Ex-Innenminister Kaczmarek in Warschau verhaftet

Völlig überraschend wurde der entlassene Innenminister Kaczmarek heute morgens in der Wohnung eines Regisseurs festgenommen. Ebenfalls nahmen die Ermittlungsbeamten den ehemaligen polnischen Polizeipräsidenten, Konrad Kornatowski, sowie den Chef der staatlichen Versicherung PZU, Jaromir Netzel fest. Der Verhaftung entging zudem Marzec, Ex-Leiter einer früheren Sicherheitsbehörde, da er sich derzeit im Ausland aufhält.

Noch heute würde die Staatsanwaltschaft Kaczmarek und Kornatowski wegen des Verrats von Strafermittlungsgeheimnissen anklagen. Der PZU-Chef soll bei Gesprächen über die Ermittlungsschritte bei einem Essen zugegen gewesen sein. Die Strafermittlungen beziehen sich auf den früheren Landwirtschaftsminister Andrzej Lepper, der angeblich  zusammen mit seinen Mitarbeitern Bestechungsgelder in Millionenhöhe für die Umwandlung landwirtschaftlicher Fläche in Bauland annehmen wollte.

Pawel Gras und andere Oppositionsabgeordnete beschuldigten die Regierung, mit den Verhaftungen einen Tag vor der geplanten Vernehmung vor der speziellen Parlamentskommission, den Beschuldigten sozusagen die „Lippen zu schließen“. Nach Meinung Gras würde die Regierung versuchen, dem Parlament seine Kontrollrechte vorzuenthalten, indem sie über eine gesteuerte Staatsanwaltschaft das Erscheinen der Betroffenen vor dem Parlamentskommission verhindere. Gras und andere Oppostionsabgeordnete fordern daher den Parlamentspräsidenten Dorn (PiS) auf, die Vernehmung der Verhafteten am morgigen Freitag doch noch zu ermöglichen, auch wenn die Staatsanwaltschaft anderweitige Befragungen innerhalb eines bereits eingeleiteten Ermittlungsverfahrens unterbinden darf.

Bis zum Nachmittag wurde bekannt, dass der Sicherheitsdienst ABW auch den Multimillionär (2,5 Milliarden zl, etwa 655 Mio. Euro Eigentum) Ryszard Krauze verhaften wollte, aber um 15.00 Uhr mit seinen Fahrzeugen vom Wohnsitz des Unternehmers wieder abfuhr. Ob Krauze sich im In- oder Ausland befindet ist nicht bekannt. Im gehört unter anderem ein Ölfeld in Kasachstan und eine börsennotierte Softwarefirma. Seine drei an der Börse notierten Firmen verloren heute bis 14.30 Uhr 29, 15 und 9 Prozent des Wertes. Krauze soll sich im Marriot Hotel in Warschau am 5. Juli mit Innenminister Kaczmarek und dem Samoobrona-Abgeordneten Lecz Woszczerowicz getroffen haben; einen Tag bevor der Nachweis der Bestechlichkeit des Samoobrona-Ministers Lepper aufgrund einer undichten Stelle gescheitert sei. Eine Überwachungskamera des Hotels filmte die genannten Personen. In den Medien wird berichtet, dass einige Abgeordnete ihre Immunität verlieren würden. Im Zusammenhang mit milliardenschweren Wirtschaftsinteressen seien Politiker und Amtsträger „gekauft“ worden.

Unterdessen sprach Premier Kaczynski auf einer Pressekonferenz von der „Gerechtigkeit, die ihren Lauf nehme“. Auch er mache Fehler. Dabei bezog er sich auf die Entscheidung, überhaupt mit Kaczmarek im Kabinett zusammengearbeitet zu haben. Doch während seiner Regierungszeit seien endlich wieder alle Bürger, auch Superreiche, vor dem Gesetz gleich. Den Vorwurf der Opposition, er wolle die parlamentarische Aufklärung verhindern, wies er zurück. Zur Aufklärung der Öffentlichkeit sei das Vorgehen der Staatsanwaltschaft am ehesten geeignet. Die Aufforderung an ihn, die für Freitag geplante Vernehmung von Kaczmarek zu ermöglichen, stelle einen gewünschten Rechtsbruch dar, da die Staatsanwalt entscheiden müsse, ob Kaczmarek und Kornatowski aus der Haft entlassen werden können.

Polnischer Watergate Skandal?

Am gestrigen Dienstag begann im polnischen Parlament wie vorgesehen die 2. Lesung der “geheimen” Verhörprotokolle des verstoßenen Ex-Innenministers Kaczmarek. Doch nach 20 Minuten brach der von Premier entlassene früher Koalitionspartner Roman Giertych (LPR) die Verlesung mit einem Antrag ab.

Politische Gegner abgehört?

Denn nach Aussagen Kaczmareks hätte Kaczynskis Justizminister Ziobro Andrzej Lepper (Samoobrona), den entlassenen Landwirtschaftsminister und Vizepremier, seit 9. Februar 2007 abhören lassen. Begründet werde dies mit den Ermittlungen gegen Lepper wegen Korruption im Rahmen einer Aufwertung landwirtschaftlicher Grundstücke zu Bauland in den Masuren. Die Bestechungsversuche seien allerdings vom Antikorruptionsbüro fingiert gewesen. Es wird vermutet, auch Giertych sei abgehört worden. Ebenso sollen in jedem Fall einige Journalisten  von den Abhörmaßnahmen betroffen gewesen sein. Giertych verlangt zuerst auch die Vernahme des ehemaligen polnischen Polizeipräsidenten Konrad Kornatkowkis und von Jaroslaw Marzec, früher Chef eines staatlichen Sicherheitsdienstes. Sie könnten vielleicht die Aussagen Kaczmareks verifizieren oder widerlegen. Erst danach soll am Dienstag nächster Woche um 9.00 Uhr der zweite Teil des Verhörprotokolls vorgetragen werden.

Außerdem seien der frühere Präsident Lech Walesa und sein Sohn Jaroslaw, derzeit Abgeordneter der größten Oppositionspartei, der liberal-konservativen PO, von den Lauschangriffen betroffen gewesen. Angeblich gelte dies auch für den Bruder des Premiers, den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski. Die Opposition wollte gestern einen Misstrauensantrag gegen den Justizminister Ziobro einreichen, um seinen Rücktritt zu erzwingen. Aufgrund der abgebrochenen Verlesung der Protokolle in der geheimen Parlamentssitzung war dafür keine Zeit mehr.

Inzwischen forderte die postkommunistische Oppositionspartei SLD die Veröffentlichung aller Verhörprotokolle in dieser Sache. Damit sind die am Freitag geplanten Vernehmungen des ehemaligen polnischen Polizeipräsidenten Konrad Kornatkowkis und von Jaroslaw Marzec mit eingeschlossen. Das sei auch der Zweck der gestrigen Unterbrechung gewesen. Allerdings soll die Staatsanwaltschaft die Verhörprotokolle der speziellen Parlamentskommission mit in die Beweisaufnahme für Ermittlungen einfordern. Das würde deren weitere Bekanntmachung ausschließen.


Angst vor Neuwahlen

Welche Kapriolen der vermutete Wahlkampf noch schlägt, ist somit nicht abzusehen. Dabei wird nun zunehmend darüber spekuliert, dass es in diesem Jahr gar nicht mehr zu Neuwahlen kommen werde. Denn die SLD würde gegen vorgezogene Neuwahlen stimmen, um vorher Untersuchungsausschüsse gegen Premier Kaczynski durchzusetzen. Nicht zuletzt befürchten nicht nur Abgeordnete der SLD, sondern auch von Samoobrona und LPR, den Verlust ihrer vergleichsweisen lukrativen parlamentarischen Entlohnung als Parlamentsmitglieder, wenn es zu baldigen Neuwahlen kommt.

