Dümmlicher Wirtschaftsjournalismus, Kreditkrise und Hedgefonds

Einige Journalisten überschlagen sich wieder mit Geschreibsel von einer Kreditkrise. Was das Wort Krise wirklich bedeutet, scheint kaum jemandem dieser Schreiberlinge klar zu sein. Weder in den Finanzmärkten noch anderswo gibt es „eine über einen gewissen (längeren) Zeitraum anhaltende massive Störung des gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Systems.“ Die Kreditgeschäfte werden wie üblich weiter betrieben. Allenfalls wird auf den Zins ein Risikozuschlag erhoben oder nicht jeder luftigen Geschäftsidee ein positiver Kreditbescheid erteilt. Dennoch titelt z.B. die FTD: „Citigroup löst Finanzbeben aus„. Oder Reuters: „Citigroup schockiert mit neuer Milliarden abschreibung.“

Dummes Zeug aus Wirtschaftsredaktionen

Glauben diese Journalisten dieses dumme Zeug, dass sie von sich geben auch noch? Allenfalls spärlich und im Text versteckt werden in einigen Artikeln Zahlen genannt, mit denen die Abschreibungen von ca. 17,5 Mrd. US-Dollar stark relativiert werden müssten. So weist die Citigroup eine Bilanzsumme von sage und schreibe 2350 Milliarden US-Dollar auf. Was können die 17,5 Mrd. Dollar Abschreibungen anderes sein als Peanuts? Panikmache dient vielleicht der Auflagensteigerungen mancher Presseerzeugnisse, nicht aber einer Versorgung der Leser mit sachlichen Informationen. Dennoch rutscht die Citigroup nicht einmal im problematischen dritten Quartal – nicht in einem Bilanzjahr – ins Minus. Nein, der Gewinn dieses Quartals – nur in drei von zwölf Monaten eines Jahres – liegt bei 2,21 Mrd. Dollar „statt der bisher kommunizierten 2,38 Mrd. Dollar“. Welch eine Katastrophe!

Die Deutsche Bank musste ebenfalls einen Milliardenbetrag abschreiben. Trotzdem weist sie immer noch eine fabelhafte Eigenkapitalrendite von deutlich über 25 Prozent auf. Natürlich haben unsere Märchenerzähler aus den Wirtschaftsredaktionen hier ebenfalls von Katastrophenszenarien geschrieben.

Panikjournalismus und die Folgen

Die Auswirkungen dieses Panikjournalismus auf die Wirtschaftslage könnten stärker sein als die Abschreibungen selbst. Bekanntlich besteht mehr als die Hälfte der Börse und der Wirtschaft aus Psychologie. Und genau diese Psychologie der Verbraucher, potentiellen Investoren und aller übrigen Marktteilnehmer bestimmt die Berichterstattung der Wirtschaftsredaktionen zu einem nicht unerheblichen Teil mit. Insofern wird hier wieder einmal die Macht der Medien auf die Meinungsbildung der Bürger deutlich. An dieser Stelle der Einfluss auf die Bildung völlig irrationaler Befürchtungen und Ängste. Journalistische Verantwortung sieht anders aus.

Noch gefährlicher wird es, wenn aufgrund solcher Berichterstattung in der Regierung Politikergebnisse beeinflusst werden. Auch schon die primitiven Äußerungen Münteferings zu den Heuschrecken sind geeignet, Schaden anzurichten. Sogar wenn daraus keine Gesetzesänderungen erfolgen, entsteht Schaden, da dadurch die Tatsache verborgen wird, dass angelsächsische und andere Investoren mit ihrem Risikokapital deutlich mehr Arbeitsplätze schafften als sie abgebaut haben. Wo deutsche Banken keine Kredite mehr geben, sondern die Betriebe – meist durch deren Managementfehler – vor die Hunde gehen lassen würden, können oft nur noch die verschmähten „Heuschrecken“ das nötige Risikokapital zuschießen, eine riskante Umstrukturierung der maroden Betriebe wagen und dabei wenigstens noch einen Teil der Arbeitsplätze retten. In zahlreichen Medienerzeugnissen wird zu diesen Themen so manche dümmliche Aussage von Politikern unreflektiert nicht weniger dümmlich ausgebreitet und beschrieben.

Investitionen schaffen immer neue Arbeitsplätze

Politiker hingegen schaffen selbst nur wenige Arbeitsplätze; sie nutzen gerne Studenten als kostenlose Praktikanten (aus). Stattdessen sondern sie regelmäßig unsinnigen Wortschwall von sich ab. Wird den Wagniskapitalgebern dabei von Politikern durch unsinnige Regelungen das Leben schwer gemacht, entgeht Deutschland und den Arbeitslosen bzw. von Arbeitslosigkeit Gefährdeten dieses wichtige Kapital für Investitionen und Umstrukturierungen, die immer auch neue Arbeit schaffen. Schlechterdings ist keine wirtschaftliche Aktivität ohne Menschen, nur mit Maschinen und Software, denkbar. Immer wird die Arbeitsleistung von Experten nötig sein. Früher oder später liegt der Saldo aus abgebauten und neu entstandenen Arbeitsplätzen im positiven Bereich – falls Politiker nicht mit den von ihnen gesetzten Rahmenbedinungen ihren Bürgern wirtschaftliche Aktivitäten noch weiter erschweren.

Wer noch für Zeitungsabos derartiger Presseorgane Geld bezahlt, sollte mal über eine Kündigung nachdenken. Die Zeitungsverlage dürfen sich nicht wundern, wenn der deutsche Michel doch langsam bemerkt, wie er von einigen hochbezahlten Journalisten „nach Strich und Faden verarscht wird.“ Mit einem solchen journalistischen Niveau haben die Verleger zurecht Angst um ihre Zukunft.

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