Was ist Wirtschaft?

Geht es in Diskussionen um Wirtschaftsfragen und Volkswirtschaft, ist meist die Rede von Innovation, Rohstoffen, Bildung, Lohnnebenkosten, sonstigen Kosten, Globalisierung oder Wettbewerbsfähigkeit. Dazu werden die Wechselwirkungen zwischen diesen einzelnen Begriffen und Erscheinungen diskutiert. Allerdings macht genau das diese Diskussion schnell zu einem undurchschaubaren Wirrwarr von Argumenten und Gegenargumenten.

Wirtschaft als Vielzahl kleiner Transaktionen der Menschen

Gehen wir es doch erstmal einfacher an. Wirtschaft soll die Anzahl der Vorgänge sein, bei denen ein Mensch etwas einem anderen gibt und dafür etwas anderes bekommt, dass einen materiellen Gegenwert verkörpert. Heutzutage ist eines davon meistens Geld. Wir leben nicht mehr in einer Tauschwirtschaft. Diese einzelnen Transaktionen bilden dann Ketten und Kreisläufe. Jeder einzelne Vorgang bildet mit anderen eine Kette oder einen Kreislauf und wird dann zusammengezählt und fließt in das Bruttoinlandsprodukt als Summe aller Wirtschaftstransaktionen ein, mit wenigen Ausnahmen und Fehlern, die hier vernachlässigt werden.

Arbeitslose sind zu einem gewissen Teil von diesen Prozessen ausgegrenzt, weil ihre Arbeitskraft ihnen keinen Geldwert mehr einbringt, sie in unserer Arbeitsgesellschaft scheinbar nicht mehr gefragt sind. Dafür bekommen sie aus Steuerzahlungen oder der beitragsfinanzierten (4,2 Prozent des Bruttoeinkommens) Arbeitslosenversicherung Lohnersatzleistungen vom Staat, sprich von den anderen Bürgern.

Die Kraft der menschlichen Phantasie und des Gestaltungswillens

Gehen wir einmal davon aus – und das zeigt auch die gesamte Menschheitsgeschichte, dass uns an sich ständig das Schaffen Innovationen gelingt und wir überall Möglichkeiten hätten, etwas zu gestalten und zu schaffen, also zu arbeiten. Dann gibt es keine Notwendigkeit, Arbeitslosigkeit zu ertragen. Andere europäische Länder um uns herum, kennen diese Erscheinung derzeit auch nicht wirklich oder kaum: Irland, GB, die Skandinavischen Länder, vor allem Dänemark.

Sand im Getriebe

Nehmen wir nun an, die Ursache liegt in der Störung des Wirtschaftens, so muss man konstatieren, dass die Menschen von irgendetwas abgehalten werden, eine Produkt oder eine Dienstleistung (einschließlich der eigenen Arbeitskraft) an andere Menschen weiterzugeben, zu wirtschaften. Mit anderen Worten, der Wirtschaftskreislauf ist gestört, unterbrochen oder negativ beeinträchtigt. Was kann der Grund sein?

Wahrscheinlich liegt der Hauptgrund darin, dass ein Facharbeiter drei bis vier Stunden arbeiten muss, um sich eine einzige andere Facharbeiterstunde leisten zu können. Mit anderen Worten der Staat und andere Institutionen wie Gewerkschaften, Kammern und Verbände saugen den Menschen bei jeder Wirtschaftstransaktion einen gehörigen Teil der transferierten Summen ab. Von diesem abgesaugtem Betrag leben unsere Politiker, Funktionäre, Lobbyisten und Verwaltungsmitarbeiter.

Verzweiflungstaten

Irgendwann verzweifeln, die Menschen daran und zeigen Gegenreaktionen. Es kommt zu Erscheinungen wie Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, bewusste Nichtarbeit einiger, die sich mit Hartz IV zufriedengeben oder unabhängige Bürger leben von ihrem ererbten oder erarbeiteten Vermögen.