Harter Wahlkampf in Polen

Im polnischen Wahlkampf geht es derzeit besonders turbulent zu. Dem Samoobrona-Abgeordneten Lyzwinski wird von der Staatsanwaltschaft die Vergewaltigung von vier Frauen vorgeworfen. Die Polizei soll ihn in Untersuchungshaft nehmen, da Verdunkelungsgefahr bestehe. Allerdings befindet er sich momentan wegen seines „schlechten Gesundheitszustandes“ im Krankenhaus. Sein Anwalt und der Samoobronapolitiker Maksymiuk werfen der Regierung vor, diese Aktion im Voraus geplant, die Anschuldigungen fingiert und die Staatsanwaltschaft beeinflusst zu haben.

Sofort Untersuchungsausschüsse oder schnelle Parlamentswahlen?

Weiterhin wird darum gestritten, ob die von der Opposition und den geschassten Koalitionspartnern geforderten Untersuchungsausschüsse vor oder nach den anstehenden Wahlen eingesetzt werden sollen. Politiker der davon unangenehm im Wahlkampf betroffenen Regierungspartei PiS meinen, die Ausschüsse könnten erst nach der Wahl einberufen werden, da im Wahlkampf eine gründliche und objektive Arbeit nicht möglich sei. Andererseits betonen die Widersacher, die Wähler hätten das Recht vor ihrer Wahlentscheidung zu erfahren, was sich an skandalösen Dingen ereignete – oder was von der Opposition nur hochgespielt werde, wie andere entgegnen. In den möglichen Untersuchungsausschüssen würde es um einen Einsatz eines Spezialkommandos gegen eine frühere postkommunistische Ministerin gehen, die sich dabei in ihrem Bad mit einer Pistole erschießen konnte, als die Sicherheitsbeamten bereits in der Wohnung waren. Gegen sie wurde wegen Zusammenarbeit mit der „Kohlemafia“ ermittelt. Der zweite Ausschuss hätte die Ermittlungen des Antikorruptionsbüros gegen den früheren Koalitionspartner Andrzej Lepper (Samoobrona) zum Gegenstand. Es steht der Vorwurf im Raum, Kaczynski hätte einen vorgespielten Bestechungsversuch nutzen wollen, um seinen missliebigen Koalitionspartner loszuwerden, um seine Wählerschaft zu vereinnahmen.

Dilemma des Kaczynski-Herausforderers

Donald Tusk steht mit seiner PO, der größten Oppositionspartei, letztlich vor der schwierigen Entscheidung, entweder für eine Auflösung des Parlaments zu stimmen oder zuerst für die Untersuchungsausschüsse einzutreten. Im ersten Fall müsse er befürchten, dass Kaczynski (PiS) im Wahlkampf von den möglicherweise illegal – unter Zuhilfenahme der Geheimdienste – gewonnene Erkenntnisse über politische Gegner nach und nach im richtigen Moment verwerte. Stimme die PO gegen schnelle Neuwahlen, mache sie sich eines Vertrauensbruches schuldig und gemeinsame Sache mit den früher von ihr bekämpften kleineren und zum Teil radikalen Parteien, was ihr Wählerstimmen kosten dürfte.

Unterdessen verkündete die PO, sie strebe die alleinige Regierung an. Ein etwas vages Schattenkabinett wurde vorgestellt. Für das Amt des Premiers kommen demnach entweder Donald Tusk, Bronislaw Komorowski oder der frühere konservative Premier Jerzy Buzek in Frage. Der kürzlich ausgeschiedene Notenbankchef und bekannte Ökonom Leszek Balcerowicz könnte noch einmal Finanzminister werden. Anfang der 90er Jahre hatte er mit seiner als Schocktherapie bezeichneten Reform in kurzer Zeit wieder für volle Regale in den Geschäften und einen wirtschaftlichen Aufstieg Polens gesorgt – auf Kosten ärmerer Bevölkerungsschichten, wie seine zahlreichen Kritiker ständig anmerken. Ebenso führte er Ende der 90er eine wichtige zweite Säule in der Rentenversicherung ein. Seitdem muss jeder arbeitende Pole einen gewissen Teil seines Einkommens in einen Investmentfonds als private Altersvorsorge einzahlen; neben der weiterhin bestehenden gesetzlichen Rentenversicherung, die wie in Deutschland auf dem Umlageverfahren basiert.

Ex-Parteifreund Kaczynskis mit Attacken

Einen weiteren politischen Aufreger gab das Verhör des hinausgeworfenen Innenministers Kaczmarek. Dieser warf seiner Partei PiS vor, die Geheimdienste nach Belieben für eigene politische Zwecke gegen andere Politiker in Stellung gebracht zu haben, obwohl sein früheres Ressort und er selbst daran nicht unbeteiligt gewesen sein dürften. Letztlich las Parlamentspräsident Dorn in einer geheimen Parlamentssitzung den um ihre Mobiltelefone gebrachten Abgeordneten auf Drängen der Opposition am Freitag von 23.45 Uhr bis etwa 4.30 Uhr den ersten Teil des geheimen Verhörprotokolls vor. Daraus drang erwartungsgemäß das eine oder andere Detail nach außen. Unter anderem soll die PiS systematisch die öffentlichen Fernsehsender beeinflusst haben. Zudem habe man sich mindesten fünf Journalisten „gefügig gemacht“, damit diese grundsätzlich zugunsten der Regierungspartei berichten und kommentieren. Am Dienstag soll die Fortsetzung folgen. Es darf in Polens politischer Szene fast mit allem gerechnet werden.

Nach einer aktuellen Umfrage würde die Stimmverteilung derzeit so aussehen. In Polen gilt ebenfalls eine Fünf-Prozent-Hürde. Der Anteil der noch unentschiedenen Wäher beträgt laut Umfrage 17 Prozent.

Wer zahlt die Unternehmenssteuern wirklich?

Gerne wird von vielen Menschen gleich Protest erhoben, wenn über die Senkung von Unternehmenssteuern diskutiert wird. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass damit die Unternehmer Geschenke erhielten. Doch wie verhält es sich mit der Kapitalertragssteuer, der Einkommenssteuer oder Gewerbesteuer wirklich? Aus welchen Geldbeutel stammt dieses Geld letztendlich, das als Unternehmenssteuer an das Finanzamt fließt?

Jedem Bürger ist klar, dass er an der Supermarktkasse in den Preisen die Mehrwertsteuer mitentrichtet, die von den Produzenten der Waren wieder an den Fiskus abführt werden. Nehmen die Firmen die bezahlten Unternehmenssteuern etwa nicht vorher beim Verkauf an den Endkunden ein, um sie mit dem Jahresabschluss an das Finanzamt abzuführen?

Die Kalkulation der Unternehmer

Sollen wir ernsthaft glauben, irgend ein Firmeninhaber kalkuliert bei seinen Gewinnerwartungen ohne die Abrechnung mit dem Finanzamt? Wäre er zufrieden vor Steuern einen Jahresgewinn von 100.000 Euro zu erwirtschaften, nach Abzug der Steuern jedoch nur noch 60.000 Euro Überschuss zu erzielen, wenn er wüsste, die Zinsen für das Firmenkapital brächten auf der Bank angelegt 80.000 Euro Überschuss? Sicher nicht langfristig.

Wer von uns würde schon für einen Bruttolohn von 1000 Euro arbeiten, im Wissen der Staat nähme ihm die Hälfte über Steuern und Abgaben wieder ab, sofern er eine entsprechende Alternative hat, auch so auf die Hälfte dieser 1000 Euro zu kommen?

