Hans-Ulrich Wehlers Missverständnis von Markt und Marktmechanismen

Hans-Ulrich Wehler (Wikipedia) erzählte im Deutschlandfunk wie böse der Neoliberalismus sei. Reagan und Thatcher hätten einen bösen Marktradikalismus befördert, seit den 80er Jahren wäre in vielen Universitätsseminaren dieser Marktradikalismus gepredigt worden.

Offenbar hat Wehler kein tieferes Verständnis von Markt und Marktmechanismen. Ansonsten würde er nicht behaupten, der „neoliberale“ Markt als solcher wäre immer unreguliert. Damit rüttelt er am Glauben, dass Fairness tatsächlich durch den Markt hergestellt wird. Oder will er Positionen und wirtschaftlichen Wohlstand durch Beamte verteilen lassen oder allein durch persönliche Netzwerke? Oder durch Politiker? Was kann mehr Gerechtigkeit bieten als Marktmechanismen, die ohne Rücksicht auf Beziehungen, Familienvermögen, Ansehen und Namen wirken, sondern vor allem auf Leistung, Innovation und Kreativität beruhen?

Dass derzeit in Deutschland wie in vielen anderen Ländern Eliten oftmals nicht durch Marktmechanismen rekrutiert werden, spricht nicht gegen den Markt, sondern gegen unser (kommunal-)politisches Beziehungsgeflecht und gegen den Einfluss von Parteien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und auf staatliche Einrichtungen und kommunale Wirtschaftsunternehmen und Unternehmensbeteiligung.

Hört man Wehler sprechen, so glaubt man zum Teil einen versteckt wahlkämpferischen Sozialdemokraten vor sich zu haben.

Was wäre nun das „richtige“ Marktverständnis?
Markt ist richtig verstanden und idealtypisch der abstrakte Platz, auf dem völlige Transparenz und gleiches Wissen aller Marktteilnehmer über Angebot und Nachfrage herrscht. Das erfordert jedoch – und hier liegt das Missverständnis vieler Intellektueller und auch Wehlers vor – einen Staatseingriff, wie er de facto in allen Ländern praktiziert wird. Nur dann  herrscht Transparenz für die Verbraucher oder allgemeiner Nachfrager nach Produkten und Dienstleistungen. Leider wird die für jeden fairen Markt notwendige staatliche Regulierung (Kartellbehörden) oft von Lobbyisten beeinflusst, die trotz ihrer Rhetorik von Markt nichts wissen wollen. Denn die Gewinnmaximierung in vielen Wirtschaftsbereichen beruht eben nicht auf fairem Marktgeschehen, sondern auf der Errichtung von Zugangshürden für Konkurrenten.

Anstellen von Intellektuellen und Professoren, die wie Wehler gegen den Markt polemisieren, ohne sich im Klaren zu sein, was Marktmechanismen tatsächlich sind, brauchen wir kompetente Verfechter für einen fairen Markt zugunsten aller Bürger in allen gesellschaftlichen Bereichen. Oder kurz: statt einfachster sozialistisch-sozialdemokratischer Propaganda einfach fundiertes Wissen über marktwirtschaftliche Zusammenhänge und Funktionen.

Hans-Ulrich Wehler bei Perlentaucher