IT-Hokuspokus, Societe General und Managerversagen

Fünf Milliarden Euro soll ein einzelner MItarbeiter verzockt haben – mit Futures auf den Dax, mit Wetten auf steigende Dax-Kurse. Das zumindest scheinen die Manager der Societe General der Staatsanwaltschaft und der Öffentlichkeit erfolgreich vorzuspielen. Die Risikokontrolle der Bank wäre grundsätzlich ausreichend.

Das Fachwissen des Betrügers über das IT-System der Bank hätten dazu ausgereicht. Selbst wenn das so gewesen wäre, soll es bereits letzten Sonntag Warnhinweise der Eurex, an der die Termingeschäfte abgeschlossen wurden, gegeben haben.

Die fünf Milliarden sollen also spurlos verschwinden können. Vor allem müssen sie irgendwoher, sprich von einem Konto gekommen sein. Mit IT-Hokuspokus kann man nicht erklären, warum niemanden sonst auffällt, wenn fünf Milliarden Eure an einer Stelle weggenommen werden und an einer anderen Stelle investiert werden.

Warum wurden die hochspekulativen Kontrakte ausgerechnet noch dazu im denkbar ungeeignetsten Moment, in den Tagen des Kurseinbruches, verkauft? Jeder Privatanleger kann mit einer entsprechenden Software bei Brokern in die Orderbücher der Börsen sehen, bevor er seine Gebote abgibt; also den schlimmsten Verkaufszeitpunkt vermeiden. Derartige hohe Summen ausgerechnet am letzten Montag auf den Markt zu werfen, als der Dax einen Einbruch erlebte, ist verantwortungslos. Zum einen wurde unter Umständen gerade dadurch der Abwärtssog des gesamten Marktes noch verstärkt. Zum anderen werden so die eigenen Verluste – Pardon, die der Aktionäre und der Steuerzahler, die das manchmal ausbügeln müssen –  vergrößert.

Wenn nun nicht einige Herren aus dem Vorstand ihren Hut nehmen müssen, zeigt das wiederholt, woran es nicht nur in Deutschland, sondern ganz Europa mangelt. Die Verantwortlichkeiten für Managementdesaster werden nicht der obersten Managementeben zugeordnet. Im Gegenteil gibt es dort im Falle eines Abschieds, der selten vollzogen wird, noch einen goldenen Handschlag mit millionenschweren Abfindungen.

Der Aufsichtsrat solcher Managernieten setzt sich meist aus ehemaligen Weggefährten oder sonstigen guten Bekannten, oder guten Bekannten von noch besseren Bekannten zusammen. Auch im obersten Kontrollgremium ist nicht die geringst finanzielle Konsequenz für Verfehlungen des Managements, die es nicht aufgedeckt oder durch Kontrolle nicht verhindert hat, zu befürchten.

Zahlen dürfen immer die Aktionäre, die an der miserablen Unternehmensführung oder Aufsicht finanziellen Schaden nehmen. Zu allerletzt steht dann noch wie bei der WestLB der Steuerzahler mit Bürgschaften oder direkten Finanzspritzen zur Stelle. Und die Politiker drücken sich munter weiter um eine dringend notwendige Reform der Aufsichtsratsgesetze herum.

Hier einige Spekulationen aus den Medien zu diesem Fall:

Der Millardenbetrug – Handelszeitung

Im Spiegel

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