Somit sollte klar sein, dass immer die Verbraucher der Ausgangspunkt für die entrichteten Unternehmenssteuern sind – genauso wie bei der Mehrwertsteuer. Das ist dann aber kein Plädoyer dafür, dass ein Unternehmer keine Steuern zahlen sollte. Schließlich hat er neben dem Firmenkonto ein Privatkonto. Was auf dieses Privatkonto fließt, ist vorher zu versteuern. Den Rest und die dazugehörige Finanzbürokratie bem Finanzamt könnte man sich sparen, was die Unternehmenssteuer angeht.

Schwieriges Umdenken

Übergangsweise wären die Unternehmenssteuern in kleinen Schritten abzubauen. Für den Bürger hätte das den Vorteil, dass mit den geringeren Steuerzahlungen der Firmen an das Finanzamt in der Kalkulation auf eine sonst im Laufe der Jahre übliche Preiserhöhung verzichtet werden kann. Natürlich müssten dann die privaten Steuern – Lohnsteuer – oder die Einkommenssteuer möglicherweise etwas erhöht werden, falls mit dem üblichen Wachstum und der Einsparung bei der wegfallenden Unternehmenssteuerbürokratie sowie der dazugehörigen Kontrollkosten der Einnahmerückgang nicht kompensiert wird. Doch dieses Umdenken wird nicht einfach werden. Denn nur wenige Wirtschaftswissenschaftler machen bisher darauf aufmerksam, dass immer der Endverbraucher die Unternehmensteuerquelle ist, nicht die Unternehmen selbst.

Grundeinkommen und selbstbewusste Fachkräfte

Mittlerweile ist das Thema Grundeinkommen in fast allen Parteien – mit Ausnahme der SPD – als politisches Thema angekommen. Verschiedene Modelle halten auch einer seriösen rechnerischen Prüfung hinsichtlich der Finanzierungsfragen (Graphik auf S. 9 des PDF-Dokuments) stand. Hindernisse sozialstaatlicher Natur und aus einer tief sitzenden Mentalität entsprungen, an alten Strukturen fest zu halten mit zunehmender Tendenz, den Menschen allein an seiner finanziellen Ausbeute zu bemessen, wurden im Artikel „Bedingungsloses Einkommen – Chance oder Bedrohung von Ursula Pidun schon beleuchtet. Zudem fällt es besonders uns sicherheitsbewussten Deutschen sehr schwer, neue Wege zu gehen, wenn niemand garantieren kann, wie der Weg genau verlaufen wird. Im Folgenden sollen mögliche Auswirkung auf Unternehmen und ihre Mitarbeiter bezüglich eines bedingungslosen Grundeinkommens beschrieben werden.

Höhere Produktivität und Innovation

In zweierlei Hinsicht kommt es durch einen Wegfall des Arbeitszwangs zu positiven Effekten am Arbeitsmarkt Zum einen werden Arbeitssuchende von dem Zwang befreit, sich auf Stellen zu bewerben, in denen sie immer mehr Frust anhäufen, da ihre individuelle Talente und Interessen keine oder kaum Berücksichtigung finden. Umgekehrt führt das Wegfallen eines solchen Zwanges dazu, dass Arbeitgeber attraktivere Stellen schaffen müssen; nicht nur finanziell sondern ebenso in Hinblick auf zukünftige Weiterbildungsmöglichkeiten und familienfreundlichen Strukturen. In der Folge wird es aufgrund attraktiverer Rahmenbedingungen und einem besseren Arbeitsklima zu einer deutlichen Steigerung der Produktivität und wesentlich höheren Innovationen in den Betrieben kommen. Unternehmen, in denen diese Faktoren aus nur vordergründigen Kostengründen viel zu kurz kommen, verbessern ihre Produktivität und Innovationskraft somit fast zwangsläufig. Von einer solchen Kettenreaktion profitieren alle Beteiligten: Allen voran die Betriebe, die mehr Umsatz und Gewinn erzielen können, aber natürlich auch die Mitarbeiter und schießlich auch Fiskus und Sozialkassen durch höhere Steuereinnahmen, bzw. Sozialabgaben.

Weiterbildung

Aktuell wird inzwischen ein wachsender Mangel an Facharbeitern beklagt. Einmal ist dies die Folge der nicht ausreichenden Mitarbeiterweiterbildung in den vergangen Jahren, die sogar abnahm. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen konnten es sich bis jetzt nur unter Mühen leisten, zeitlich umfangreiche Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter anzubieten und zu finanzieren, da während der Weiterbildungszeit Löhne und Gehälter in gleicher Höhe weiter bezahlt werden müssen. Auch hier kann das bedingungslose Grundeinkommen als Stütze und Erleichterung für jene Betriebe dienen, die durch solche Weiterbildungsmaßnahmen überfordert sind. Auf freiwilliger Basis und gestützt durch das Grundeinkommen können nun Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Absenkung des Bruttolohns für diesen Zeitraum vereinbaren. Diese Absenkung kann später, infolge erhöhter Produktivität durch ein angestiegenes Gehalt wieder ausgeglichen werden. Solche oder ähnliche Spielräume mit gegenseitigen Vereinbarung auf gleicher Augenhöhe haben die Arbeitgeber und -nehmer bisher nur in großen Betrieben. Damit würden die in älteren Studien belegten Weiterbildungsdefizite und damit das Risiko, arbeitslos zu werden, stark verringert.

Technologischer Fortschritt und Rationalisierung

Der insbesondere durch die neue Technologien gewonnene Fortschritt in Form von deutlichen Zeitersparnissen, ist bisher kaum bei den Arbeitnehmern angekommen, bzw. mit ihnen geteilt worden. Im Gegenteil, trotz enorm erhöhter Effizienz und daraus resultierender Millionen von Menschen, deren Arbeitskraft derzeit nicht mehr gefragt oder von Rationalisierung bedroht ist, wurde der technologische Fortschritte zum großen Teil und durchaus global einem knallharten Rendite- und Preiswettbewerb geopfert. Produktivitätsgewinne machen sich – noch – nicht in Form vonLohnerhöhungen bemerkbar , die durch erhöhte Produktivität akzeptabel und bezüglich einer gestärkten Binnenkonjunktur wünschbar wären. Bis auf weiteres ist angesichts der großen gobalen Reserve an Billigarbeitskräften keine kurzfristige Veränderung zu erwarten. Statt Fortschritt also Rückschritt – zumindest für die Teile der Gesellschaft, die nicht zusätzlich zum Arbeitseinkommen weiteres Kapitaleinkommen zum Beispiel aus Investmentfonds beziehen.

Neue bezahlbare Arbeit im Niedriglohnbereich

Erst ein Grundeinkommen verändert das jetzige Anreizsystem und gibt den Hartz-IV-Empfängern eine realistische Chance durch Zusatzverdienste ohne bürokratische Gängelung mehr als den Hartz-IV-Satz für ihr Alltagsleben zur Verfügung zu haben. Es bestünde dann wieder ein rationeller Grund für Arbeitnehmer und Unternehmer, Dienstleistungen anzubieten, die jetzt wegen des faktisch vorgegebenen Mindestlohns in Höhe des Hartz-IV-Satzes aus einer verständlichen Logik heraus nicht existieren. Wer arbeitet freiwillig vollzeit, um dann am Monatsende nur wenig mehr oder das gleiche Einkommen ausbezahlt zu bekommen, wenn die Arbeitsgemeinschaften keinen Zwang ausüben oder das Zusatzeinkommen zum großen Teil wieder einkassieren? Familien mit Kindern müssen derzeit ein sehr hohes Markteinkommen erzielen, wollen sie besser dastehen als vergleichbare „Hartz-IV-Familien“. Diejenigen, die unter dieser Einkommensgrenze bleiben und dennoch arbeiten, verdienen gesellschaftliche Hochachtung. Doch nicht alle Hartz-IV-Empfänger haben derzeit in allen Regionen die Chance, Arbeit zu bekommen.

