Kreditkrise ist schon lange vorüber

Die Kreditkrise ist schon lange überwunden, was die fundamentalen Vorgänge anbetrifft. Aktuell erleben wir nur die Nachwehen, in Form einer noch fortbestehenden Vertrauenskrise in die Finanzkraft einiger Banken. Allein Basel II macht eine Wiederholung einer solchen Krise mit seinen Bestimmungen für die Vergabe von Krediten für die Zukunft unmöglich. Leider wird das in den Medien meist nicht deutlich vermittelt.

Ein Beispiel ist der Kommentar von Martin Hesse in der Süddeutschen Zeitung vom Osterwochenende. Der Kommentator widerspricht sich selbst und schreibt an den Grundzügen der Kreditkrise vorbei. Der Markt habe angeblich versagt, obwohl Martin Hesse selbst erwähnt, dass es keine Transparenz und faire Preisbildung bei den großen Kredittransaktionen gab. Er geht auch nicht näher darauf ein, dass es schlicht und ergreifend auch betrügerische Handlungen und unfähige Aufsichtsräte (vor allem bei staatlichen Banken) waren, die zur Krise führten. Gerade hier staatliche Eingriffe zu fordern, klingt dann doch etwas lächerlich. Unter anderem schlägt er vor, Banken zu zwingen vergebene Kredite zum Teil zu behalten. Ein Erfolg dieser Maßnahme wäre zweifelhaft. Zum einen würden Banken dann an manche Klienten aus übergroßer Vorsicht gar keinen Kredit vergeben – ein durchaus größerer volkswirtschaftlicher oder auch sozialer Schaden, oder sie die Maßnahme greift nicht, wenn der zu behaltende Teil eines Kredits zu klein wäre.

Wie viele seiner Kollegen kann offenbar auch Hesse nicht beziffern, wie hoch der Kreditausfall prozentual überhaupt ist oder wie stark denn die Immobilienpreise in den USA tatsächlich gefallen sind. Man müsste überhaupt erst einmal überlegen, ob nicht die meisten der Subprim-Kredite vor vielen Jahre bei noch niedrigeren Häuserpreisen vergeben wurden, bzw. ob die notwendige Sicherungshöhe der Immobilien in wenigen Jahren wieder deutlich überschritten wird. Dann bräuchten jetzt nur finanzkräftige Banken oder ein Staatsfonds die Kredite mit den dahinterstehenden Immobilien übernehmen, bis die Eigentümer entweder die Immobilienkredite mit Zins und Tilgung zurückzahlen oder der Erlös aus einer Zwangsversteigerung den Kreditbetrag einbringt. Seit eh und je bestand für jeden Häuslebauer, der einen Kredit aufnahm, das Risiko von Arbeitslosigkeit und damit einer Zwangsversteigerung. Danach müssten sich die Betroffenen lediglich wie vorher auch eine Mietwohnung nehmen; so wie viele ihrer Mitbürger das auch tun.

Das sollten Politiker, die leider mit unsinnigen Kommentaren und Vorschlägen ihren Teil zur Fortführung der Vertrauenskrise beitragen, einfach mal nüchtern in aller Öffentlichkeit sagen und vorher zur Kenntnis nehmen. Vor allem bräuchten sie nur endlich ihren Pflichten bei der Aufsichtsratsgesetzgebung und der Bankenaufsicht in Deutschland nachkommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.