Korruption als Geisel der gesamten Gesellschaft Polens

Im polnischen Stettin mangelt es derzeit an Polizisten. Grund hierfür sind Untersuchungen hinsichtlich möglicher Korruptionsvergehen. In Polizeikreisen Stettins war es ersten Ermittlungen nach üblich, dass Polizisten Autofahrer gegen Bargeldzahlungen oder Geschenke trotz ungültiger Haftpflichtversicherung oder nicht vorhandener Fahrzeug- bzw. TÜV-Papiere unbehelligt laufen ließen. Auch Geschwindigkeitsüberschreitungen und sogar Unfälle konnten so vertuscht werden. Inzwischen werden Sicherheitskräfte des Militärs als vorübergehende Stellvertreter der suspendierten Polizisten eingesetzt. Neben 20 Polizisten wird gegen weitere 16 Personen ermittelt.

Korruption schon fast akzeptiert
Wundern werden sich die Bürger in Polen nicht darüber. Korruption gibt es auch in anderen Bereichen der Gesellschaft. Im Gesundheitssystem ist es schon allgemeiner Usus, Ärzten zusätzlich zu den Zahlungen in die gesetzliche Krankenversicherung den einen oder anderen Geldschein zuzustecken. Andernfalls hätte beispielsweise eine schwangere Frau im Krankenhaus mangelnde Versorgung für sich oder ihr Kind zu befürchten. Seit vielen Jahren wurden die notwendigen Gesundheitsreformen aufgeschoben. Ärzte müssen aufgrund niedrigster Gehälter zum Teil mehrere Arbeitsverhltnisse gleichzeitig eingehen.

Gesellschaftsvertrag als Politikersatz
Den Menschen ist die Lage ihrer Ärzteschaft bewusst. Bereitwillig lassen sie sich auf diesen Schwarzmarkt für medizinische Leistungen ein – wenn es ihre finanzielle Lage erlaubt. In gewisser Weise kann hierbei von einem Gesellschaftsvertrag jenseits der Politik gesprochen werden, die bisher vollkommen bei der Lösung dieses Problems versagte. Wem das Geld  für diese Art von „Privater Krankenversicherung“ mangels ausreichenden Einkommens fehlt, hilft nur noch Beten in einer der zahlreichen polnischen Kirchen.

Neben Reformen im Gesundheitssystem sollte Tusk sein Versprechen war machen, so wie sein Vorgänger Jaroslaw Kaczynski konsequent gegen Korruption als Geisel der Gesellschaft vorzugehen – wenn auch vielleicht mit etwas zivilieren Mitteln. Wenn auf Polens Straßen an Allerheiligen und anderen Feiertagen regelmäßig innerhalb kürzester Zeit dutzende von Menschen infolge von Unfällen – wohl auch wegen veralteter und verkehrsuntüchtiger Fahrzeuge – ums Leben kommen, besteht Handlungsbedarf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.