Bestimmte Dienstleistungen wie ein Einkaufsservice für ältere Menschen oder Alleinerziehende mit Kleinkindern, Haushaltshilfen auf Zeit und Babysitting nicht nur für Bessergestellte können zu bezahlbaren Preisen angeboten werden; nämlich dann wenn mit Unterstützung des Grundeinkommens unqualifizierte und weniger intellektuell begabte Menschen bereit sind, zu einem niedrigen zusätzlichem monatlichen Salär diese Arbeiten zu übernehmen. Damit entstünden sehr viele neue Arbeitsplätze, ohne dass die Angestellten im Öffentlichen Dienst und Beamten die Bürger als Bittsteller abfertigen und sie mit der Knute in irgendwelche Maßnahmen und Stellen hineinzwingen. Es ist sogar zu erwarten, dass die bezahlbaren Dienstleistungen so stark nachgefragt werden, dass ihre Preise steigen. Bezahlbar bleiben sie, sobald nach dieser Übergangs- und Anpassungszeit viel überflüssige und teure Sozialstaatsbürokratie abgebaut worden i
st und das Durchschnittseinkommen die Menschen in die Lage versetzt, nun auch für einfache Dienstleistungen mehr zu bezahlen. Nicht zuletzt mit Einführung eines Grundeinkommens wird Arbeit nicht mehr als bloßes Geldverdienen zu bewerten sein, sondern kann davon getrennt betrachtet werden. Arbeit gewinnt wieder mehr Gewicht als eine Tätigkeit, die Lebenssinn vermittelt.

Teilzeitarbeit

Parallel dazu können sich mehr Menschen für Teilzeitarbeit entscheiden und die frei gewordenen Arbeitsplätze Arbeitssuchenden überlassen. Im Laufe dieses Anpassungsprozesses gewinnt Arbeit einen neuen Wert; und zwar dann, sobald Arbeitgeber entweder die Vollarbeitszeitplätze attraktiver gestalten oder andernfalls zusehen müssen, wie ihnen ihr Personal davonläuft beziehungsweise in Teilzeitarbeit ausweicht. Gleichzeitig können Menschen es sich erlauben, zu fragen, ob ihr Arbeitsplatz ihnen auch eine gewisse Sinnerfüllung bieten kann.

Verantwortung und Eigeninteresse der Unternehmer

Beides stellt einen drohenden Umsatzrückgang oder einen Produktionsengpass dar und erinnert Arbeitgeber daran, welche Verantwortung für die Arbeitnehmer und die Arbeitslosen in unserer Gesellschaft sie auch jenseits von Renditeerwartungen tragen. In Zeiten des erst beginnenden demographischen Wandels sollte das von Unternehmern zudem allmählich als Ihr ureigentstes Interesse betrachtet werden. Die Knappheit ausgebildeter Arbeitskräfte macht sich bereits immer stärker bemerkbar. Die Arbeitgeber, die sich zuletzt um die Weiterqualifizierung und Rekrutierung von Personal kümmern, obwohl es durchaus gute Ansätze gibt, werden das Nachsehen haben. Das Grundeinkommen hilft ihnen dabei und sollte daher seitens der Wirtschaft unterstützt und propagiert werden, so wie Götz Werner das erkannt hat. Ob es im ersten Schritt sofort als „bedingungsloses Grundeinkommen“ eingeführt werden muss oder welche Bedinungen anfangs daran geknüpft werden, ist zu diskutieren. Vielleicht wären die starken und plötzlichen Veränderungen für die Menschen dann zu viel auf einmal und würden in Form möglicher Überreaktionen die sozialstaatliche Stabilität bedrohen. Über mangelndes gesellschaftliches Ansehen dürfen sich Manager und Unternehmer jedoch nicht beklagen, wenn sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht nachkommen. Sie haben es selbst in der Hand, ob sie sich rückwärts ins Mittelalter oder mit einem Grundeinkommen vorwärts in die fortschreitende Moderne bewegen wollen.

Neue soziale Frage – Aktienfondsanlage?

Die Börse und mit ihr die „Spekulanten“ müssen häufig als Schuldige für Turbulenzen an den Finanzmärkten herhalten. Ist das jedoch tatsächlich der Fall, dass sie die Verursacher von Wirren auf den Börsenplätzen dieser Welt sind? Was geht an den Börsen tatsächlich vor sich? Wer steht hinter dem Geschehen? Wird dort wirklich Vermögen vernichtet?

An der Börse treffen zuerst einmal Angebot und Nachfrage bezüglich Aktien und Wertpapiere aufeinander. Marktakteure geben ihre Gebote bestens oder mit einem Kauf- oder Verkaufslimit ab. Nun wird mehrmals am Tag ermittelt zu welchen Kurs bei den entsprechenden limitierten Aufträgen am meisten Wertpapiere gehandelt werden. Dieser Kurs kommt dann zustande – bis zur nächsten Preisfeststellung.

Grund für Kursveränderungen

Was bewegt nun die Akteure dazu, Aktien zu kaufen bzw. zu verkaufen oder eben nicht – und welche Limits setzen sie? Lässt man die Charttechniker mal außen vor, die eher kurz- oder mittelfristig agieren und dabei auf den Chart, die Graphik mit der vergangenen Kursentwicklung, achten, kommt es im wesentlichen auf die Fundamentaldaten an. Fundamentaldaten beziehen sich letztlich auf zukünftig erwartbare Gewinne. Die Prognosen der Gewinne können auf einer in den letzten Jahren konstant gestiegenen Gewinnentwicklung basieren, auf der Marktsituation im Umfeld des Unternehmens, z.B. Autobranche, auf der Bilanzanalyse, die zeigt, dass ein Unternehmen, wenn man den Buchwert betrachtet, viel mehr wert ist, als der aktuelle Kurs aller Aktien und/oder auf schon abgeschlossenen aber noch nicht realisierten Aufträgen von Kunden. Die getroffenen Marktentscheidungen haben in der Summe anschließend entsprechenden Kursbewegungen zur Folge.

Kleine Börsenkrisen und ihre wahren Verursacher

Turbulenzen entstehen plötzlich in den Fällen, in denen es unvorhergesehene Nachrichten – meist negativer Art – gibt. Ist nun der Übermittler der Nachrichten und diejenigen die mit veränderten Kauf- und Verkaufaufträgen auf diese Nachrichten reagieren der „böse Finanzjongleur“? Sollte man nicht tiefer nach den Ursachen graben? Tut man dies, stößt man letztlich auf so manchen Manager, der sich mit einigen Fusionen verhoben hat. Detlef Schremp als früherer Daimler-Chrysler-Chef ist hier das Paradebeispiel. Ist es den „Spekulanten“ zu verdenken, dass sie ihre zukünftigen Erwartungen hinsichtlich der Konsequenzen für die weitere Gewinnentwicklung nach solcher extremen Fehlentscheidungen wie bei der Übernahme und Integration von Chrysler überdenken? Kann man jemanden zwingen dem Staat Argentinien noch Geld zu leihen, wenn die Finanzpolitiker und Notenbankchefs wie 1997 auch in asiatischen Ländern grob fahrlässig mit der Landeswährung und dem staatlichen Haushalt umgehen? An der Börse wird somit nichts anderes getan, als über das Tun der Manager und verantwortungsloser oder verantwortungsvoller und fähiger Finanzpolitiker und Notenbanken zu urteilen. Diese Urteile fließen dann in die Kaufs- und Verkaufsentscheidungen ein und bewirken die Kursentwicklung der Wertpapiere in der näheren Zukunft.

