z.B. werden mit mehr Maschineneinsatz und mit immer weniger Arbeitskräften produziert) noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen ist, wird das ein schwieriges Unterfangen.

Journalismus in 10 Jahren

Wie kann oder sollte Journalismus in zehn Jahren aussehen? Noch gibt es fast 200 Redaktionsmannschaften, die einen eigenen Mantel, den nicht-lokalen Teil einer Zeitung, für eines oder mehrere Blätter eines regionalen oder überregionalen Verlags in Deutschland produzieren und letztlich mit Gewinn verkaufen müssen. Das wenigste wird dabei selbst noch recherchiert. Etwa 70 Prozent manchmal auch 100 Prozent des Zeitungsinhaltes besteht aus Agenturmeldungen, vor allem von der dpa.

Hat diese Art von Journalismus noch eine Chance?
Im Zeitalter des Internets bekommt man Agenturmeldungen auch ohne Redaktionsteams direkt im Internet z.B. auf welt.de oder sueddeutsche.de angeboten, was dpa-Meldungen anbetrifft. AFP-Agenturmeldungen findet der rationale Leser auf yahoo.de in der Nachrichtenrubrik.

Während Heerscharen von Medienmachern mit der Verwurstung von Agenturmeldungen beschäftigt sind, tauchen in deutschen Medien kaum fundierte Meldungen aus unseren Nachbarländern wie Frankreich und Polen auf. Zumindest Kenner der Länder können nur über die Berichterstattung auch großer überregionaler Zeitungen zu diesen Ländern lachen. Doch von nichts kommt eben nichts. Anstatt dutzende von Redaktionen damit zu beschäftigen, die immer gleichen Agenturmeldungen nur geringfügig verändert für die Leser zu verpacken, sollte man die Mantelproduktion stärker konzentrieren.

Der Leser ist nicht so dumm, für wie ihn mancher Verlag hält. Ewig widergekäutes, wenig Originelles erkennt er intuitiv. Das Fehlen wichtiger gesellschaftlicher Entwicklung z.B. das Grundeinkommen für alle ode die Bagatellisierung von Problemen wie Lobbyeinflüssen – um nur zwei kritische Punkte anzusprechen – hat sich in der Bevölkerung schon längst rumgesprochen oder hat sich als common sense unberbewust in als mulmiges Gefühl breit gemacht. Nur in den gemütlichen Redaktionsstuben scheint das noch nicht angekommen zu sein.

Den Grips und die Arbeitszeit der Journalisten könnten die Verlage statt in die Agentur-Verwertungsmaschine in mehr eigenrecherchierte Themen investieren und vorher endlich in die Weiterbildung etablierter Journalisten, für die Blogs und Feed-Reader häufig noch Fremdwörter sind. Zumindest fehlt vielen von ihnen der Umgang mit neuen technischen Entwicklungen.

Unter-30-Jährige werden kaum mehr von den althergebrachten Zeitungen angesprochen und erreicht. Sobald kleine handliche und faltbare Elektronische Lesegeräte als Elektropapier auf dem Markt etabliert sind, könnte es für einige Papierprodukte sehr schwierig werden, im medialen Überlebenskampf zu bestehen. Dazu und für andere elektronische Medienangebote in Text, Ton und Bewegtbild müssen zukünftig ständig mehr Journalisten zuarbeiten. Es gibt also etwas zu lernen für Journalisten, die nicht auf der Strecke bleiben wollen und sich ihre Neugier und Kreativität bewahrt haben.

Für die Medien als vierte Gewalt mit ihren Auftrag, das „Sturmgeschütz der Demokratie“ zu verkörpern, diese zu schützen und zu bewahren, ist es letztlich nicht relevant, in welcher Form die nachrichtlichen Inhalte, Reportagen und Interviews den Empfänger erreichen. Daher wird es wie in allen Bereichen auch im Journalismus auf eine stärkere Arbeitsteilung hinauslaufen.

Im Extremfall spezialisieren sich Journalisten in die Gebiete Themenfinder, Rechercheexperten mit reinem Festhalten der recherchierten Inhalte in Ton, Bild oder Text und in die Endverwerter je nach Verbreitungsform – Zeitung, Radio, Fernsehen, Internet. Über den Gesamtprozess „wachen“ die redaktionell tätigen Journalisten.

Das findet alles nicht mehr aussschließlich im Verlagshaus statt, sondern existiert zunehmend als Netzwerk von wenigen Festangestellten, festen Freien und den selbständig Freien, die ihre Themen den verschiedenen Produktionsnetzwerken anbieten oder Bestellungen der Netzwerke annehmen.

Spezialisierung bedeutet hier nicht, dass ein Journalist nur in einem eng abgegrenzten Bereich tätig sein wird. Er kann je nach Ehrgeiz und Weiterbildungsbegeisterung in verschiedenen Bereichen aktiv werden, allerdings immer nur bei ausreichend hoher Qualität seiner Arbeitsergebnisse. Den Hans-Dampf in allen Gassen wird es auf Grund der technischen Komplexität nicht häufig geben.

Für die Gesellschaft ist es entscheidend, dass auch in Zukunft Journalisten den Antrieb zum investigativen Arbeiten in sich tragen und dass sie nicht den Politikern mit ihren Medienprofis im Hintergrund unhinterfragt die Themen vorgeben lassen.

Der Renditegier begleitet von radikalen Sparmaßnahmen zur bloßen Pseudo-Nachrichtenproduktion zwischen dem Anzeigengeschäft der Verlage gehört sicher nicht die Zukunft. Hier dürfen sich die Medienmanager an den vielen mittelständischen Familienfirmen orientieren, die Weltmarktführer im jeweiligen Bereich sind: Nur Qualität und Innovation wird langfristig von den Medienkonsumenten aktzeptiert und bringt dann auch gute Renditen. Phantasielose Rationalisierer unter den Verlagen werden untergehen oder von größeren und vor allem besseren geschluckt werden – vielleicht ist das dann ein Glücksfall für die Demokratie.