Was kann man dagegen tun? Sicher ist ein Minimum an Verwaltung und Politikbetrieb notwendig, auch der Föderalismus, damit die Bürger nicht zu weit haben zu ihren Politikern und es noch die Bundesländer mit der besten politischen Lösung in den jeweiligen Politikfeldern als Anreiz für die anderen gibt. Doch das Einsparpotential ist ungeheuer groß. Man muss sich nur mal erkundigen, wie wenig unsere Verwaltungen noch die Möglichkeiten des Internets und der generellen elektronischen Vernetzung ausschöpfen. Insbesondere im Bildungsbereich an Schulen und Universitäten werden diese Instrumente noch nicht ausreichend zur Wissensvermittlung genutzt. Außerdem sehen sogar die Besucher von Ämtern oftmals selbst, dass einfache organisatorische Veränderungen den Verwaltungsablauf effektiver machen würden.

Bremsverhalten der alten Entscheidungsträger

Wir stehen hier erst am Anfang einer tiefgreifenden von Technologie getriebenen gesellschaftlichen Umwälzung. Da sich die Entscheidungsträger im Wesentlichen aus der älteren Generation rekrutieren, oftmals beratungsresistent sind und nicht viel Zeit und technisches Verständnis haben, sich zeitnah mit den jeweils neuesten technologischen Entwicklungen auseinanderzusetzen, vollziehen sich wichtige Neuerungen nur quälend langsam. Hoffentlich nicht zu langsam, um die Vielzahl an drängenden Problemen zu lösen. Mehr Offenheit gegenüber Technologie und Zukunftsoptimismus mit innovativer Tatkraft gekoppelt würden unserer Gesellschaft gut tun.

Entscheidungsfreiheit für die Bürger

Vor allem dürfen den einzelnen Bürgern nicht ständig Knüppel zwischen die Füße geschleudert werden, sobald diese etwas unternehmen und bewegen wollen. Die Besitzstandswahrer und ewigen Bedenkenträger aus Prinzip müssen endlich das Feld räumen. Dann wird auch wieder klarer, was Wirtschaften noch ist: Streben der Menschen nach Verbesserungen und mehr Effektivität in ihrer Umwelt und mehr Wohlstand durch Innovationen.

Nachtrag:

Beit Gutmenschen gibt es zum Thema Wirtschaft interessante Aussagen vom Nobelpreisträger Phelps.

3 Gedanken zu „Was ist Wirtschaft?“

  1. Ich stimme Dir in vielem, was Du angesprochen hast, zu. Das ist in der deutschen Politblog-Landschaft garnicht mal so häufig.

    Allerdings glaube ich, dass die auffällige deutsche Besonderheit bei den Lohnnebenkosten (die deutlich höher sind als im OECD-Durchschnitt) nicht allein auf Versagen der Bürokratien und der sie bedrängenden Lobbyisten zurückzuführen sind, sondern auch darauf, dass man es sich in Deutschland leicht gemacht hat, Unternehmen (jedenfalls faktisch) steuerlich zu entlasten, während man Arbeitnehmer (i.d.R. via Lohnnebenkosten) belastet hat. Es ist in den letzten 20 Jahren eine Schieflage in der Struktur des Steuer- und Abgabenaufkommens entstanden – und zwar eine Schieflage, die beschäftigungshemmend wirkt und die Menschen frustriert.

    Das wäre jedenfalls meine These.

    1. @ Dr. Dean

      Nun muss ich Dir ebenfalls zustimmen, obwohl zuviel Harmonie nicht nur gut ist für politische Diskurse 😉

      Auch ich würde tendenziell mehr in die skandinavische Richtung gehen mit höheren Steuersätzen, um die arbeitsbelastenden Lohnnebenkosten senken zu können. Das war, wenn auch nur implizit, mit von mir angedacht, als ich über den hohen Facharbeiterstundenlohn aus der Kundenperspektive schrieb.

      Im Wesentlichen lag mir daran, auf größere Zusammenhänge und Kreisläufe zu verweisen, womit ich dann nicht mehr den Fokus auf Details richten konnte, ohne eine längere Abhandlung oder ein Buch zu verfassen. Dazu sind mir dann Kommentare wie Deiner sehr willkommen.

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