Die Qual der Wahl

Wie soll sich der Anleger angesichts dieser Mechanismen verhalten? Bilanzen, abgeschlossene Aufträge, die Fähigkeit eines Managements, nicht zuletzt auch seine Ehrlichkeit – siehe die Bilanzfälschungen und getürkten Auftragsmeldungen etlicher Firmen vor dem Börsencrash 2000, kann nicht jeder über eigene Internetrecherchen, das Lesen der Wirtschaftspresse und das Anschauen von Wirtschaftssendungen im Rundfunk analysieren. Dafür gibt es aber seit Jahrzehnten erfolgreiche Fondsgesellschaften und -manager. Viele Menschen scheinen jedoch Probleme damit zu haben, die Spreu unter den Aktienfonds vom Weizen zu trennen. Denn nur die wenigsten unter den tausenden von Aktienfonds sind wirklich besser als der Marktdurchschnitt, der sich in Indizes wie dem Dax verkörpert. Interessanterweise sind es jedoch fast immer die gleichen Fonds, die zur elitären Spitzengruppe gehören. Das findet der Aktienfondssparer dann heraus, wenn er sich die Renditeentwicklung der vergangenen Jahre ansieht. Dabei sollte er nicht den Fehler machen, sich von einigen Glückstreffern einiger Aktienfonds über einen kurzen Zeitraum hinweg blenden zu lassen. Fünf Jahre wären hier der kürzeste Betrachtungszeitraum. Eher sollte man zweistellige Renditen pro Jahr über zehn Jahre hinweg und länger konstatieren können, bevor die Entscheidung zum Kauf eines bestimmten Aktienfonds fällt.

Exotischere Anlageregionen mit hohen Chancen zur Risikominimierung

Ausnahmen kann der Anleger machen, wo es sich um spezielle Anlageregionen handelt, in denen die Aktienfonds noch nicht so lange an den Börsen investieren. Dazu gehören Osteuropa, Russland, China, Indien und bald auch Afrika. Den nötigen langen Atem vorausgesetzt, erscheint es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass der Anleger in Wachstumsmärkten Verluste erleiden, in denen es in der Bevölkerung noch derart viel Wachstum beim Wohlstandsniveau gibt. Kurzfristige Kurseinbrüche nach übertrieben schnell gestiegenen Kursen sind dann eben auszusitzen. Orientieren sollte man sich bei der Auswahl solch spezieller Aktienfonds an den Fondsgesellschaften, die andere sehr bewährte Aktienfonds verwalten. Sinnvoll ist die Beimischung anderer Anlageregionen als Deutschland und Europa, weil so das Risiko von zwischenzeitlichen Verlusten weiter vermindert wird.

Soziale Dimension und Verteilungsgerechtigkeit

Anstatt sich sich über die Turbulenzen an den Börsen aufzuregen und den Kopf zu zerbrechen, sollten sich die Menschen mehr mit Aktienfonds befassen, jedoch die Finger von einzelnen Aktien lassen, die sie letztlich nicht so gut wie die Aktienfondsmanager bewerten können. Derartige Kursdellen bieten die beste Kaufgelegenheit. In Zeiten in denen immer mehr Einkommen aus Kapitalanlagen und immer weniger mit der Arbeit von Menschen erzielt wird, ist es geradezu als die kommende soziale Frage zu bezeichnen, ob es gelingt die ganze Bevölkerung am Börsenkapital zu beteiligen, dessen Besitzer einen ständig zunehmenden Teil des erwirtschafteten Einkommen vereinnahmen. Wer sich nur auf sein Arbeitseinkommen verlässt, wird sich nicht über den zunehmenden Unterschied zwischen Arm und Reich beklagen dürfen.

Bildungsarbeit in Sachen Aktienfonds

Leider wird der Vorteil des Aktienfondssparens von Journalisten und (Bildungs-)Politikern zu wenig vermittelt. Denn umfassend betrachtet gehört die Aufklärung der Bürger in Finanzangelegenheiten zur Sozial- und Bildungspolitik. Über 30 Jahre beträgt nämlich bei monatlich angesparten 150 Euro – ohne Anpassung an das später erhöhte Einkommen – der Unterschied des Ertrags aufgrund unterschiedlicher Rendite zwischen Sparbuch (ca. 4 %) und Aktienfonds (ca. 9 %) ca. 147.000 Euro; mit allen Konsequenzen für die Altersvorsorge oder die Bildungsinvestitionen für Kinder und Enkel. Wie wenig kurzfristige und zwischenzeitliche Kursausschläge zu fürchten sind, wird hier im „Manager-Magazin“ in einem Interview am Beispiel der aktuellen Aufreger der Kreditkrise reflektiert.

Weitere Informationen:

Hilfen bei der Recherche nach soliden Aktienfonds bietet dieser frühere Blogeintrag von mir – insbesondere die am Ende angeführten Aktienfonds.

Um die vergangenen Renditeentwicklungen nachzurechnen, bietet sich der Jova Zinsrechner an. Dieser kann hier runtergeladen werden. Sinnvollerweise gibt man den Kurs am Anfang eines Zeitraumes als einmaligen Anlagebetrag ein – abzulesen aus den Charts der Aktienfonds –, den betrachteten Zeitraum als Laufzeit und versucht dann den Kurs am Ende des betrachteten Zeitraums zu erzielen. Dazu gibt man verschiedene Zinssätze ein, bis
man den tatsächlich Endkurs erreicht hat. Somit kennt man die Rendite der Vergangenheit und kann Fonds vergleichen. Zeitschriften wie Finanztest, Capital, Wirtschaftswoche oder Focus Money bieten immer wieder Übersichten mit den besten Fonds an. Diese sind jedoch mit großer Vorsicht zu genießen. Oftmals sind die Vergleichszeiträume zu kurz und die Aktienfonds nicht richtig vergleichbar oder nicht gründlich recherchiert. Im Internet bieten finanzoptimierung.de, cortalconsors.de („Einfache Suche“, Fondstyp „Aktien“ und gewünschte Kategorie auswählen) oder ariva.de (dann auf die einzelnen Regionen klicken, um die besten Fonds anzuzeigen, im Fünfjahresvergleich auflisten und auf Vergleichbarkeit achten) und vielen andere Seiten ebenfalls Vergleichsmöglichkeiten. Diese richtig zu nutzen, ist jedoch nicht immer einfach.

Kreditkrise und Bankenaufsicht

Wer sind die Schuldigen an der Kreditkrise? Immer wieder wird die Schuld für die Kreditkrise bei windigen Finanzjongleuren aus den Hedgefonds gesucht oder verallgemeinert im „kapitalistischen System“. Das ist jedoch deutlich zu kurz gesprungen. Vielleicht machen es sich einige der Hauptverantwortlichen auch zu einfach oder schielen auf Parteispenden aus der Finanzbranche? Die Hauptverantwortlichen der Krise sitzen auch in Deutschland und sind keineswegs dem globalen Finanzmarkt so hilflos ausgeliefert, wie es gerne in den Medien dargestellt wird.

Vielmehr ist es die ureigenste Aufgabe des Bundestages und insbesondere der Regierung in Berlin mittels der BaFin, als Bundesaufsichtsbehörde für das Kreditwesen, und anderer Kontrollmechanismen, wie den gesetzlichen Regelungen zu den Aufsichtsräten, die Stabilität des Finanzmarktes zu gewährleisten. Hier sind aber horrende Fehler gemacht worden.

Managerhaftung noch nicht existent

Zum einen ist es immer noch möglich, dass Manager sich über entsprechende Haftplichtversicherungen komplett der persönlichen finanziellen Verantwortung für Entscheidungen entziehen dürfen, die hohe Vermögensverluste für ihren Arbeitgeber nach sich gezogen haben, einer Aktiengesellschaft als Arbeitgeber, die oft hunderttausenden von Bundesbürgern gehört. Dementsprechend groß wäre die Pflicht der Politiker sinn- und wirkungsvolle Kontrollmöglichkeiten zu schaffen.

