Niedrigere Unternehmenssteuern?

Sollen Unternehmen nun geringere Steuersätze bekommen als bisher, damit sie nicht mehr ins Ausland abwandern? Ist das angesichts der erhöhten Mehrwertsteuer gerecht? Schaffen die Unternehmer dann wirklich mehr Arbeitsplätze? Fragen über Fragen, um die sich Experten mit völlig unterschiedlichen Antworten gerne streiten.

Inzwischen bekommt man zum Glück hin und wieder von einigen Ökonomen in Fernseh- oder Radiodiskussionen einen Hinweis darauf, dass die Unternehmenssteuern gar nicht von den Unternehmen, sondern von den Bürgern als Endverbrauchern bezahlt werden. Alles andere wäre auch unlogisch. Schließlich hat auch jeder begriffen, dass die Umsatzsteuer (=Mehrwertsteuer für die Bürger) nicht von den Unternehmen geleistet wird. Jeder kennt auf den Kassenzetteln vom Einkauf die Vermerke für die abgeführte Mehrwertsteuer. Nichts anderes geschieht mit den Unternehmenssteuern – nur ohne Hinweis auf dem Kassenzettel. Kein Unternehmer oder Manager ist wirklich an der Eigenkapitalrendite vor Steuern interessiert. Was zählt ist das, was am Ende, also nach der Versteuerung, in der Kasse bleibt. Ansonsten kann der Besitzer der Firma diese auch verkaufen und das Geld am Kapitalmarkt anlegen, wo er problemlos sechs bis zehn Prozent Rendite auf das Eigenkapital des Unternehmens erhält, wenn das eigene Unternehmen dauerhaft nach der Versteuerung unter diesen Einnahmen bleibt. Letztendliche kalkuliert der Firmenleiter/Manager die voraussichtlich zu zahlenden Steuern in die Preise seiner Produkte und Dienstleistungen mit ein und schiebt die Belastung somit auf den Endverbraucher – auf uns – ab.

Für die Diskussion um die Steuergerechtigkeit bedeutet dies, dass wir seit langem eine Phantomdebatte führen. Als einziges mir bekanntes Land hat Estland mit diesem Unsinn Schluss gemacht. Dort zahlen Unternehmer konsequenterweise NULL Prozent Steuern, solange sie die Gewinne im eigenen Unternehmen wieder investieren. Auch so kann man die Schaffung von Arbeitsplätzen fördern.

Es wäre endlich an der Zeit, insbesondere für die Gewerkschaften, Die Linkspartei und die SPD, die gerne den armen Bürger und Verbraucher gegen die mächtigen Unternehmen auspielen, aber auch für alle anderen Parteien, diese erfundene Trennung zwischen Unternehmenssteuern und vom Bürger direkt geleistete Lohn- und Einkommenssteuern aufzulösen, die es so nie gab und eine ehrliche Diskussion um ein einfacheres Steuersystem zu führen.

P.S.: Bei Gelegenheit suche ich noch Links oder Quellen für die angesprochenen „einsichtigeren“ Ökonomen an bzw. erhoffe mir vielleicht von einem Leser einen Hinweis, wofür ich dankbar wäre.

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