Die Hauptverantwortung der Politiker

Zum anderen besitzen einige Landespolitiker immer noch die Dreistigkeit, sich über die Landesbanken wie die WestLB oder die Sächsische Landesbank an globalen Spekulationen und aktuell dem amerikanischen subprime-Immobilienspekulationen zu beteiligen – auf Kosten des Steuerzahlers. Dieser trägt letztendlich die finanzielle Belastung der für die nun eingesetzten Garantien des Landes Sachsen der anderen Bundesländer, die über die Sparkassenverbände mit haften. Allein im Aufsichtsrat der SachsenLB sitzen drei (Ex-)Ministerpräsidenten. Mit Marktwirtschaft hat dieses vom Staat beeinflusste und zugelassene Gebaren der Banken nichts zu tun. Auch an der IKB ist die staatliche KfW mit 38 Prozent beteiligt, deren Vorsitzende die frühere finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Ingrid Matthäus-Maier ist. Der Parteifilz lässt grüßen. Nur naive Menschen zweifeln noch daran, dass die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute der Sparkassen und Landesbanken den Parteien vor allem deshalb so dienlich sind, weil man in den dortigen Aufsichtsräten abgehalfterte Parteipolitiker parken kann.

Kontrollmöglichkeiten in der Bankenaufsicht auch auf europäischer Eben

Von der SPD bis hin zur CDU wird immer wieder das erbärmliche Rufen nach einer stärkeren Regulierungen der Hedgefonds vernommen. Begreifen den diese offenbar in Wirtschafts- und Finanzfragen ungebildeten Politakteure nicht, dass sie ganz einfach bei der Bankenaufsicht ansetzen können? Hier reichen einige wenige Gesetz aus, damit Banken Kredite endlich nur an Hedgefonds vergeben dürfen, die ganz klar offen legen wie und wozu die Kredite eingesetzt werden. Zudem muss den Banken eine genaue Risikoprüfung vorgeschrieben werden. Dann würden Kredite nur mit entsprechenden Riskozuschlägen beim Zins oder gar nicht an zweifelhafte Schuldner oder für riskante Übernahmeprojekte vergeben, beziehungsweise verbriefte Kreditwertpapiere auf dem globalem Finanzmarkt gekauft, ohne zu wissen welche Kreditrisiken in diesen Wertpapieren stecken. Sogar auf global Player wie die Citygroup, die Royal Bank of Scotland oder die Ing-Diba können deutsche Politiker Einfluss nehmen. Denn diese Banken wollen auf dem lukrativen und sehr großen deutschen Markt auch in Zukunft tätig sein und haben sich so der deutschen Bankenaufsicht zu unterwerfen. Und grundsätzlich hat wohl der größte EU-Nettozahler Deutschland auch Einwirkungsmöglichkeiten auf europäische Gesetzesregelungen. Es gibt somit keine Ausreden für unsere Parlamentarier weiterhin untätig zu sein.

Ohne Zittern an der Börse investieren?

Nachdem in den letzten Wochen ausgehend von der amerikanischen Hypothekenkreditkrise vor allem im subprime-Sektor von den Medien und Finanzmarktakteuren wie BaFin-Chef Sanio kräftig unterstützt viel Hysterie verbreitet wurde, wird des langsam Zeit wieder zur Besinnung zu kommen. Inzwischen musste der Dax einen völlig normalen Rückschlag hinnehmen. Nun sollten die langfristig orientierten Anleger diese für die nächsten Jahre vielleicht einmalige Kaufgelegenheit nutzen und nicht in einzelne Aktien, sondern in Aktienfonds investieren, die Risiken breit streuen. Danach befolgen sie den Rat des Börsenaltmeisters André Kostolany, nehmen einige Schlaftabletten – nicht zu viele – und legen sich einfach schlafen, ohne auf die zwischenzeitlichen Kursschwankungen zu achten.

Kaufen und Schlaftabletten nehmen

Zwar hat Kostolany immer von einzelnen Aktien gesprochen. Allerdings ist er vor dem Börsencrash des März 2000 gestorben, nämlich mit 93 Jahren im Jahre 1999. Nach den Lehren des Börsencrashes von 2000 hätte er möglicherweise Anlegern nur noch Aktienfonds empfohlen. Denn dieser Crash hatte deutlich gezeigt, dass es für Durchschnittsanleger keine Chance gibt, zu erkennen, welcher Vorstand die Bilanzen fälscht oder Großaufträge fingiert. Die aktuelle Subprime-Krise erneuerte diese Lehre wieder und erweiterte sie auf die Ratingagenturen. Heute sollte daher jedem Sparer bewusst sein, dass weder Aufsichtsräte noch Ratingagenturen wirksam Einzelrisiken richtig einschätzen und vermeiden können.

Geringes Risiko bei Aktienfonds

Insofern kann der Normalsterbliche nur die Konsequenz ziehen und sich auf Aktienfonds oder Lebensversicherungen britischer Herkunft mit dem bewährten Smoothing-Effekt (graphische Darstellung) beschränken. Die Aktienfonds senken das Risiko, weniger als mit Sparbüchern, Bausparern oder den traditionellen Kapitallebensversicherungen (Vergleich mit Britischen Lebensversicherungen) unter zwei Bedingungen nahezu gegen Null. Einmal geht es um den zeitlichen Horizont, zum anderen um die regionale Streuung der Aktienfondsinvestments.

Der Faktor Zeit

Der Anleger sollte einen Anlagehorizont von mindestens fünf oder besser ca. zehn Jahre mitbringen und nicht dann mit einem größeren Einmalbetrag einsteigen, wenn die Börse eine länger anhaltende Ralley hinter sich hat. Mit monatliche Sparraten von zum Teil bereits 25 Euro kann man jederzeit beginnen, weil hier aufgrund der Kursschwankungen der so genannte Cost-Average-Effekt mit höchster Wahrscheinlichkeit einen Zusatzgewinn beschert. Wie historische Vergleich zeigen, gab es über längere Zeiträume bei den wenigen herausragenden und zugleich meist seit Jahrzehnten existierenden Aktienfonds (siehe unten) niemals Verluste für die Investierten.

Risikostreuung über verschiedene Regionen

Die zweite Voraussetzung eines nahezu risikofreien Investments stellt die regionale Diversifizierung dar. Häufig machen Menschen den Fehler und kaufen übermäßig viele Aktien(fonds) aus ihrem Land oder ihrer Regionen – zum Beispiel Amerikaner Aktien von Ostküstenfirmen. Das verhindert die Mitnahme von Wachstumrenditen in anderen Weltregionen als nur der eigenen und beugt Schwächen im Heimatmarkt vor.

Die liebe Psyche

Psychologisch betrachtet ist es sinnvoll, sich dessen bewusst zu sein, dass man sogar nach einem Kurseinbruch von 50 Prozent nach langjährigen Sparen immer besser dasteht als der vergleichbare Sparbuchbesitzer. Oftmals wird über die entgangenen Gewinne gejammert ohne klar zu sehen, wie hoch die langjährige Durchschnittsrendite trotz eines Kurseinbruches noch ist.

Das KGV als Kriterium

In einem empfehlenswerten Artikel in der „Zeitschrieb Robert von Heusinger richtig vom entscheidenden Kriterium des KGVs der börsennotierten Firmen. Dahinter steht die triviale Erkenntnis, dass die Börsenkurse sich langfristig ausschließlich entsprechend der Gewinnentwicklung in den Unternehmen verhalten. Offensichtlich ist diese einfache Tatsache vielen Wirtschaftsjournalisten zu einfach – oder sie befürchten ironisch formuliert, ihre komplexen Artikel werden nicht mehr gelesen. Zur Zeit des Kurshöhepunktes des Deutschen Aktienindexes Dax war das KGV halb so hoch wie bei Zerplatzen der Kursblase im Jahre 2000; die Kurse hätten sich also auch nochmal verdoppeln können. Im Artikel selbst täuscht sich Häusinger jedoch wohl mit der Einschätzung, die Gewinne würden zu optimistisch prognostiziert. Wahrscheinlich ist ihm dabei nicht bewusst, dass mit dem Einstieg Indiens, Chinas, Restasiens, Russlands und auch Lateinamerikas ein ungeheurer Wachstums- und Nachfrageschub hervorgerufen wird, der die Gewinne der Unternehmen noch lange in die Höhe treiben wird.

Mit Limits absichern

Im übrigen ist es sinnvoll, je nach Aktienfonds – ob einen Wachstumsmarkt wie China oder einen gemäßigteren Markt wie Europa betreffend – konsequenzt Stopp-Limits zwischen 15 und 25 Prozent Kursrückgang zu setzen, bei deren unterschreiten der Fonds ohne Zögern verkauft wird. Gewinne lässt man so laufen, Verluste begrenzt man. Meist spielt nur die Psyche der Anleger nicht mit, die sich zudem einbilden, voraussehen zu können, wann der Höchstkurs zum Ausstieg und ein Tiefstkurs zum Einstieg erreicht wird.

Limitservice von Finanzdienstleister

Daher ist es für den Normalanleger empfehlenswert, das  wohl derzeit einzigartige Serviceangebot der „finanzoptimierung.de Discountbroker AG“ zu nutzen. Hier wird zu einer günstigen einmaligen Einstiegsgebühr von 4-5 Prozent, die der Höhe des bei den meisten Banken üblichen Ausgabeaufschlages entspricht, seit wenigen Monaten ein Limit-Service geboten, die Stop & Go Performance bzw. -Strategie. Nach einem mittels einer Analysesoftware für jeden Fonds individuell ermittelten Limit, verkauft finanzoptimierung.de für den Anleger die Fonds, bevor zu große Verluste entstehen und steigt wieder günstig wieder ein, wenn sich die Lage entspannt hat. Damit entsteht ein zusätzliches Gewinnpotential, das finanzoptimierung.de für einzelne Fonds anhand vergangener Entwicklungen darstellt. Online sieht der Depotinhaber laut persönlicher Auskunft von finanzoptimierung.de, welche Limits aktuell für den jeweiligen Fonds gesetzt sind.

Nichts spricht dagegen, dass das, was in den letzten 50 Jahren funktionierte nun plötzlich alles anders wird. Mit monatlichen Sparraten kann man bei finanzoptimierung.de wie auch bei einigen anderen Fondsbrokern Fonds komplett ohne Ausgabeaufschlag bei minimalen Depotgebühren erwerben; einige Broker verlangen gar keine Gebühren, bieten aber auch keinen eigenen Limit-Service für den Anleger, der der Stop & Go Performance vergleichbar wäre.

Ruhig Blut bewahren

Wer kühlen Kopf bewahrt, nutzt unter Berücksichtigung oben genannter Bedingungen die Kursrückgänge trotz oder sogar wegen des Medienhypes um die Finanzmärkte zum baldigen Einstieg. Bedauerlich bis verantwortungslos ist es seitens einiger Wirtschaftsjournalisten, die eher Panik schüren denn sachlich
berichten, dass derzeit nicht wenige Sparer davon beeinflusst zu diesen niedrigen Kursen verkaufen anstatt (nach)zukaufen. Einen wirklichen Grund für zittrige Knie sollte es für besonnene Menschen an der Börse nicht geben. Leider wird das von Journalisten und (Bildungs-)Politikern zu wenig vermittelt. Denn umfassend betrachtet gehört die Aufklärung der Bürger in Finanzangelegenheiten zur Sozial- und Bildungspolitik. Über 30 Jahre beträgt nämlich bei monatlich angesparten 150 Euro – ohne Anpassung an das später erhöhte Einkommen – der Unterschied des Ertrags aufgrund unterschiedlicher Rendite zwischen Sparbuch (ca. 4 %) und Aktienfonds (ca. 9 %) ca. 147.000 Euro; mit allen Konsequenzen für die Altersvorsorge oder die Bildungsinvestitionen für Kinder und Enkel. Als eine der wenigen Ausnahmen wird hier im „Manager-Magazin“ in einem Interview sachlicher über die Kreditkrise und die mittelfristig sehr geringen Auswirkungen auf die Entwicklung des Aktienmarktes reflektiert.

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Hier einige Aktienfonds nicht als sofortige Kaufempfehlung, sondern als Recherchempfehlung und Thema für Beratungsgespräche mit mehr als nur einem Anlageberater:

Fidelity European Growth

Carmignac Investissement

Templeton Growth Euro

Pioneer America

DWS Vermoegensbildungsfond

MLIIF Emerging Europe A

ISI Far Eeast Equities

Fidelity Funds China Focus Fund

Uniglobal

Einen Vergleich mit Anbietern, die niedrige Fondskosten offerieren, findet man hier.

Neben finanzoptimierung.de bietet auch FondsClever.de eine breite Auswahl an ausgezeichneten Aktienfonds aber keinen Stopp-Loss-Absicherungsservice.

Das bereits erwähnte ausgezeichnete Interview im Manager-Magazin – Ausdruckanfrage gegebenenfalls wegklicken.

Die Kluft zwischen Politikern und Bürger

[S. Reber/B. Fütterer] Ist das derzeit bestehende stark hierarchische Verhältnis zwischen Politikern und Bürgern noch zeitgemäß? Diese Frage stellt Helmut Klages. Die Exklusivrechte unserer Politiker hinsichtlich politischer Gestaltung würden aufgrund eines sozio-ökonomischen Wandels im Rahmen des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses und eines Wertewandels von den Bürgern nicht mehr akzeptiert. Anders formuliert: Viele Bürger sind politisch selbstbewusster geworden und haben auch mehr Zeit für politisches Engagement – so Klages.

Allerdings müsste man hier wohl die Menschen ausnehmen, die früher in Staatsbetrieben wie der Post, Bahn und anderen mittlerweile privatisierten Einrichtungen arbeiteten. Inzwischen sind hier die Arbeitszeiten deutlich gestiegen; ähnliches gilt für manche Großkonzerne wie z.B. Volkswagen.

Doch grundsätzlich nehmen uns auf lange Sicht tatsächlich zunehmend Geräte, Maschinen und Roboter die Arbeit ab, wir sind in der Wirtschaft effektiver, erzielen so – zumindest über Jahrzehnte betrachtet – ein höheres Einkommen; und das obwohl im Zuge des Falles des eisernen Vorhangs und des Wandels in China mit vielen Millionen (ca. 2000 Mio) zusätzlichen globalen Arbeitskräften die Einkommen im alten Westeuropa seit 1989 teilweise vorübergehend stagnierten oder gar zurückgingen. Seit einiger Zeit holen diese Länder – zugegebenermaßen von einem niedrigen Niveau ausgehend – rasant in der Lohnentwicklung auf.

Insofern ist Klages Ansicht durchaus plausibel, wonach er fordert, mehr Elemente direkter Demokratie in unser repräsentativ demokratisches System einzufügen. Er und seine Mitautoren wollen die Repräsentativitätsbarrieren der Politik abgebaut sehen und es auch „den Nicht-Eliten erlauben, sich aktiv und alltagswirksam in politisch relevante Handlungszusammenhänge“ einzubringen.

Dazu stehen uns inzwischen mit dem Internet und vielen Web2.0-Anwendungen alle technisch notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung. Zum ersten Mal in der Geschichte kann auch ein so großes Land wie Deutschland praktisch im gleichen Umfang wie die Schweizer direkte Demokratie praktizieren. Bisher scheiterte das an der Größe, den damit verbundenen Organisationskosten. Nun kann jedes Dokument, mit dem sich Politiker und Beamte befassen, in das Internet gestellt werden und der Bürger somit in Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Denn das Wissen um die sachpoltitischen Themen ist eine Grundvoraussetzung für die Bürger, die dieses Wissen anschließend in ihre hoffentlich einmal möglichen Volksentscheide einfließen lassen. Außerdem ist der öffentliche Zugang zu relevanen Informationen in den Ministerien und Behörden, den Entscheidungsgrundlagen unserer Politiker, die Voraussetzung für mehr politische Transparenz und Partizipation. Das müssen Politiker allerdings erst einmal  wollen, die Bürger nachdrücklicher als bisher einfordern und die Medien unterstützen.

Helmut Klages/Carmen Daramus/Kai Masser,
Vertrauensverlust in der Demokratie – Lösen Beteiligungsstrategien das Problem?, Speyer, November 2004.

Hier zum Download

 

Journalistische Lauterkeit und Wirtschaftskompetenz

[S. Reber/B. Fütterer] In der Zeit des politischen Sommerlochs hat sich inzwischen ein Großteil der Medien auf die amerikanische Hypothekenkrise eingeschossen, die sich vor allem auf die Schuldner mit schlechter Bonität begrenzt. Andere können ihre Kredite zumeist  weiter zurückzahlen. Ist es nun Sensationsgier oder einfach nur wirtschaftliche Inkompetenz von Journalisten, wenn positive fundamentale wirtschaftliche Daten ausgeblendet werden oder nur unscheinbar als Rudiment am Ende der Artikel den Weg zum Leser finden?

Im Bewusstsein der Leser bleibt letztlich das zurück, was einige Autoren, wie beispielsweise Gerd Zitzelsberger von der „Süddeutschen“ mit dem Aufmacher „Teile des Kreditmarkts zusammengebrochen“ oder einer Bildunterschrift: „Panik im Gesicht: Ein Händler an der Wall Street verfolgt den Kurssturz“ sensationsgierig herausstellen. Auch „Die Krise an den internationalen Finanzmärkten reicht noch weiter als zunächst befürchtet“ und „Der Markt für Anleihen mittlerer Bonität ist nach Banken-Angaben geradezu kollabiert“ oder „Auch deutsche Institute sind noch stärker betroffen als bislang befürchtet“, schaukelt zwar die Leser, nicht aber den gesamten Finanzmarkt in eine Krise, die bisher – zumindest in der dargestellten Form – so nicht existiert.

Deutsche Tragödie

Ob das zum Teil von den Händen bedeckte Gesicht wirklich ein Ausdruck von Panik ist, darf bezweifelt werden. Von einem Kurssturz an der Wall Street zu schreiben, ist angesichts der letzten leichten Aufwärtsbewegung des S&P 500 am Freitag und vor allem der immer noch stark positiven Kursentwicklung der letzten 12 Monate (10 Prozent im Plus) in den USA entweder ein Ausdruck wirtschaftlicher Inkompetenz oder primitiver journalistischer Sensationsgier. Wer so schreibt, scheint nicht zu wissen, dass über Jahrzehnte hinweg das Sparen in breit streuende Aktienfonds oder Indizes unter Renditegesichtspunkten am attraktivsten ist und trotz natürlicher Kursschwankungen auch auf lange Sicht eine risikoarme Anlage für jeden Bürger darstellt; Hat ein Sparer nach 20 oder mehr Jahren Anlagedauer trotz eines Kurseinbruches von 50 Prozent immer noch mehr Vermögen, als vergleichbar der Besitzer eines Sparbuches, Bausparvertrages oder der klassischen Lebensversicherung, kann er immer noch herzlich über diesen so genannten „Börsencrash“ lachen. Doch es scheint, als habe sich dies bisher unter dem deutschen Michel und inländischen Wirtschaftsredaktionen nur wenig herumgesprochen. Richtig analysiert, sind derartige Fehlinformationen die eigentlichen wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischen Tragödien. Und das bereits seit Jahrzehnten.

Verantwortungsloses journalistisches Agieren

Verantwortungslos ist es deshalb, weil genau auch diese Art von Berichterstattung im Großteil der renditeorientierten Medienindustrie zu einer Stimmung bei den Anlegern beiträgt, die zu Reaktionen jenseits aller Vernunft provozieren kann. Fundamentalwirtschaftlich kann nichts die starke Weltkonjunktur in eine plötzliche Krise stürzen. Die chinesische, indische und auch lateinamerikanische Bevölkerungen treiben die weltweite Nachfrage auch weiterhin nach oben. Europa und besonders Deutschland profitiert unweigerlich auch in Zukunft von dieser Nachfrage. Aus allen Ecken schallen Meldungen von ausgezeichneter Gewinnlage bei den Unternehmen. In Deutschland befinden sich die Unternehmen durch starke Umstrukturierungen und Rationalisierungen – auch zuerst auf Kosten der Arbeitnehmer – wieder in einem wettbewerbsfähigen Zustand. Inzwischen fehlen viele Fachkräfte, aber ebenso bereits LKW-Fahrer und beispielsweise nur in der Region Hannover 2000 angelernte Arbeiter in Deutschland.

Gegen die notwendig sachliche, nicht von Spekulationen durchsetzte Versorgung der Leser mit den Ereignissen aus Wirtschaft und Börsensälen ist selbstverständlich nichts einzwenden – doch hinterlässt diese seit Tagen andauernde kampagnenartige Berichterstattung entsprechende Spuren in den Köpfen der Anleger. So darf wohl auch bald von einer self-fulfilling prophecy gesprochen werden. Bei der immer kritisch zu behandelnden Wikipedia wird dazu prägnant formuliert: „…Vorhersage, die sich erfüllt, nur weil sie vorhergesagt bzw. erwartet wurde. In Bezug mit der Realität existiert aber kein oder möglicherweise sehr geringer Zusammenhang, als er in der Erwartung existiert. Die Überlegung basiert auf dem Prinzip, dass man selbst auf die Umwelt Einfluss nimmt und versucht sie so in die Richtung zu verändern, die man erwartet. Demnach wird die Erwartung zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.“

Medienberichte mit Auswirkungen auf Anlegerverhalten

Niemand kann in Abrede stellen, dass sich ständig wiederholende „Panikschlagzeilen“ tatsächlich bei den Investitionsentscheidungen der Anleger, groß wie klein, auswirken. Im erwähnten Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ wird nicht näher erläutert, was Geldmarktfonds sind. Ebenso wenig stellt der Autor die entscheidenden Zusammenhänge dar. In keinem Nebensatz wird erwähnt, dass die Notenbanken mit erhöhter Geldausgabe konsequent gegensteuern, dass das Gesamtvermögen allein der deutschen Bürger etwa doppelt so hoch ist, wie das der global in Frage gestellten Hedgefondsanlagen, von denen wiederum nur ein Teil die gefährdeten Hypothekenkredite berühren. Auch dass die chinesische Notenbank über 1300 Milliarden Dollar verfügt und nicht das geringste Interesse an einer tatsächlichen weltweiten Kreditkrise haben kann bleibt unberücksichtigt. Sie verkündete bereits, sich entsprechend verantwortungsbewusst verhalten zu wollen.

Am Ende retten chinesische Kommunisten mit ihren Dollars die Wall Street und bewahren viele unverantwortlich oder inkompetent agierende deutsche Journalisten vor der Gefahr einer medial erzeugten und herbeigeschriebenen Wirtschaftskrise. Bekanntlich ist die Hälfte der Wirtschaft Psychologie oder aktuell noch mehr als die Hälfte eine Massenpsychose. Wozu dann überhaupt noch recherchieren und auf wirtschaftliche Fundamentaldaten hinweisen? So jedenfalls scheint das Motto einiger Redaktionsmitglieder zu lauten, das sich dann bedauerlicherweise in entsprechenden Artikeln wiederfindet.